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15.04.2016

15:30 Uhr

Vorwerk

Internetpiraten kopieren Thermomix-Webshop

VonKatrin Terpitz

Vorwerk warnt vor gefakten Online-Shops. Diese bieten die Kult-Küchenmaschine zum Spottpreis – ohne zu liefern. Etliche Kunden haben ihr Geld verloren. Kriminelle haben auch Shops anderer Markenhersteller im Visier.

Von den Produktfotos über die Kundenbewertungen bis zum Impressum – alles an der Webseite wirkt auf den ersten Blick täuschend echt. Doch geliefert wird nie.

Gefälschter Thermomix-Web-Shop

Von den Produktfotos über die Kundenbewertungen bis zum Impressum – alles an der Webseite wirkt auf den ersten Blick täuschend echt. Doch geliefert wird nie.

DüsseldorfDas Angebot klingt verlockend. Die Kult-Küchenmaschine Thermomix TM5 für 845 Euro statt 1180,99 Euro – samt Chip und Kochbuch und sofort lieferbar. Wo doch sonst die Lieferzeit sieben Wochen beträgt. Auch die Kommentare der Kunden überzeugen: „Anders kennt man es nicht von Vorwerk. Schnelle Lieferung, gute Qualität“, schreibt Sabine Heinemann als Bewertung und verteilt fünf Sterne. Herbert Tietzmann gibt nur vier Sterne: „Die Lieferung hat uns zu lange gedauert, beim Preis von 845 Euronen kann man aber nicht meckern.“

Von den Produktfotos über die AGBs bis zum Impressum – alles an der Webseite wirkt auf den ersten Blick täuschend echt. Doch hinter www.thermomix-vorwerk.org verbirgt sich einer von zahlreichen Fake-Shops. Etliche Kunden sind auf die vermeintlichen Schnäppchenangebote hereingefallen. Sie haben gegen Vorkasse gezahlt, aber nie einen Thermomix erhalten, berichtet die Polizei von Tuttlingen bis Paderborn.

Die sechs Sparten von Vorwerk

Thermomix

Die kultige Küchenmaschine ist seit 2014 der Hauptumsatzbringer von Vorwerk. Mit einem Wachstum von 49,4 Prozent erreichte der Thermomix 2015 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Das Gerät ist damit der Hauptumsatzbringer von Vorwerk. Die Gruppe machte einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro, ein Plus von 24 Prozent. Der Thermomix wird seit 1961 produziert. Das neue digitale Modell TM5, das im September 2014 überraschend auf den Markt kam, hat eine unerwartet hohe Nachfrage. Die Wartezeit in Deutschland betrug anfangs 13 Wochen. Der Thermomix wird nur über Beraterinnen auf Partys vertrieben.

Kobold

Der Kult-Staubsauger wurde 2014 erstmals vom Thermomix überholt, obwohl auch der Umsatz des Kobold kräftig wächst. 2015 kletterte er um 16 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Seit 2011 wird der Kobold in Deutschland nicht mehr nur über Vertreter, sondern auch über die mehr als 30 Läden und einen Online-Shop vertrieben.

Jafra Kosmetik

Seit 2004 gehört Jafra zur Vorwerk Gruppe. Der Stammsitz ist in Kalifornien. Die Kosmetika werden hauptsächlich in Mexiko, den USA und Brasilien vertrieben. Der Umsatz, der 2014 um sieben Prozent gesunken war, erholte sich 2015 wieder um 6,9 Prozent. Die Kosmetiksparte erzielte 2015 einen Umsatz von 457 Millionen Euro.

Akf-Gruppe

Der Finanzierer für den Mittelstand bietet Leasing, Kredite und andere Finanzdienstleistungen für diverse Branchen wie Automobil, Yachten und Agrartechnik. Die Grupper erreichte im Neugeschäft einen neuen Höchstwert von 1,1 Milliarden Euro (plus 16 Prozent). Der Umsatz ist um 9,6 Prozent auf 443 Millionen Euro gestiegen.

Vorwerk Teppiche

Bodenbeläge sind die Keimzelle des Traditionsunternehmen, das 1883 unter dem Namen Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co in Wuppertal gegründet wurde. 2014 hatte Vorwerk die Werke der insolventen Marke „Nordpfeil“ übernommen. Der Umsatz blieb 2015 mit 88 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

 

Lux Asia Pacific

In Südostasien vertreibt Vorwerk Wasserfilter, Luftreiniger und Staubsauger. Der Umsatz stagnierte 2015 bei 28 Millionen Euro. Künftig will sich das Unternehmen stärker auf Filter- und Reinigungstechnik fokussieren.

„Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Inhalten dieser Seiten und zeigen uns äußerst bestürzt, mit welcher Dreistigkeit Verbraucher durch die Benutzung unserer Marken sowie die Übernahme von Impressumsangaben getäuscht werden“, äußert sich Thermomix-Hersteller Vorwerk. Auf der Thermomix-Homepage warnt das Wuppertaler Unternehmen ausdrücklich vor folgenden Fake-Shops: thermomix-vorwerk.com, thermomix-berlin.com, deutschland-thermomix.com, tm5-vorwerk.com, tm5-ag.com, thermomix-vorwerk5.com, thermo-gmbh.com, thermo-vwerk.com, thermomix-vorwerk.org.

Die Domains dieser Thermomix-Fake-Shops wurden allesamt unter Nutzung eines Anonymisierungsdienstes mit Sitz in Panama angemeldet, weshalb IP Adressen und die Inhaberschaft bislang unbekannt sind, erklärt Vorwerk. „Ein unmittelbares Vorgehen gegen die Hintermänner ist daher momentan unmöglich“. Das Unternehmen hat gegen die Inhaber der Domains Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Hamburg gestellt. „Gegen alle URLs (Internetadressen) laufen zudem Löschungsverfahren, da die Domains die Markenrechte unseres Unternehmens verletzen“, betont der Thermomix-Hersteller.

Fake-Shops für die digitale Küchenmaschine, den Verkaufsschlager von Vorwerk, sind beileibe kein Einzelfall. Gefälschte Markenshops bieten heute alles – von Kinderspielzeug über Fahrräder, Elektronik, Schmuck, Luxushandtaschen bis Fußballtickets – zu verlockenden Schnäppchenpreisen.

Hinter den meisten Fake-Shops stecken Profis. Die können nicht nur eine Website täuschend echt nachbauen, sondern beherrschen auch die Klaviatur der Suchmaschinen. So landen die betrügerischen Seiten weit vorne bei Google und Preisvergleichsportalen.

Nur selten können die Kriminellen dingfest gemacht werden. So wie im April 2015 die zwei 25-jährigen Berliner, die 26 Fakeshops betrieben und von gutgläubigen Kunden mehr als 214.000 Euro als Vorkasse bekamen. Geliefert haben die Betrüger die bestellten Kaffeemaschinen, Smartphones und Spielkonsolen jedoch nie.

Meist sitzen die Cyber-Kriminellen allerdings im Ausland. Von Strohmännern lassen sie mit gefälschten Papieren Bankkonten in Deutschland eröffnen. Dahin überweisen ahnungslose Kunden Geld für vermeintliche Schnäppchen. Nach ein paar Wochen macht die Webseite meist wieder dicht und taucht unter anderem Namen wieder auf.

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