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09.04.2013

13:24 Uhr

Wachsender Schaden

Großkonzerne sagen Metalldieben den Kampf an

Die hohen Rohstoffpreise machen den Metallklau immer attraktiver. Vor allem die Deutsche Bahn fällt den Dieben immer häufiger zum Opfer. Alleine hier wurde ein Schaden von 17 Millionen Euro angerichtet.

Eine Hand greift nach Kupferrohren: Der Schaden durch Metalldiebe ist gestiegen. dpa

Eine Hand greift nach Kupferrohren: Der Schaden durch Metalldiebe ist gestiegen.

BerlinMetalldiebe haben bei Großkonzernen im vergangenen Jahr größeren finanziellen Schaden angerichtet als 2011. Insgesamt hätten die Diebe einen Schaden von über 20 Millionen Euro verursacht - das Schadensvolumen sei damit "leicht gestiegen", teilte am Dienstag ein Bündnis von Unternehmen rund um die Deutsche Bahn mit, das den Metalldieben den Kampf angesagt hat. Die Bahn war mit 17 Millionen Euro am stärksten betroffen.

Insgesamt 17.000 Züge seien im vergangenen Jahr von Störungen betroffen gewesen, die durch Metalldiebe verursacht worden seien, teilte die Deutsche Bahn mit. Dadurch seien 240.000 Minuten oder 4000 Stunden Verspätung entstanden. 2011 waren bei der Bahn noch 285.000 Minuten Verspätung durch Metalldiebstähle entstanden. Die Zahl der betroffenen Züge blieb demnach gleich.

Die Bahn habe 2012 rund 2700 Diebstähle verzeichnet, was einem Rückgang um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprochen habe, teilte das Unternehmen mit. Auf Bahngelände seien insgesamt 558 Diebe festgenommen worden. Die Zahl der Festnahmen sei damit gestiegen.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Die Bahn werde auch weiter "mit großen Nachdruck" gegen Metalldiebstähle vorgehen, erklärte Gerd Neubeck, Chef der Bahn-Konzernsicherheit. "Die Diebe setzen für ein paar Euro ihr Leben aufs Spiel und verursachen dabei nicht nur einen großen materiellen Schaden für die Bahn, sondern schaden vor allem unseren Kunden."

Die Infrastruktur-Unternehmen Deutsche Bahn, Telekom und RWE waren im vergangenen Jahr zusammen mit dem Verband Deutscher Metallhändler eine Allianz gegen Metalldiebstähle eingegangen. Hintergrund sind die hohen Preise für Rohstoffe, die den Metallklau zunehmend attraktiv machen.

Die Bahn etwa markiert Stromleitungen mittlerweile mit einer Art künstlicher DNA. Die Kennzeichnung unter der Isolierung ist nicht erkennbar, kann aber mit UV-Licht sichtbar gemacht werden. Ein Code verrät, wo das Material gestohlen wurde. Daneben sorgt die Bahn für mehr Streifen der Bundespolizei und testet Materialien, die weniger attraktiv für Diebe sind.

Beim Versorger RWE gab es im vergangenen Jahr 423 Fälle von Metalldiebstahl - nach 466 Fällen im Jahr 2011, wie das Unternehmen mitteilte. Jedoch habe sich die Schadenssumme von 1,7 auf 2,1 Millionen Euro erhöht. Neu beigetreten sind dem Bündnis den Angaben zufolge nun die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen sowie die deutsche Bergbautochter des Energiekonzerns Vattenfall.

Kernstück der Zusammenarbeit der Anti-Diebstahl-Allianz ist ein elektronisches Frühwarnsystem, mit dem sich die Konzerne austauschen. Daneben werden die Metallrecyclingverbände informiert, um den Dieben der Verkauf von gestohlenem Material zu erschweren.

Von

afp

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