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10.03.2014

20:10 Uhr

Warenhauskette

Sjöstedt will Karstadt profitabler machen

ExklusivKarstadt Chefin Eva-Lotta Sjölstedt will das Traditionswarenhaus durch Diversifizierung profitabler machen. Indes rutscht der Konzern tief in die roten Zahlen. Der Fehlbetrag belief sich auf mehr als 150 Millionen Euro.

Die Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjölstedt hat ein Ziel: „Karstadt als Ganzes profitabel zu machen.“ dpa

Die Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjölstedt hat ein Ziel: „Karstadt als Ganzes profitabel zu machen.“

DüsseldorfDie neue Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt will die Karstadt-Warenhäuser unter anderem durch differenziertere Sortimente profitabel machen. Das sagte sie dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) im ersten Interview seit ihrem Amtsantritt vor zwei Wochen.  „Schnelle Erfolgsfaktoren sehen wir zum Beispiel beim Sortiment in den Filialen und Online sowie in der Werbung und der Warenversorgung. Wir werden außerdem unsere wichtigsten Lieferanten zu Workshops einladen, um gemeinsam über die lokalen Kundenbedürfnisse zu sprechen. Und wir werden weiter auf die Kosten schauen – bei vielen kleinen und bei großen Dingen", sagte sie der Zeitung. Um die Schließung von Filialen gehe es dabei zunächst nicht: „Darum geht es uns als Management nicht, sondern darum Karstadt als Ganzes profitabel zu machen.“

Statt neuer Modemarken soll künftig die Kundin um die 50 Jahre im Mittelpunkt stehen, sagte Sjöstedt. Deren Bedürfnisse kennten die Mitarbeiter vor Ort am besten. „Wir wollen weder das Motto 'Alle Macht der Zentrale', noch 'Alle Macht den Filialen'. Wir werden eine Balance zwischen zentral und lokal herstellen. Das wird eine große Führungs- und Kommunikationsanstrengung, die viel Kraft kosten wird“, sagte Sjöstedt dem Handelsblatt.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Doch der Warenhausriese Karstadt steckt tief in der Verlustzone. Im Bundesanzeiger veröffentlichte Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/12 belegen, dass das Traditionsunternehmen sein Minus sogar deutlich ausgeweitet hat. Zugleich ging der Umsatz zurück, wie dem Zahlenwerk der Karstadt Warenhaus GmbH am Montag zu entnehmen war. Die Erlöse sanken von Oktober 2011 bis September 2012 auf 2,93 (Vorjahr: 3,26) Milliarden Euro. Auch beim Betriebsergebnis rutsche Karstadt in die roten Zahlen: Der Verlust im gewöhnlichen Geschäft belief sich auf 30 Millionen Euro, im Jahr davor war noch ein Betriebsgewinn von 16,3 Millionen Euro verbucht worden. Unter dem Strich wies Karstadt für 2011/12 mit damals 84 Warenhäusern einen Fehlbetrag von 158 Millionen Euro aus - nach einem Minus von 20,81 Millionen Euro im Vorjahr. Aber auch die Premiumhäuser um das Berliner KaDeWe erwirtschafteten einen Verlust.

Der Warenhauskonzern hatte 2009 Insolvenz angemeldet und wurde im Herbst 2010 vom Milliardär Nicolas Berggruen übernommen. Bilanzen werden seitdem nur noch im Bundesanzeiger veröffentlicht - zuletzt hatte Karstadt nur ein Umsatzrückgang für das Weihnachtsgeschäft eingeräumt. Absolute Zahlen nannte der Konzern nicht.

Kommentare (2)

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10.03.2014, 21:04 Uhr

Ich war früher immer Karstadt Kunde. Irgendwann haben die aber aufgehört alles zu haben und in den Premiumhäusern wurde man ohnehin nur alss Aussetziger behandelt, wenn man nihct auch noch am Wochenende einen Anzug tragen wollte. Mittlerweile bin ich glücklich im Internet. Dort gibt es genau das (und zwar exakt!), was ich will und ich muss nicht mehr extra in die Stadt fahren. Ich bin gespannt, wie Karstadt es jetzt schaffen will, dass man wieder extra in die Stadt gondelt, denn eigentlich habe ich es mir ohne Warenhäuser mittlerweile ganz gut eingerichtet. Es gibt mittlerweile übrigens auch abseits von den Großen wirklich gute Händler im Internet...

Account gelöscht!

11.03.2014, 08:37 Uhr

Zitat : Sjöstedt will Karstadt profitabler machen

- das wollten auch alle vor ihr ! Darum geht es aber schon lange nicht mehr !
Ein Kaufhaus-Prinzip der 60-er Jahre ( nun haben wir auch noch den Kaufhof von dieser Sorte ) hat sich schon lange überlebt !

Karstadt gehört zerschlagen und neu formiert...für das 21 Jahrhundert !

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