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01.02.2009

15:10 Uhr

Warenhauskette

Hertie steht ohne Mietverträge da

Die ums Überleben kämpfende Warenhauskette Hertie hat noch gravierendere Problem als bislang bekannt: Das Unternehmen musste zugeben, für 56 seiner 73 Filialen seit zwei Wochen keine gültigen Mietverträge mehr zu besitzen.

Die Kaufhauskette Hertie steht vor dem Aus. Foto: dpa dpa

Die Kaufhauskette Hertie steht vor dem Aus. Foto: dpa

HB ESSEN. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte einen entsprechenden Bericht des Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Das Blatt hatte berichtet, die selbst insolvente britische Dawnay-Day-Gruppe habe die Mietverträge zum 19. Januar gekündigt. Hertie habe schon seit Mai 2008 keine Mieten mehr bezahlt. Beide Fakten seien schon seit gut eineinhalb Wochen bekannt, sagte der Sprecher dazu. Weitere Erklärungen wollte er nicht abgeben.

Die Warenhauskette, die in der vergangenen Woche die Schließung von 19 Filialen angekündigt hatte, steht nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Biner Bähr wegen überhöhter Mietforderungen vor dem Aus. Wenn Dawnay Day nicht deutlichen Mietsenkungen zustimme, müsse er auch die anderen Hertie-Filialen Ende Februar schließen, hatte Bähr erklärt. Nach seinen Angaben ist in der kommenden Woche ein Treffen mit den Eigentümern der Hertie-Immobilien in London geplant.

Der Immobilienexperte Professor Volker Eichener, Rektor der Privathochschule EBZ Business School in Bochum, erwartet einen deutlichen Rückgang der Ladenmieten. „Ich glaube auch, dass man in London völlig falsche Vorstellungen hat über die Marktentwicklung in Deutschland“, sagte Eichener. Außerhalb der Toplagen sei in den kommenden zehn Jahren mit einem Rückgang des Niveaus für Ladenmieten um 25 bis 50 Prozent zu rechnen.

Anstatt die Mieten auf ein marktübliches Niveau zu senken, nähmen viele Vermieter derzeit lieber Leerstände als Preissenkungen in Kauf. „Das ist betriebswirtschaftlich unsinnig“, sagte Eichener. Durch die anschließende Vermietung an Ein-Euro-Läden oder Spielhallen sei der Niedergang des Standorts dann schnell besiegelt.

Vor allem in kleinen und mittelgroßen Stadtzentren habe das klassische Warenhaus in der Konkurrenz mit dem Internethandel und Großmärkten auf der grünen Wiese nur noch schlechte Überlebenschancen. „Große Warenhäuser wird es künftig nur noch in Oberzentren geben“, sagte der Immobilienexperte. Für die Stadtteile müssten neue Konzepte entwickelt werden. Dabei dürfe man auch vor dem Abriss der oft hässlichen Warenhauskolosse nicht zurückschrecken.

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