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18.09.2012

11:35 Uhr

Vor Weihnachtsgeschäft

Einzelhandel verliert an Schwung

Trotz höherer Umsätze blicken die deutschen Händler erstmals seit langem überwiegend skeptisch auf ihre Branche. Hohe Energiekosten und die Eurokrise belasten das Geschäft. Der Weihnachtsverkauf soll es richten.

Abrechnen in einem Münchener Kaufhaus: die Kunden halten sich in letzter Zeit zurück. dpa

Abrechnen in einem Münchener Kaufhaus: die Kunden halten sich in letzter Zeit zurück.

DüsseldorfDie Stimmung im deutschen Einzelhandel hat sich wenige Wochen vor dem Start des wichtigen Weihnachtsgeschäfts durch steigende Energiekosten und die anhaltende Eurokrise verschlechtert. Erstmals seit mehr als zwei Jahren überwiege der Anteil der Händler mit einer schlechten Lagebewertung gegenüber denen mit einer guten, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) am Dienstag in Düsseldorf mit. Befragt wurden vom HDE in diesem Sommer rund 1.300 Unternehmen.

Im ersten Halbjahr haben die Einzelhändler mit einem Einnahmeplus von 2,6 Prozent zwar einen furiosen Start hingelegt und sich so ein Polster geschaffen. Und auch für das kommende Jahr erwartet der HDE keinen dramatischen Einbruch: „Wir müssen kein Krisenszenario für 2013 zeichnen“, betonte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Dienstag in Düsseldorf. Viele Händler berichteten dennoch von einer schwachen Gewinnentwicklung: Fast jeder zweite Betrieb musste im ersten Halbjahr hier Einbußen hinnehmen. Die Sorgen um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hätten zugenommen. Auch die Euro-Schuldenkrise verunsichere weiter die Unternehmen.

Vor allem die steigenden Kosten für Strom und Benzin entziehen den Bürgern Kaufkraft. Allein die Preise für Haushaltsenergie legten dem HDE zufolge von Januar bis August um 6,1 Prozent zu. Zudem machen die steigenden Kosten auch den Unternehmen selbst zu schaffen, denn sie drücken auf die im Handel traditionell geringen Margen.

Dem stehe aber eine stabile Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt und damit auch der Einkommen gegenüber, sagte Genth. „Die Konjunktursorgen scheinen derzeit größer zu sein, als die tatsächlichen Konjunkturrisiken“, erläuterte er. Gerade der Online-Handel boomt in Deutschland, aber auch bei Uhren- und Schmuckhändlern klingelten im ersten Halbjahr die Kassen - sie verbuchten ein nominales Umsatzplus von 13 Prozent. Der Buchhandel musste dagegen sinkende Erlöse hinnehmen.

Buchläden und auch größere Ketten wie die Douglas-Tochter Thalia leiden unter der Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon. Insgesamt rechnet Genth nun für das vierte Quartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft, in dem die Händler traditionell den Löwenanteil ihrer Gewinne einfahren, mit einem „stabilen Geschäft“. Der Handel lasse sich seinen Optimismus für das wichtige vierte Quartal nicht nehmen, sagte Genth.

Der HDE bestätigte seine bisherige Prognose von einem Umsatzwachstum für die Branche von nominal 1,5 Prozent für das Gesamtjahr 2012. Real - also bereinigt um die Preissteigerungen - dürfte der Umsatz der Branche auf Vorjahresniveau liegen. Demnach könne die Branche insgesamt rund 430 Milliarden Euro 2012 umsetzen, rechnet Genth vor. Und bei der Beschäftigung könne sie einen Rekord verbuchen: Erstmals arbeiteten mehr als drei Millionen Menschen in der Branche.



Von

dpa

Kommentare (1)

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Ist_nicht_wahr

18.09.2012, 14:24 Uhr

Kann nicht sein. Ich sehe immer mehr Menschen, die lange vor der Ladenöffnung schon vor den Geschäften campieren ... oh, sorry, merke gerade, daß das alles Obdachlose sind ... wie kann das sein, wenn uns überall blühende Landschaften vorgegaukelt werden ... mal drüber nachdenken ...

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