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01.07.2015

15:31 Uhr

Was die Bahn-Schlichtung gebracht hat

Auf Jahre kein Bahn-Streik mehr

Ein Jahr lang tobte der Tarifkonflikt bei der Bahn. Nach der erfolgreichen Schlichtung herrscht bei allen Beteiligten Erleichterung. Für die Kunden bringt die Einigung positive Ergebnisse. Ein Blick auf die Details.

Deutsche Bahn

So einigen sich Bahn und GDL

Deutsche Bahn: So einigen sich Bahn und GDL

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FrankfurtEin Jahr lang schwelte der Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL. Neun Mal streikten die Lokführer, eine Lösung schien in weiter Ferne. Fünf Wochen Schlichtung brachten nun doch einen Kompromiss, der Streiks in Zukunft deutlich erschwert.

Streiks werden erschwert: Für Bahnfahrer ist die Einigung zwischen Bahn und GDL ein gute Nachricht. Streiks sind nicht nur während der Laufzeit des neuen Tarifvertrags bis Ende September 2016 untersagt, sondern werden künftig auch erschwert. Bis 2020 vereinbarten die Tarifparteien ein verbindliches Schlichtungsverfahren. In Zukunft kann die Schlichtung nicht nur einvernehmlich von beiden Seiten, sondern auch nur von einer Seite angerufen werden. Das heißt, scheitern künftig Verhandlungen oder kündigt die GDL einen Streik an, kann die Bahn diesen zunächst durch eine Schlichtung verhindern.

Bahn und GDL einigen sich: Endlich keine Streiks mehr!

Bahn und GDL einigen sich

Endlich keine Streiks mehr!

Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL legen ihren Tarifstreit bei. Insgesamt unterschrieben die Konfliktparteien 16 Verträge. Die Schlichter verraten: Die Verhandlungen standen auf der Kippe.

Bahn sichert GDL langfristige Partnerschaft zu: Mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz der Bundesregierung könnte die GDL als deutlich kleinere Gewerkschaft bei der Deutschen Bahn bedeutungslos werden und nur noch dort Verhandlungen führen, wo ihre Mitglieder die Mehrheit der Beschäftigten stellen. Die Bahn gibt den Lokführern nun die Garantie, zunächst bis 2020 wichtiger Tarifpartner des Unternehmens zu bleiben.

Spaltung der Belegschaft wird verhindert: Eines der wichtigsten Ziele der Bahn in den Tarifverhandlungen mit der GDL, als auch in den Verhandlungen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) war, sich widersprechende Tarifergebnisse für ein und dieselbe Berufsgruppe zu vermeiden. Das ist der Bahn gelungen. Die Lohnsteigerungen beispielsweise sind in den Tarifverträgen der GDL und der EVG identisch. Dort, wo es Unterschiede gibt, treten diese nicht sofort in Kraft. So reduziert sich die Wochenarbeitszeit für die GDL-Mitglieder erst ab 2018 um eine Stunde. Damit bleibt der Bahn genügend Zeit, nach dem Auslaufen der Tarifverträge 2016 mit der EVG nachzuverhandeln.

Zugleich hat die GDL ihr Ziel von eigenständigen Tarifverträgen für die von ihr tarifierten Berufsgruppen erreicht. Bei der Bahn gibt es nun für einzelne Berufsgruppen unterschiedliche Tarifverträge, die aber zu dem identischen Ergebnis führen.

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

Die zentralen Ergebnisse im Überblick:
Um die Beschäftigten zu entlasten, verpflichtete sich die Bahn, bis Ende 2017 eine Million über die Jahre angesammelte Überstunden abzubauen. Um dies zu erreichen, sollen 300 zusätzliche Lokomotivführer und 100 Zugbegleiter eingestellt werden. Beschäftigte können sich Überstunden zudem teilweise oder komplett auszahlen lassen.

Die GDL-Mitglieder bekommen 5,1 Prozent mehr Lohn. Die Lohnerhöhung erfolgt in zwei Stufen: Zum 1. Juli 2015 werden die Gehälter um 3,5 Prozent – mindestens aber 80 Euro – erhöht und zum 1. Mai 2016 noch einmal um mindestens 40 Euro oder 1,6 Prozent. Hinzu kommt eine Einmalzahlung im Juli von 350 Euro. Sie wird auf die bereits im Februar ausgezahlte Vorschusszahlung angerechnet.

Ab dem 60. Lebensjahr gibt es neue Altersteilzeitregelungen: Wer 20 Dienstjahre vorzuweisen hat – davon die letzten zehn Jahre bei der Bahn – kann in Altersteilzeit gehen. Bei 81 Prozent Arbeitszeit bekommt er 88,5 Prozent Einkommen.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Rene Weiß

01.07.2015, 16:08 Uhr

Ist das nicht schön. Wenn man beim einem bundeseigenen Unternehmen angestellt ist und SPD und Linke die Schlichtung machen, dann kommt dabei ein Mitarbeiter erster Klasse (Bahn-Mitarbeiter) und ein Arbeitnehmer zweiter Klasser (Angestellte in der freien Wirtschaft) heraus.

Herr Rene Weiß

01.07.2015, 16:08 Uhr

Der Steuerzahler wirds schon richten.

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