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16.05.2017

13:11 Uhr

„Wanna Cry“

Cyberangriff legt 450 Bahn-Computer lahm

Der Hackerangriff „Wanna Cry“ hat weltweit Störungen und Schäden verursacht. So auch bei der Deutschen Bahn, bei der rund 450 Computer betroffen waren. Das geforderte Lösegeld hat der Staatskonzern nicht gezahlt.

Die weltweite Welle von Cyber-Attacken hat auch die Deutsche Bahn getroffen. An den Bahnhöfen gab es technische Störungen an den digitalen Anzeigentafeln. dpa

Elektronische Anzeigentafel

Die weltweite Welle von Cyber-Attacken hat auch die Deutsche Bahn getroffen. An den Bahnhöfen gab es technische Störungen an den digitalen Anzeigentafeln.

BerlinVon der weltweiten Cyber-Attacke waren nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft 450 Rechner der Deutschen Bahn betroffen. Es gebe auch Hinweise auf weitere Geschädigte, sagte Sprecher Martin Steltner am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Möglich sei, dass sich Betroffene bislang nicht gemeldet hätten, weil sie eine Rufschädigung befürchteten.

Die Hacker wollten mit ihrem Angriff Geld erpressen. Die Bahn habe aber nichts gezahlt. Ermittelt werde auch wegen Computersabotage. Europäische Behörden wie Eurojust (für die Justiz) und Europol (für die Polizei) arbeiten laut Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung zusammen. In Deutschland führt das Bundeskriminalamt die Ermittlungen.

Cyber-Attacke: Was steckt hinter „Wanna Cry“?

Der Hintergrund

Die Erpressungs-Software „Wanna Cry“ hat sich in rasender Geschwindigkeit auf Hunderttausenden Rechnern weltweit eingenistet und dort die Daten verschlüsselt - bei Unternehmen ebenso wie in Krankenhäusern oder bei Privatnutzern. Nur zufällig glückte eine Notabschaltung.

Ist ein Ende der Attacke in Sicht?

Eine befürchtete zweite Angriffswelle mit dem Erpressungstrojaner „Wanna Cry“ ist am Montag nach Erkenntnissen des Innenministeriums ausgeblieben. Die Attacke hatte seit Freitag Windows-Rechner in mindestens 150 Ländern erfasst. Ausgestanden sei sie aber noch nicht, sagt Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Die „Pegelstände“ der „Flutwelle“ würden noch weiter steigen. Sicherheitsexperten warnen vor Nachahmern, die sich die Art des Angriffs mit leicht veränderten Wendungen zunutze machen könnten. So könnten Angreifer auf dem gleichen Weg versuchen, persönliche Daten zu stehlen oder aus der Ferne steuerbare Trojaner zu installieren, warnen etwa Sicherheitsforscher von IBM.

Was ist das Besondere an der „WannaCry“-Attacke?

Anders als bei früheren Cyber-Attacken hat der „Wanna Cry“-Angriff neben Zehntausenden Computern in Unternehmen und Privathaushalten auch Infrastrukturbetreiber wie die Deutsche Bahn, Zehntausende Tankstellen in China und mehrere Krankenhäuser in Großbritannien schwer getroffen. Der Angriff habe eine „definitiv andere Dimension“ als vergleichbare Attacken, sagte Uwe Kissmann, verantwortlich für das europäische Cybersecurity-Geschäft bei dem Beratungsunternehmen Accenture. „Das ist auch ein weiterer Weckruf.“ Die Gefahren in der IT-Sicherheit seien nicht mehr hypothetisch, sondern könnten einen ausgesprochen hohen wirtschaftlichen Schaden verursachen.

Gegen wen richtet sich die Attacke - ist sie komplett willkürlich?

Die Ziele der Angreifer sind bislang noch sehr unklar. In der Regel steht bei Erpressungsoftware (Ransomware) das finanzielle Interesse im Vordergrund. Auch mit „Wanna Cry“ wurden die Opfer aufgefordert, ein Lösegeld zu zahlen, um ihre verschlüsselten Daten wieder entschlüsseln zu lassen. Die weltweite Attacke soll den Angreifern aber gerade einmal rund 30 000 Euro in die Kassen gespült haben. Relativ stark seien Einrichtungen in Großbritannien, aber auch in Frankreich betroffen gewesen, sagte Cybersicherheits-Experte Kissmann. „Die Schweiz war bis dato weniger betroffen.“ Nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) lag Deutschland unter den am stärksten betroffenen Ländern weltweit auf Platz 13. Man sei aber weiterhin dabei, die Attacke zu analysieren, auch was die Methoden der Weiterverbreitung betreffe, sagte Kissmann.

Wer steckt hinter der Attacke?

Über die Angreifer, die hinter der Malware stehen, ist bislang noch nichts bekannt. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass der Angriff keine besonders professionellen Fähigkeiten vorausgesetzt hat. Insofern könne es gut möglich sein, dass die Angreifer identifiziert werden, schätzt Kissmann. In Deutschland ermitelt das BKA.

Sind die Folgen der Attacke bei der Deutschen Bahn behoben?

Auch die Anzeigentafeln an den Bahnhöfen in Deutschland waren von dem Angriff betroffen. Bis sie wieder funktionieren, dürfte es noch mehrere Tage dauern. Die Fahrkarten-Automaten seien aber bis auf einige Ausnahmen wieder einsatzbereit, sagte ein Bahnsprecher am Montag. Von den 5400 deutschen Bahnhöfen sei nur „ein Bruchteil“ betroffen gewesen.

Welche Lehren können aus der Attacke gezogen werden?

Die Angreifer hatten auf den betroffenen Rechnern leichtes Spiel, da auf ihnen kein Patch für eine längst bekannte Sicherheitslücke aufgespielt war. Die Lücke im Betriebssystem Windows sei bereits im März von Microsoft geschlossen worden, sagte Tim Berghoff von G Data: „Staatliche Organisationen, Firmen und Privatanwender sollten sich sehr schnell Gedanken machen, wie sie die jeweiligen Sicherheitslücken schließen können.“ Brad Smith, Chefjustiziar von Microsoft, sieht vor allem die Regierungen in der Pflicht. Im aktuellen Fall hatte die US-Geheimdienstbehörde NSA die Windows-Schwachstelle für die eigene Arbeit zum Ausspähen gelagert. Von dort war sie dann entwendet und bei Wikileaks veröffentlicht worden. Cyberkriminelle hatten damit ungehinderten Zugriff und konnten sie für eigene Interessen nutzen.

Wegen des „Wanna Cry“ genannten Cyber-Angriffs waren deutschlandweit zahlreiche digitale Anzeigetafeln sowie Ticketautomaten an Bahnhöfen ausgefallen. Die Reparatur der Anzeigen sollte laut Bahn mehrere Tage dauern. Auch die Technik zur Videoüberwachung war laut Bundesinnenministerium betroffen.

Von

dpa

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