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20.03.2014

15:20 Uhr

Warenhauskette

Hoffnungsschimmer für Karstadt

Zu Jahresbeginn ist der Umsatz von Karstadt gestiegen – Finanzchef Müllenbach ist optimistisch. Auch die Sparprogramme zeigten erste Wirkungen. Wirtschaftsprüfer der KPMG sollen da ganz anderer Meinung sein.

Warenhauskette noch nicht profitabel: Karstadt hat Branchenkreisen zufolge auch im Geschäftsjahr 2012/13 einen deutlichen Verlust geschrieben. dpa

Warenhauskette noch nicht profitabel: Karstadt hat Branchenkreisen zufolge auch im Geschäftsjahr 2012/13 einen deutlichen Verlust geschrieben.

DüsseldorfBeim angeschlagenen Warenhausriesen Karstadt gibt es Finanzchef Miguel Müllenbach zufolge erste Hoffnungsschimmer. Er sehe „ermutigende Zeichen für eine Verbesserung der Situation“, erklärte Müllenbach am Donnerstag. Der Umsatz habe zu Jahresbeginn insgesamt zugelegt, zugleich griffen Sparprogramme. Er reagierte damit auch auf einen Bericht des „Manager Magazin“, in dem es heißt, Karstadt sei laut Wirtschaftsprüfern der KPMG unter bestimmten Bedingungen „im Bestand gefährdet“. Ein KPMG-Sprecher wollte sich nicht äußern.

Der Gesamtumsatz sei im Januar und Februar um 2,2 Prozent gestiegen, erklärte Müllenbach weiter. Zudem habe Karstadt in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2013/14 Einsparungen in einer Höhe von 15 Millionen Euro erzielt. Insgesamt seien im Geschäftsjahr Einsparungen zwischen 30 und 40 Millionen Euro erreichbar. Das „Manager Magazin“ berichtete, Wirtschaftsprüfer hätten Karstadt in ihrer ersten Fassung des Prüfberichts für das abgelaufene Geschäftsjahr bescheinigt, die Gesellschaft sei „in ihrem Bestand gefährdet“, falls die Maßnahmen der Geschäftsführung „nicht greifen“ und zudem „noch nicht bekannte Ereignisse eintreten“.

Müllenbach betonte, Karstadt habe in der Entwurfsfassung für den Geschäftsbericht 2012/13 einen „uneingeschränkten Bestätigungsvermerk bekommen“. Dabei habe die Geschäftsführung „selbstverständlich“ Risiken diskutiert, deren Beschreibung sei Bestandteil eines jeden Geschäftsabschlussberichts. „Der Prozess zur Erstellung des Jahresabschlusses ist noch nicht abgeschlossen“, betonte er. Karstadt erwarte auch für die finale Fassung uneingeschränkte Bestätigung.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Karstadt hat Branchenkreisen zufolge auch im Geschäftsjahr 2012/13 einen deutlichen Verlust geschrieben. Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte eingeräumt, auch 2014 werde Karstadt „noch nicht profitabel“ sein. Bereits im Geschäftsjahr 2011/12 wies Karstadt tiefrote Zahlen aus. Der Verlust im gewöhnlichen Geschäft belief sich nach im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen auf 30 Millionen Euro. Unter dem Strich wies Karstadt für 2011/12 mit damals 84 Warenhäusern einen Fehlbetrag von 158 Millionen Euro aus. Aber auch die Premiumhäuser um das Berliner KaDeWe erwirtschafteten einen Verlust.

Die seit Ende Februar amtierende neue Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt muss den Traditionskonzern nun zügig auf Kurs bringen. „Ich möchte wiederholen und betonen: Es geht uns darum, Karstadt als Ganzes profitabel zu machen“, erklärte Sjöstedt am Donnerstag. „Und ich glaube daran, dass wir alle zusammen es schaffen können“, fügte sie hinzu. Seit ihrem Amtsantritt habe sie eine „unglaubliche Aufbruchsstimmung“ erlebt.

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte sich bereits vor Sjöstedts Amtsantritt von der Mehrheit an zwei Filetstücken des Konzerns getrennt. Der österreichische Investor Rene Benko hatte die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und der Premium Group übernommen - in ihr sind die Luxuswarenhäuser rund um das KaDeWe gebündelt.

Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien. Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft. Die Aufspaltung hatte in der Belegschaft Sorgen befeuert, Karstadt könnte endgültig zerschlagen und mit der Metro -Tochter Kaufhof verschmolzen werden. Benko hatte schon erfolglos bei Metro wegen einer Kaufhof-Übernahme angeklopft.

Von

rtr

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