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09.06.2011

18:58 Uhr

Waffentransporte

Reederei CMA-CGM will besser kontrollieren

Die USA prüfen Strafen gegen den französischen Großreeder wegen möglicher Verwicklungen des Konzerns in iranische Waffentransporte. CMA CGM streitet die Vorwürfe weiter ab - doch nun reagiert der Konzern trotzdem.

Die USA prüfen Sanktionen gegen die Reederei CMA-CGM wegen möglicher Verwicklung in iranische Waffenlieferungen an die Terrororganisation Hamas. Quelle: dpa

Die USA prüfen Sanktionen gegen die Reederei CMA-CGM wegen möglicher Verwicklung in iranische Waffenlieferungen an die Terrororganisation Hamas.

Düsseldorf/BerlinIn Marseille liegen die Nerven blank: Angesichts drohender US-Sanktionen gegen den französischen Reeder CMA CGM  bereitet Konzernchef Jacques Saadé verschärfte Kontrollmaßnahmen vor. Das Handelsblatt hatte in der vergangenen Woche über den  Vorwurf berichtet,  der Reeder sehe  im Iran-Geschäft weg und torpediere internationale Sanktionen.     CMA CGM weist das jedoch von sich: Man verfolge eine Politik der „strikten Anwendung aller gültigen Vorschriften“, sagte ein Sprecher.

So ganz scheint man in der südfranzösischen Hafenstadt den eigenen Kontrollmechanismen jedoch nicht zu trauen und gelobt vorsorglich Besserung – wohl auch um die genervten Amerikaner zu besänftigen. Man habe ein Compliance-Team aufgestellt, das ausschließlich damit beschäftigt sei, das Iran-Geschäft zu überprüfen, sagte ein Sprecher des Konzerns. Zudem sollen die IT-Systeme erneuert und alle Firmen überprüft werden, auf die der Konzern bei der Frachtkontrolle zurückgreife.

Im März war das von CMA CGM gecharterte Containerschiff „MS Viktoria“ von israelischen Marinetruppen im Mittelmeer festgesetzt worden. An Bord fanden Sicherheitskräfte mehr als 50 Tonnen iranische Waffen, die an die palästinensische Terrororganisation Hamas im Gaza-Streifen geliefert werden sollten. Bereits zweimal zuvor waren CMA-CGM-Schiffe mit Waffenlieferungen von und nach Iran aufgegriffen worden. Der US-Kongressabgeordnete Peter King hatte deswegen bereits 2010 vom damaligen Konzernchef Philippe Soulié schärfere Kontrollen gefordert.

Nach dem neuen Vorfall auf der „Viktoria“ hatte sich ein anderer Kongressabgeordneter, der Republikaner Michael Conaway, direkt an US-Finanzminister Timothy Geithner und Außenministerin Hillary Clinton gewandt und Sanktionen gegen die Franzosen gefordert. Das US-Finanzministerium prüft derzeit die Vorwürfe.
Franzosen vermuten Verschwörung

In Frankreich sieht man derweil eine Verschwörung im Gange: Anti-iranische Lobbygruppen hätten sich auf den Konzern eingeschossen, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt, der Reeder sei das Opfer einer Kampagne. Ein anderer Sprecher vermutet hinter der Debatte gar den Versuch, die Franzosen mittels „mieser PR“ vom amerikanischen Markt zu drängen.

CMA CGM hätte viel zu verlieren: Während der Krise hatte das US-Geschäft neben anderen Märkten besonders leiden müssen. Zu Jahresbeginn konnte der Konzern erstmals wieder positive Nachrichten verkünden: Mit zusätzlichen Schiffen wollen die Franzosen die Route von Kalifornien nach Asien bedienen, um auf die steigende Nachfrage zu reagieren. In Norfolk, im US-Bundesstaat Virginia, baut der Konzern zudem gerade seine neue US-Dependance auf. 2010 transportierte der Reeder über neun Millionen Containereinheiten TEU und setzte rund 10,1 Milliarden Euro um. Die Franzosen stehen damit weltweit auf Platz drei der Containergiganten. Über das Volumen des Iran-Geschäfts und anderer Regionalmärkte schweigt sich der Reeder mit Verweis auf Branchengeflogenheiten bislang aus.

Die Affäre hat weite Kreise gezogen: Die Uno hat auf israelischen Druck eine Prüfungskommission eingerichtet und ist bei den Franzosen mittlerweile sogar persönlich vorstellig geworden. Salome Surabischwili, Koordinatorin des Ausschusses, reiste im Mai eigens von New York ins Konzernhauptquartier nach Marseille, um den Vorfall zu diskutieren. Man habe einen „sehr positiven Austausch“ mit Surabischwili über die Schifffahrtsindustrie gehabt, heißt es dazu aus der Konzernzentrale. Angesichts der Schwere des Vorfalls klingt das geradezu euphemistisch.

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