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16.08.2013

09:38 Uhr

Wäschehersteller

Schiesser dreht von unten nach oben

Der größte deutsche Hersteller von Unterwäsche erwägt, in das Geschäft mit der Oberbekleidung einzusteigen. Doch Experten warnen: Schiesser setzt damit die Identität seiner Marke aufs Spiel.

2009 war Schiesser noch unter anderem wegen unrentabler Lizenzverträge in die Insolvenz geraten. Inzwischen ist das aber kein Thema mehr. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 137,6 Millionen Euro. ap

2009 war Schiesser noch unter anderem wegen unrentabler Lizenzverträge in die Insolvenz geraten. Inzwischen ist das aber kein Thema mehr. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 137,6 Millionen Euro.

RadolfzellHemden oder gestrickte Oberteile: Der Wäschehersteller Schiesser erwägt den Einstieg ins Geschäft mit Oberbekleidung. „Wir verkaufen in unseren eigenen Stores Hemden von einer Fremdmarke. Da würde es natürlich auch Sinn machen, unter Schiesser Revival das eine oder andere Oberbekleidungsstück kultig zu interpretieren“, sagte Schiesser-Chef Rudolf Bündgen der Nachrichtenagentur dpa. Unter der Linie Schiesser Revivial legt die Traditionsmarke aus Radolfzell am Bodensee derzeit unter anderem das Doppelripp-Unterhemd neu auf.

Die Pläne für eine Erweiterung des Portfolios könnten Bündgen zufolge frühestens im Herbst 2014 spruchreif werden. „Für Frauen könnten zum Beispiel gestrickte Oberteile das Pendant sein“, kündigte er an. „Das Projekt ist momentan noch in der Brainstorming-Phase“, sagte Bündgen. „Das ist spannend. Darüber hinaus wollen wir aber auf keinen Fall unser Hauptgeschäft vergessen.“

Markenexperten sehen das ähnlich: „Man kann bei Schiesser von der Unterhose zum BH kommen, das passt zueinander und ist artverwandt. Aber man muss bei einer Markendehnung stets seiner Identität treu bleiben“, warnte Markenprofessor Karsten Kilian von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. „Je enger und für die Kunden nachvollziehbarer am Anfang der Markenbezug ist, umso besser.“ Nach und nach könne man sich dann auch etwas weiter vorwagen.

Für Schiessers Oberbekleidungslinie wären nach Angaben von Bündgen vor allem die eigenen Läden interessant. Damit will die Traditionsmarke künftig ohnehin weiter wachsen: „Wir werden bis Ende des Jahres ungefähr 85 eigene Läden zwischen Bozen und Kopenhagen haben“, erklärte er.

Schiesser war 2009 vor allem wegen unrentabler Lizenzverträge in die Insolvenz geraten, arbeitete danach aber schnell wieder profitabel. Im vergangenen Jahr machten die Baden-Württemberger 137,6 Millionen Euro Umsatz - der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag Bündgen zufolge bei einem Zehntel davon.

Von

dpa

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