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22.07.2016

11:17 Uhr

Walmart gegen Visa in Kanada

Machtkampf an der Donnerbucht

VonGerd Braune

In einer kanadischen Stadt können Kunden von Walmart nicht mehr mit der Visa-Kreditkarte zahlen. Der Handelsriese kämpft damit gegen angeblich zu hohe Gebühren. Und Thunder Bay soll erst der Anfang sein.

Der Einzelhändler Wal-mart kämpft in Kanada gegen die Gebühren des Bezahldienstes. Reuters

Visa-Kreditkarten

Der Einzelhändler Wal-mart kämpft in Kanada gegen die Gebühren des Bezahldienstes.

OttawaIm kanadischen Thunder Bay liegen zwei Giganten im Clinch: Der weltweit größte Einzelhandelskonzern Walmart akzeptiert in seinen drei Niederlassung in der Stadt am Lake Superior nicht mehr Kreditkarten von Visa, dem größten Kreditkartenanbieter des Landes. Der größte Einzelhandelskonzern der Welt will Visa damit zwingen, seine Gebühren für die Nutzung der Kreditkarte zu senken. Thunder Bay ist für Walmart das Testfeld: Nach und nach soll der Visa-Bann auf alle 400 Filialen in Kanada ausgedehnt werden.

Der Wind peitscht die Wellen in die Bucht, an der die 110.000 Einwohner zählende Stadt Thunder Bay („Donnerbucht“) liegt. Das Klima ist rau und der See gewaltig. So gewaltig, dass man ihn eigentlich für ein Meer hält, denn mit 82.000 Quadratkilometer Fläche ist er der größte Süßwassersee der Welt, 150 Mal größer als der Bodensee; der Genfer See würde von der Fläche her 140 Mal in ihn hineinpassen.

Die größten Discounter der Welt

Platz 10

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2014 6,8 Milliarden Euro.

Quelle: Planet Retail/Statista

Platz 9

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2014 setzte das Unternehmen sieben Milliarden Euro um.

Platz 8

2014 generierte der US-Discounter Family Dollar einen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro.

Platz 7

Der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2014 setzte die Kette 9,3 Milliarden Euro um.

Platz 6

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2014 10,3 Milliarden Euro um.

Platz 5

Auf dem fünften Platz findet sich ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2014 betrug der Umsatz des Discounters 12,1 Milliarden Euro.

Platz 4

Der viertgrößte Discounter der Welt ist Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro.

Platz 3

Die US-Kette Dollar General verkaufte 2014 Waren im Wert von 15,0 Milliarden Euro.

Platz 2

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter mit großem Abstand zum Drittplatzierten den zweiten Platz. 2014 betrug der Umsatz der Supermarktkette 62,7 Milliarden Euro.

Platz 1

Aldi Nord und Süd sind gemeinsam auf Platz eins im Ranking der weltweit größten Discounter. 2014 verkauften die beiden deutschen Unternehmen Artikel im Wert von 65,9 Milliarden Euro.

Der Hafen der Stadt ist weltweit einer der größten Umschlagplätze für Getreide, das aus der Prärie angeliefert und hier auf Schiffe geladen wird, die es dann über die Großen Seen und den St. Lorenz-Strom in alle Welt bringen. Die in den See hineinragende Felsformation „Sleeping Giant“ ist eine der Naturattraktionen Thunder Bays.

Hier, in dieser rauen Gegend im Norden von Ontario, beharken sich also die beiden Großen des kanadischen Einzelhandels und Kreditgewerbes. Die Gebühren, die Visa für Transaktionen verlange, seien „unakzeptabel hoch“, schimpft Walmart. Natürlich ist die Attacke auf Visa nach Lesart von Walmart ausschließlich im Interesse der Kunden. „Walmart Canada zahlt jedes Jahr mehr als 100 Millionen Dollar an Gebühren um Kreditkarten zu akzeptieren“, teilt das Unternehmen mit.

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Ökonomen nennen es den „Walmart-Effekt“: Kommt der Shopping-Riese in eine Stadt, werden andere Geschäfte verdrängt. Geht er, bleibt oft verbrannte Erde zurück. Darunter leiden vor allem kleine Gemeinden.

Diese Kosten zu senken sei notwendig, um die Preise niedrig halten zu können und damit den Kunden Kosten zu ersparen. Wie schnell der Bann auf alle Walmart-Filialen in Kanada ausgeweitet werden soll, teilte das Unternehmen nicht mit.

Detaillierte Informationen zu den Gebühren gibt Walmart nicht. Die Höhe der Gebühren sei „Teil von vertraulichen Vereinbarungen“, sagt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Das Unternehmen will auch nicht mitteilen, wieviel von den 100 Millionen Dollar an Gebühren an Visa gehen.

Beim Einsatz von Kreditkarten fallen im Beziehungsgeflecht zwischen den Banken, die Kreditkarten ausgeben, den Banken der Unternehmen, die sie als Zahlungsmittel akzeptieren, und den Geschäften Gebühren an. Wie den Dokumenten auf den Websites von Visa und Mastercard zu entnehmen ist, liegt die „Interchange Rate“, die zwischen den Banken gelten, für Käufe im Einzelhandel bei 1,5 bis 2 Prozent mit zahlreichen Variationen, die sich an der Art der Karte, dem Umsatz der beteiligten Geschäfte oder gar den Produkten selbst orientieren. Mastercard bietet für große Einzelhandelsketten in der „High Volume Supermarket“-Klasse bei einem Kaufvolumen von mindestens drei Milliarden Dollar eine Rate von 1,22 Prozent an.

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