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01.09.2015

11:31 Uhr

V&D kämpft um die Zukunft

Auch in Holland ist das Kaufhaus in der Krise

Das Kaufhaus ist auch in den deutschen Nachbarländern in der Krise. In den Niederlanden kämpft die renommierte Kette V&D um ihre Existenz. Ein Jobabbau soll nun für die Wende sorgen.

Nicht nur in Deutschland steckt die Branche in der Sinnkrise. dpa

Kaufhaus in der Krise

Nicht nur in Deutschland steckt die Branche in der Sinnkrise.

HamburgBeobachtern der deutschen Warenhaus-Landschaft mit Karstadt und Kaufhof klingt es vertraut: Die niederländische Kaufhaus-Ikone V&D streicht 300 ihrer 5000 Jobs – und verspricht zugleich ein höheres Service-Niveau. Dem am Dienstag vorgelegten Plan sind lange Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften vorausgegangen.

Anfang des Jahres hatte die Meldung für Aufsehen im Handel in dem Land gesorgt: V&D stand kurz vor der Pleite. Nach Verhandlungen mit Vermietern und Banken stieg der Wagniskapitalgeber Sun Capital mit 60 Millionen Euro ein. Um die Kosten zu drücken, wollte der Konzern die Löhne aller Mitarbeiter um 5,8 Prozent drücken.

So ähnlich war Karstadt in der Krise vorgegangen. Nur: Dort hatten die Arbeitnehmervertreter im Gegenzug für eine Jobgarantie auf Lohn verzichtet. In den Niederlanden lief es anders: Die Gewerkschaft zog im Frühjahr vor Gericht, dass die Lohneinschnitte schlichtweg untersagte. V&D kündigte daraufhin an, 400 Jobs zu streichen.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Letztlich sind es nun 300 geworden, zehn Millionen Euro will V&D so einsparen. Immerhin verzichteten die Mitarbeiter auf einen Urlaubstag. Kaufhaus-Chef Jan van der Ent verspricht den Kunden nun in technokratischer Sprache viel: „Obwohl wir diese Kündigungen sehr bedauern, können wir durch die neuen, ergebnisorientierten Funktionen und eine angepasste Besetzung pro Laden die notwenigen Kosteneinsparungen realisieren, den Verlust an Arbeitsplätzen auffangen und zugleich das Serviceniveau für unsere Kunden verbessern.“

Von

cuk

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