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13.05.2013

16:47 Uhr

Warenhauskette

Karstadt legt eine „Tarifpause“ ein

Die kriselnde Warenhauskette muss an allen Ecken sparen. Für die Beschäftigten wird es vorerst keine Lohnerhöhungen geben, der Konzern steigt aus der Tarifbindung aus. Die Gewerkschaft Verdi spricht von einem „Skandal“.

Karstadt-Filiale in Düsseldorf: Der Konzern steckt in der Krise. dpa

Karstadt-Filiale in Düsseldorf: Der Konzern steckt in der Krise.

DüsseldorfAuf die Beschäftigten der kriselnden Warenhauskette Karstadt kommen neue Einschnitte zu. Ab sofort und für die kommenden beiden Jahre steige das Unternehmen aus der Tarifbindung für den Einzelhandel aus, teilte Karstadt am Montag in Essen mit. Damit entfallen für die Mitarbeiter bis 2015 Gehaltserhöhungen, die durch Tarifverträge vereinbart werden.

Das Unternehmen mache „von der Möglichkeit einer Mitgliedschaft in den Arbeitgeberverbänden ohne Tarifbindung Gebrauch“, teilte Karstadt mit. Die Entscheidung bedeute, dass für die Karstadt-Mitarbeiter „künftige Entwicklungen der Tarifverträge des Einzelhandels keinen Einfluss haben“. Die Entscheidung gelte für die Karstadt-Warenhäuser und für Karstadt Sport.

„Für die Karstadt-Mitarbeiter verschlechtert sich durch diese Tarifpause nichts“, erklärte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz. Die bisherigen Vereinbarungen aus Tarifverträgen blieben bestehen, für bestehende Arbeitsverträge „ergeben sich keine Kürzungen“. Karstadt stehe „ausdrücklich“ zum bisherigen Manteltarifvertrag.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte, mit dem Ausstieg treffe das Karstadt-Management „seine nächste Fehlentscheidung“. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen würde gut daran tun, „nicht an den Grundfesten der berechtigten Arbeitnehmeransprüche zu rütteln“, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Auch für den Milliardär gelte der Grundsatz, „Eigentum verpflichtet“.

Karstadt hatte seine Betriebsräte aus den Filialen in ganz Deutschland für Montag zu Gesprächen einbestellt. Die Kaufhauskette steckt seit Jahren in der Krise. 2010 war Karstadt nach der Pleite des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor vom US-deutschen Investor Berggruen übernommen und damit vor dem Aus bewahrt worden. Er versprach damals, die Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren.

Im Sommer 2012 kündigte Karstadt dann allerdings den Abbau von rund 2.000 Stellen bis 2014 an. Davon wurden schon rund 1.850 durch Frühpensionierung, freiwilligen Austritt, natürliche Fluktuation und Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverträge eingespart. Insgesamt arbeiten rund 22.000 Menschen bei Karstadt.

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

Rang 10

Douglas

Markenwert: 238 Millionen Dollar
im Vorjahr nicht in den Top 10

Rang 9

Netto

Markenwert: 262 Millionen Dollar
minus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 8

Obi

Markenwert: 283 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 7

Rewe

Markenwert: 459 Millionen Dollar
plus 5 Prozent gegenüber 2012

Rang 6

dm

Markenwert: 485 Millionen Dollar
plus 19 Prozent gegenüber 2012

Rang 5

Kaufland

Markenwert: 551 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 4

Media Markt

Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
minus drei Prozent gegenüber 2012

Rang 3

Edeka

Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
plus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 2

Lidl

Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
plus acht Prozent gegenüber 2012

Rang 1

Aldi

Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
minus sieben Prozent gegenüber 2012

Quelle

Interbrand, März 2013

Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte kürzlich vor einem schwierigen Geschäft für sein Unternehmen in diesem Jahr gewarnt. „Dieses Jahr wird noch hart werden, aber dann werden wir Land sehen“, sagte Jennings in einem Interview mit der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“.

Einen weiteren Stellenabbau wollte Jennings nicht ausschließen. Karstadt habe nach den bisherigen Einschnitten nun zwar „die richtige Größe“, sagte Jennings dem „Tagesspiegel“. „Es ist aber klar, dass am Ende der Kunde entscheidet, ob wir erfolgreich sind oder nicht.“ Im Geschäftsjahr 2010/2011 hatte Karstadt demnach 21 Millionen Euro Verlust gemacht.

Von

afp

Kommentare (4)

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Mr45654

13.05.2013, 17:23 Uhr

Das ist ein Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer, die neben den Vermietern und Lieferanten die Hauptlast der "Sanierung" tragen. Herr Berggruen zieht über die Markenrechte Millionen raus und die Mitarbeiter bluten. Ich denke, so hatte man sich das 2010 nicht vorgestellt. Wo ist eigentlich Frau Mohne-Ranig, die immer im AR gut verdient hat? Abgetaucht, weil Ihr Freund Berggruen nun Ersnt macht?

SPDzialist

13.05.2013, 18:06 Uhr

insgesamt 100 millionen steuerschulden und steuern auf den sanierungsgewinn eingespart ,um die 8o millionen lohnkosten durch tarifzugeständnisse eingespart und im selben atemzug zigmillionenbeträge,die herr berggruen nicht hier versteuert rausgezogen der sozen,schröder und martin schulten amigo berggruen .

sitzt die schröder köpf noch im aufsichtsrat

sauber ,das fällt der SPD rechtzeitig zur wahl auf die füße

KarlStass

13.05.2013, 18:52 Uhr

Wann spart der Spekulant Berggruen endlich bei sich selbst statt bei anderen ?

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