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25.10.2013

16:38 Uhr

Warnstreik

Verdi spitzt Tarifstreit mit Karstadt zu

Bei den 20.000 Beschäftigten der Warenhaus-Kette Karstadt herrscht immer noch große Unsicherheit. Mit Kundgebungen und einem Warnstreik soll nun der Druck im Tarifstreit auf Karstadt erhöht werden.

Von NRW bis Hamburg

Karstadt-Mitarbeiter streiken

Von NRW bis Hamburg: Karstadt-Mitarbeiter streiken

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BerlinArbeitskampf bei Karstadt: Mit Warnstreiks und mehrstündigen Betriebsversammlungen haben Tausende von Karstadt-Mitarbeitern am Freitag ihrer Forderung nach einer Standort- und Beschäftigungsgarantie Nachdruck verliehen. Die Auswirkungen der Proteste hielten sich nach Angaben des Unternehmens aber in Grenzen. Karstadt-Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz sagte am Freitagvormittag: „Bis auf wenige Ausnahmen gibt es in den Karstadt-Filialen nur geringe Beeinträchtigungen. Keine Filiale ist geschlossen.“

Karstadt-Beschäftigte demonstrierten vor dem Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin, protestierten mit Trillerpfeifen und Rasseln auf dem Rathausmarkt in Hamburg und zogen in einem Protestzug durch die Dortmunder Innenstadt. Auch in vielen anderen Städten kam es nach Angaben der Gewerkschaft Verdi zu Warnstreiks und Kundgebungen. Geschäfte vor allem in Süddeutschland öffneten mit Verspätung, weil die Mitarbeiter an Betriebsversammlungen teilnahmen.

Der Hintergrund der Warnstreiks: Verdi will Karstadt zur Rückkehr in die Tarifbindung zwingen, nachdem das Unternehmen im Mai einseitig eine „Tarifpause“ verkündet hatte. Außerdem fordert die Gewerkschaft einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag für die rund 20.000 Beschäftigten. Erste Gespräche zwischen den Tarifparteien waren ergebnislos geblieben. Doch sollen die Verhandlungen am 11. November mit einem mehrtägigen Gesprächsmarathon fortgesetzt werden.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

„Das Vertrauen in das Management sinkt immer weiter, weil man keine positive Entwicklung sieht“, beschrieb der Verdi-Verhandlungsführer Rüdiger Wolff im Fernsehsender n-tv die Stimmung im Unternehmen. Auch das Vertrauen in die Eigentümer sei gesunken, weil Versprechungen gemacht, aber bis heute nicht eingehalten worden seien. Für zusätzliche Unruhe sorgte zuletzt, dass der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen drei Luxus-Warenhäuser und 28 Sporthäuser mehrheitlich an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko verkaufte.

In Berlin nahmen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 400 Beschäftigte des Luxus-Warenhauses KaDeWe und anderer Karstadt-Filialen an den Streiks teil und zogen mit Trillerpfeifen und Plakaten über den Kudamm. In Hamburg demonstrierten einige hundert Karstadt-Beschäftigte lautstark auf dem Rathausmarkt, in Dortmund zogen 250 Streikende durch die Innenstadt. Keinen Warnstreik, aber Betriebsversammlungen gab es im Südwesten Deutschlands.

Die Gewerkschaft hatte zuvor gewarnt, Kunden müssten sich am Freitag und zum Teil auch am Samstag auf „erhebliche Beeinträchtigungen bis hin zur Schließung von Häusern“ einstellen. Doch bemühte sich der Konzern, die Häuser offen zu halten. Teilweise hätten Führungskräfte an den Kassen gesessen, andernorts sei der Betrieb mit Leiharbeitern aufrechterhalten worden, berichtete die Gewerkschaft.

Von

dpa

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