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29.11.2014

11:11 Uhr

Von der Straße in die Geschäfte

Ferguson und der Black-Friday-Boykott

VonAxel Postinett

Kein Respekt – Keine Gewinne. Nach diesem Motto wollen Demonstranten die Kaufkraft der farbigen US-Bürger gegen Corporate Amerika einsetzen. Ein waghalsiger Versuch.

Angriff auf den Umsatz: Demonstranten in Chicago boykottieren den Black Friday. ap

Angriff auf den Umsatz: Demonstranten in Chicago boykottieren den Black Friday.

Oakland/San FranciscoGeschlossene Einkaufstempel, stillgelegte U-Bahnen, blockierte Highways, “Die-ins” in der Mall. Der wichtigste Tag des US-Einzelhandels geriet im Schatten ob Ferguson zum landesweiten Protest. „Kein Respekt – kein Profit“ skandierten die Unterstützer der friedlichen Massenproteste am Black Friday. Corporate Amerika wird an seiner empfindlichsten Stelle getroffen: der Brieftasche.

In einem nicht enden wollenden Strom spuckt die U- und S-Bahn BART an der Powell Street üblicherweise am „schwarzen Freitag“, dem „Black Friday“, einkaufswütige Konsumenten aus. Sie kommen aus Berkely, Oakland, Richmond oder Fremont in das Herz San Franciscos, und die Massen wälzen sich dann in die große Westfield Mall an der Market Street oder Macy’s, GAP, Sears oder Nike am Union Square, wo sie ihre Brieftaschen leeren. Doch diesmal war alles anders. Ratlose Fahrgäste standen umher, keine Züge trafen mehr ein oder fuhren ab in Richtung East Bay. Demonstranten hatten am Morgen die strategisch wichtige Station West Oakland stillgelegt. Es ging nicht mehr. Die Wiederaufnahme des Linienverkehrs war erst gegen 14.30 Uhr geschafft. Doch da war schon viel Geschäft verloren.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Es war eine Aktion der Bewegungen #BlackOutBlackFriday oder #notasingledime. Sie sehen sich als friedliche Fortsetzung der Proteste gegen den Freispruch dritter Klasse für einen weißen Polizisten, der einen unbewaffneten farbigen Teenager in Ferguson, Missouri, erschossen hatte. Gegen den Todesschützen wird keine Anklage erhoben, hat eine Jury am Montag entschieden. Seitdem prägen landesweite Proteste das Land, teils gewalttätig.

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