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06.09.2012

08:30 Uhr

Wegen Streik am Freitag

Lufthansa streicht zwei Drittel aller Flüge

Die Lufthansa streicht am Freitag wegen des angekündigten Streiks der Flugbegleiter den Flugplan drastisch zusammen. Bereits heute fallen knapp 50 Flüge aus. Jedoch deutet der Konzern an, eine Schlichtung anzustreben.

Streik droht Lufthansa lahm zu legen

Video: Streik droht Lufthansa lahm zu legen

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FrankfurtDie Lufthansa streicht am Freitag wegen des angekündigten Streiks der Flugbegleiter zwei Drittel ihrer Flüge. Das Unternehmen hoffe, dass es ein Drittel der Flüge anbieten könne, so ein Sprecher. Dazu zählten Flüge von Regionalpartnern, die nicht bestreikt werden sollen. Heute fallen bereits knapp 50 Flüge aus, wie die Fluggesellschaft auf ihrer Internetseite mitteilte. Ein Großteil davon betrifft die besonders lukrativen Langstrecken, bei denen die Flugzeuge bereits am Donnerstag in Übersee abfliegen und am Freitag ihr Ziel in Deutschland erreichen sollen. Die Lufthansa werde aber auch am Freitag versuchen, Langstreckenflüge anzubieten.

Vor dem geplanten bundesweiten Ausstand der Stewards und Stewardessen zeigte sich der Konzern allerdings offen für eine Schlichtung in dem Tarifstreit mit der Gewerkschaft Ufo. In den Gesprächen dürfe es aber ausschließlich um die Bezahlung der Flugbegleiter gehen - andere Forderungen wie der Stopp von Leiharbeit müssten außen vor bleiben, sagte Lufthansa-Manager Peter Gerber, der im Passagiergeschäft das Personalressort verantwortet. „Zu dem Thema Vergütung und Vergütungstruktur werden wir uns nicht verschließen.“ Alles andere seien Unternehmensentscheidungen, die nicht verhandelbar seien.

Große Hoffnungen auf einen Durchbruch in dem zähen Tarifkampf habe er nicht. Die Schlichtung sei letztlich eine „suboptimale Lösung“ und die Tarifverträge der Lufthansa zu komplex für einen Vermittler, der das Thema nicht schon jahrelang begleite. Ufo-Chef Nicoley Baublies äußerte sich ebenfalls zurückhaltend und verlangte, dass die Lufthansa ihn kontaktiere. „Herr Gerber soll mich anrufen und sagen: Ich will die Schlichtung.“ Bislang sei das nicht geschehen, sagte Baublies am Abend. Deshalb treibe die Gewerkschaft die Vorbereitungen für einen Großstreik am Freitag voran. Weitere Arbeitsniederlegungen seien vorerst nicht geplant - Ufo wolle der Lufthansa Zeit geben, ihre Postion zu überdenken.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Mit Potenzial zur Blockade

Sie sind klein, aber schlagkräftig. In der Luftfahrt, aber auch bei der Bahn und den Medizinern gibt es erfolgreiche Spartengewerkschaften. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 8200 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den knapp 4000 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen. Wenn die Lotsen ihre Arbeit niederlegen, müssen tausende Flugreisende am Boden bleiben.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO)

Nach eigenen Angaben ist sie in Deutschland die einzige Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die UFO hat mehr als 10.000 Mitglieder.

Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland. Sie hat mehr als 110.000 Mitglieder und kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern.

Nach zwei Streiktagen mit örtlich und zeitlich begrenzten Ausständen will am Ufo am Freitag den Lufthansa-Verkehr erstmals bundesweit und ganztags lahmlegen. Eine Chance ließ Ufo dem Konzern aber noch: Wenn die Lufthansa Vermittlungsgespräche einleitet, könne der Streik abgeblasen werden.

Die Lufthansa macht mit dem Angebot eine Kehrtwende: Am Vortag hatte die Lufthansa noch betont, dass es keinen Grund für eine Schlichtung gebe. Die Offerte des Konzerns an die 18.000 Flugbegleiter sei als Basis für weitere Verhandlungen ausreichend, hatte es geheißen.

Höhere Personalkosten wären nicht tragbar

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Nach Aussage von Gerber arbeitet die Lufthansa fieberhaft daran, sich auf den Streik am Freitag vorzubereiten. Noch am Mittwochabend werde der Plan mit annullierten Flügen für den Tag im Internet veröffentlicht, sagte er. Details konnte er noch nicht nennen. Sicher sei aber, dass von täglich 1800 Lufthansa-Flügen mindestens 600 abheben werden, da diese von Konzerntöchtern wie Germanwings durchgeführt werden. Aber auch dann werde der flächendeckende Streik "sehr gravierende Auswirkungen" haben. In den vergangenen Tagen stürzten die Flugbegleiter die Lufthansa bereits zwei Mal ins Chaos. Nach dem Auftakt in Frankfurt Ende vergangener Woche waren am Dienstag zusätzlich noch München und Berlin bestreikt worden. Insgesamt fielen an den drei Flughäfen etwa 350 Verbindungen aus und 51.000 Passagiere saßen fest.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Der Tarifstreit dauert bereits seit gut einem Jahr. Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Managements sind Einschnitte nötig, da die harte Konkurrenz der Lufthansa das Leben schwermache. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm auf und verlangt nun, dass auch die Bord-Servicekräfte einen Beitrag leisten. Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 15 Monaten fordert, hat die Lufthansa eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten. Bei der Fluglinie arbeiten 18.000 Menschen im Bordservice.

Kommentare (6)

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Fluggast

05.09.2012, 23:13 Uhr

Waldorf Malzbubi Baublies hat den Mund ein wenig zu voll genommen und beginnt nun mit voller Hose etwas zurückzurudern.. Gut so und schönen Dank an ihn !

Der entstandene Schaden durch seine erpresserischen Streikaufrufe ist auch bereits groß genug, um die Forderungen nach noch mehr finanziellen Privilegien gegenüber Flugbegleitern anderer Linien auf ein moderates Maß zurückzuführen.

Letztendlich gilt hier (anders als bei der Staatsfinanzierung): die Kosten sind durch die Einnahmen zu decken.

Account gelöscht!

06.09.2012, 09:19 Uhr

Der Nächste Aufmacher in diesem Zusammenhang wird lauten :

Lufthansa streicht zwei Drittel aller Stellen .

Gast

06.09.2012, 12:31 Uhr

Die Forderungen der Gewerkschaft ist einfach nicht mehr zeitgemäß und insbesondere im Vergleich zu anderen Berufsgruppen unverschämt ( bei genauer Analyse der Arbeitsinhalte).
Ich schlage vor, die LH-Angestellten alle zu entlassen, und wer will darf dann für 30% weniger Gehalt wieder neu anfangen.

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