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18.09.2013

07:52 Uhr

Waffendebatte

Starbucks will keine Waffen mehr in Cafés

Die Kaffeehauskette Starbucks will in ihren Filialen keine Waffen mehr. Starbucks-Chef Schultz will bewaffneten Kunden den Eintritt nicht verwehren, sondern sie darum bitten, ihre Waffen nicht mit ins Café zu nehmen.

Keine Waffen mehr im Kaffeehaus

Starbucks legt Cowboys trocken

Keine Waffen mehr im Kaffeehaus: Starbucks legt Cowboys trocken

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New YorkDie Kaffeehauskette Starbucks will in ihren Filialen in den USA keine waffentragenden Kunden mehr. Er möchte Besucher bitten, ihre Waffen nicht mehr mit in die Cafés zu nehmen, sagte Starbucks-Chef Howard Schultz am Dienstag (Ortszeit) in einem Interview. Ein Waffenverbot wolle er aber nicht aussprechen.

In den meisten US-Staaten ist es möglich, offen eine angemeldete Waffe zu tragen und viele Unternehmen haben keine eigenen Regeln, die das in ihren Läden verbieten. In den vergangenen Monaten haben sich immer häufiger Waffengegner und -befürworter in den Cafés der Kette getroffen. Starbucks sei „unwillentlich“ in die Mitte einer nationalen Waffendebatte geworfen worden, heißt es in einem offenen Brief von Schultz, der am Donnerstag in großen US-Zeitungen veröffentlicht werden sollte.

Die USA und die Waffen

Undurchsichtige Rechtslage

Im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ist das Recht auf privaten Waffenbesitz verbrieft. Dort heißt es: "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Seit 1993 steht etwa eine Überprüfung von Waffenkäufern im Bundesrecht. Verurteilte Kriminelle, Menschen mit psychischen Störungen oder Drogenabhängige dürfen demnach keine Schusswaffen erwerben. Ein im Folgejahr erlassenes Verbot halbautomatischer Gewehre wurde dagegen 2004 nicht verlängert. Dazu kommt ein Dschungel an Gesetzen und Verordnungen auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Immer wieder landeten regionale Beschränkungen für Waffenerwerb und -besitz dabei vor dem Obersten Gerichtshof, der in Grundsatzurteilen 2008 und 2010 ein Recht auf private Waffen anerkannte.

Zahl der Schusswaffen

Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz - das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr gaben 47 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Jeder dritte US-Bürger ist demnach selbst Waffenbesitzer.

Die Waffenschmieden des Landes produzierten im Jahr 2011 knapp 2,5 Millionen Pistolen, 573.000 Revolver sowie mehr als drei Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen (ATF) zeigen. In den USA gibt es fast 130.000 lizensierte Waffenhändler.

Opfer durch Waffengewalt

Mehr als 30.000 Menschen sterben in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen - darunter sind mehr als 12.000 Morde. Die Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign geben in ihrer Berechnung aus dem Jahr 2011 an, dass 270 Menschen täglich durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden. Darunter seien auch 38 verletzte und acht getötete Minderjährige. Nach Angaben der Bundespolizei FBI wurden im vergangenen Jahr 68 Prozent aller Morde mit Schusswaffen verübt.

Wegen Treffen von Waffenbefürwortern, die ihre Waffen mit in die Cafés genommen hatten, hätten sich andere Kunden „unwohl gefühlt“, sagte Schultz. Er hoffe, dass die Menschen seiner Bitte nachkommen, sagte Schultz weiter. Er betonte, aber, dass auch Kunden mit Waffen bedient werden würden. „Wir werden Sie nicht bitten zu gehen.“

Von

ap

Kommentare (1)

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Triebel

18.09.2013, 13:47 Uhr

Falsche Überschrift, besser: Cafes sind keine politischen Plattformen für die Waffendebatte!

Starbucks ist unfreiwillig zwischen die Fronten geraten und bittet darum, die Filialen nicht mehr für Waffenpolitik zu missbrauchen, spricht aber keine Verbote aus.

Hier geht es nicht um das Waffentragen, sondern um die Kampagnen pro- und anti-Waffen. Während die Befürworter Fotos mit Waffen in Starbucks Filialen posteten, riefen die Gegner zum Boykott der Kette auf. Der CEO hat Recht, wenn er zur Mäßigung aufruft.

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