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20.02.2006

15:44 Uhr

Vogelgrippe

Handel fürchtet deutliche Verluste

Der Lebensmittelhandel stellt sich nach dem Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland auf deutliche Umsatzrückgänge beim Verkauf von Geflügelprodukten ein. Auch die Geflügelhalter sind alarmiert. Betriebe erhalten Schadenersatz für Massentötungen.

Hühner müssen in den Stall: Geflügelhalter fürchten deutliche Einbußen durch Vogelgrippe dpa

Hühner müssen in den Stall: Geflügelhalter fürchten deutliche Einbußen durch Vogelgrippe

HB BERLIN. „Wir rechnen mit herben Verlusten, sollte sich die Krankheit auf Zuchtbetriebe ausweiten“, sagt Gerd Härig, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL), im Gespräch mit dem Handelsblatt. In einem solchen Fall könnte sich der Markt ähnlich entwickeln wie vor einigen Jahren nach dem Ausbruch der Rinderseuche BSE. Damals war der Verkauf von Rindfleisch um 30 bis 40 Prozent eingebrochen.

Bereits im vierten Quartal 2005 sei der Gefügelfleischverkauf um zehn bis 20 Prozent gesunken, berichtet Härig. Die Ursache für den Rückgang sei allerdings nicht die Vogelgrippe gewesen, sondern die Debatte um überlagertes „Gammelfleisch“. Darüber hinaus gebe es akutell keine weiteren sichtbaren Rückgänge beim Verkauf von Geflügel.

Ein Sprecher der Metro gab zu bedenken, dass bislang weltweit noch kein Ansteckungsfall über den Verzehr infizierter Lebensmittel bekannt geworden sei. Unklar ist im Handel derzeit aber, ob das Minus bei den Geflügelfleischverkäufen durch Zusatzkäufe von Rind- und Schweinefleisch ausgeglichen werden können.

Auch die Geflügelhalter sorgen sich um ihre Bestände. Vor allem die rund 22 000 niedersächsischen Geflügelhalter verfolgen die schnelle Verbreitung der Vogelgrippe im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern mit Unbehagen. Die Branche sei „alarmiert“, sagte ein Sprecher des Landesbauernverbands in Hannover. So würden zusätzlich zur breit akzeptierten Einhaltung der seit Freitag geltenden Stallpflicht in den Betrieben umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. Auch werde streng darauf geachtet, dass Fremde keinen Zutritt zu den Hofanlagen hätten.

Die wirtschaftlichen Folgen im Falle eines Übergreifens der Vogelgrippe auf die Zuchtbetriebe nannte der Sprecher „fatal“. Der Umsatz der Geflügelbranche liege in Niedersachsen bei rund 800 Millionen Euro im Jahr. Dies seien etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Landwirtschaft in dem Bundesland.

Insgesamt werden in Niedersachsen den Angaben zufolge 75 Millionen Geflügeltiere gehalten, darunter 25 Millionen Legehennen und 35 Millionen Masthähnchen. Damit liegt das Land bei der Geflügelhaltung bundesweit an der Spitze.

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