Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2010

08:51 Uhr

Vorbild GM

Japan Airlines beschließt Insolvenzantrag

VonFinn Mayer-Kuckuk

Asiens größte Fluggesellschaft ist pleite. Die hoffnungslos verschuldete Japan Airlines (JAL) geht zum Insolvenzrichter, der Vorstandschef tritt zurück. Japans Regierung will die Airline nun unter Aufsicht wiederauferstehen lassen, ähnlich wie bei General Motors in den USA. Analysten warnen jedoch vor Gefahren.

Lange Gesichter bei JAL-Mitarbeitern: Die Fluggesellschaft meldet Insolvenz an. Quelle: ap

Lange Gesichter bei JAL-Mitarbeitern: Die Fluggesellschaft meldet Insolvenz an.

TOKIO. Die japanische Fluglinie Japan Airlines (JAL) beantragt Insolvenz. „Die Regierung wird alle Bemühungen zu einer Wiedergeburt JALs unterstützen“, sagte Tranportminister Seiji Maehara am Dienstag in Tokio. Der Flugbetrieb ist zunächst nicht betroffen, doch die Aktie des Unternehmens geht in Tokio aus dem Handel.

Zugleich erklärte Firmenchef Haruka Nishimatsu seinen Rücktritt und gab die Verwantwortung für das Unternehmen an das Insolvenzgericht und eine staatliche Restrukturierungsgesellschaft ab. Der Rücktritt Nishimatsus markiert die größte Insolvenz eines Unternehmens außerhalb der Finanzindustrie in der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Das Board von JAL hat sich am Nachmittag in einer außerordenlichen Sitzung für diesen Weg entschieden.

Die japanische Regierung steht bereit, umgerechnet mehr als zwei Mrd. Euro in eine erfolgreiche Wiederbelebung des Pleitefliegers zu stecken. Eine Auffanggesellschaft garantiert den Zulieferern von JAL die Begleichung der laufenden Rechnungen. Das soll Unterbrechungen in der Versorgung mit Kerosin, Catering oder Flughafendienstleistungen vorbeugen.

Vorbild für den Wiederaufbau der einstigen Vorzeigelinie ist die kontrollierte Insolvenz des US-Autoherstellers General Motors, der aus dem Verfahren als vergleichsweise vitales Unternehmen hervorgegangen ist. Die neue japanische Regierung unter Premier Yukio Hatoyama hat sich Washingtons Vorgehen zum Vorbild genommen.

Rechtlich gesehen läuft die Insolvenz von JAL und dem "Kaisha-kôsei-hô", dem "Firmenwiederbelebungsgesetz". In den örtlichen Medien ist daher auch überwiegend mit optimistischem Ton von der "Wiederauferstehung" von JAL die Rede. Das Verfahren hat das Ziel, die betroffenen Unternehmen so schnell wie möglich als gesundet wieder in die Selbständigkeit zu entlassen.

Mit dem offiziellen Insolvenzantrag kommt ein jahrelanges Drama um die angeschlagene Fluglinie zum Höhepunkt. Analysten begrüßen den Wendepunkt trotz der vorläufigen Löschung der Aktie, mit dem das verbleibende Eigentum der Anteilsinhaber praktisch entwertet wird. "Mit Insolvenz ist ein Stigma verbunden, doch es ist viel besser, einen Neuanfang zu machen, bei dem das Unternehmen sein Selbstbewusstsein zurückgewinnen kann", sagte Ryota Himeno von Mitsubishi UFJ Securities.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×