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15.01.2007

14:18 Uhr

Vor dem Prozess

Prozess um Swissair-Pleite beginnt

Vor fünf Jahren stürzte die Pleite der Traditionsfirma Swissair die Schweiz in ein Trauma. Weil sich die Manager in der Strategie vergriffen hatten, stand das Unternehmen plötzlich mit einem hoffnungslosen Schuldenberg da und konnte nicht einmal mehr seine Kerosinkosten bezahlen. Morgen beginnt der Prozess gegen die Verantwortlichen.

HB GENF/ZÜRICH. Als am 2. Oktober 2001 die Flugzeuge mit dem weißen Schweizer Kreuz wegen Geldmangels am Boden bleiben mussten, sahen die Schweizer fassungslos auf die Fernsehbilder von den Flughäfen. Alle Rettungsversuche waren gescheitert. Von diesem Dienstag an stehen 19 ehemalige Swissair-Verantwortliche vor dem Bezirksgericht Bülach bei Zürich vor Gericht. Ihnen werden unter anderem Verletzung der Sorgfaltspflicht oder Falschbeurkundungen vorgeworfen. Juristen sind aber sicher, dass kein vorsätzlicher Betrug vorlag - da die Swissair ja gerettet werden sollte. „Niemand wird ins Gefängnis kommen“, meinte ein Experte. Für die Schweizer jedoch bedeutet der einmonatige Prozess eine wichtige Aufarbeitung ihrer Wirtschaftsgeschichte.

Die Swissair-Pleite war in der Schweizer Wirtschaft einmalig. Im August 2001 fehlten 2,3 Mrd. Franken (heute etwa 1,4 Mrd Euro) in der Kasse der S-Air-Group, zu der die Swissair gehörte. Das Unternehmen hatte satte 15 Mrd. Franken Schulden. Das Kerosin konnte nicht mehr bezahlt werden, die laufenden Kosten fraßen sofort alles auf. Am 2. Oktober standen die Turbinen still, zwei Tage später wurde Nachlassstundung beantragt, die Schweizer Variante eines Insolvenzverfahrens. Das 1931 gegründete Unternehmen war am Ende.

Als Hauptgrund dafür gilt die so genannte Hunter-(Jäger) Strategie, die zum Ziel hatte, durch immer neue Zukäufe, wie etwa die marode belgische Sabena, international zu wachsen und zum Global Player zu werden. Dabei hatte sich die kleine Schweiz verhoben. Jetzt stehen Mitglieder des Verwaltungsrates, der in der Schweiz anders als der deutsche Aufsichtsrat teilweise auch die Geschäfte führt, sowie der Geschäftsführung vor Gericht in der Stadthalle von Bülach, die wegen des erwarteten großen Medienandranges extra umgebaut wurde. Über 4000 Aktenordner wurden in den vergangenen Jahren von der Staatsanwaltschaft zusammengetragen. Da 2008 die ersten Verjährungen eintreten, ist Eile geboten.

In einer beispiellosen Rettungsaktion und unter Einsatz von 4,5 Mrd. Franken von Staat und Wirtschaft wurde aus der ehemaligen Regionallinie Crossair die Swiss. Sie startete im März 2002 und wurde 2006 von der Lufthansa übernommen. Derzeit fliegt sie in die schwarzen Zahlen.

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