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15.09.2014

06:58 Uhr

Warenhaus

Für Karstadt sieht es düster aus

Eine nachhaltige Karstadt-Sanierung soll über 200 Millionen Euro kosten und wird viele Mitarbeiter den Arbeitsplatz kosten. Zunächst streicht das Warenhaus einem Zeitungsbericht zufolge mehr als zehn Prozent der Stellen.

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Neuer Karstadt-Chef: Eventuell besser, auf jeden Fall klüger!

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EssenDunkle Wolken ziehen wieder über Karstadt auf. Nach der mit Spannung erwarteten Krisensitzung des Karstadt-Aufsichtsrats wächst nun die Sorge um die Zukunft des Essener Traditionsunternehmens. Das Unternehmen wird unter seinem neuen Besitzer Rene Benko der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ zufolge zunächst 2000 von derzeit knapp 17.000 Stellen streichen.

In den Filialen sollten 1600 Arbeitsplätze wegfallen, in der Verwaltung in der Essener Zentrale 400, berichtete die Zeitung vorab aus ihrer Montagausgabe unter Berufung auf Kreise des Aufsichtsrats. Allerdings könnten auch mehr Stellen betroffen sein, da eine mögliche Schließung von Filialen in den Zahlen nicht enthalten sei. Beschlüsse dazu seien nicht gefallen. Das könne aber in der Sitzung des Aufsichtsrats im Oktober geschehen, berichtete die Zeitung weiter.

Die Sanierung von Karstadt kostet Insidern zufolge gut 200 Millionen Euro. Ohne ein tiefgreifendes Umbauprogramm sei die Existenz der angeschlagenen Warenhauskette nur noch bis 2016 gesichert, sagte eine Person aus dem Unternehmen der Nachrichtenagentur Reuters.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

„Derzeit haben wir ausreichend Liquidität. Wenn wir aber nichts machen, wird es 2016 Probleme geben“, sagte der Insider. Die Zahlen gingen aus Unterlagen hervor, die das Karstadt-Management am Freitag an Filialleiter und Betriebsräte verteilt habe. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ über die Sanierungskosten berichtet. Das Unternehmen lehnte einen Kommentar ab.

Die nötigen Investitionen für eine Rückkehr in die die Gewinnzone würden sich der Analyse zufolge auf 209 Millionen Euro belaufen, so der Insider. Für eine nachhaltige Sanierung würden sogar 263 Millionen Euro benötigt. Daher stehe den 83 Filialen eine Rosskur bevor.

Das Verkaufspersonal solle ebenso abgebaut werden wie die Zahl der Kassen. In der Essener Konzernzentrale sollten 20 Prozent der Stellen abgebaut werden. Karstadt schreibt seit Jahren Verluste. Im Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende September) stand ein Fehlbetrag von 131 Millionen Euro in den Büchern.

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

15.09.2014, 09:31 Uhr

Für Karstadt sieht es düster aus? Nein, nur für die Mitarbeiter! Sie müssen mit weniger Hartz IV rechnen, da sie bewusst auf Einkommen verzichteten. Und das Management? Warum müssen die Versager nicht die Verluste ausgleichen??

Account gelöscht!

15.09.2014, 10:38 Uhr

Erfolgreich filetiert ... alle werthaltigen ehemaligen Karstadt-Assets wie die Premiumhäuser um das KaDeWe, Teile der Immobilienliegenschaften und die Markenrechte liegen bei Bergruen, Benko & Co und können nicht mehr zur Sanierung der Warenhauskette herangezogen werden .... dazu gibt´s einen guten STERN-Artikel. Ansonsten hat man wenig Aufschrei gehört, wie kommt´s bei der sonst so sensationsgeilen Medienbranche?

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