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09.08.2011

15:52 Uhr

Wegen Streikauswirkungen

Lufthansa erwägt Schadensersatzklage gegen Fluglotsen

Auch die reine Ankündigung eines möglichen Fluglotsenstreiks könnte der Lufthansa so hohe Schäden zugeführt haben, dass der Konzern Schadensersatzansprüche gegen die Fluglotsen prüft.

Ein Flugzeug der Lufthansa. Quelle: dpa

Ein Flugzeug der Lufthansa.

FrankfurtDen streikbereiten Fluglotsen droht möglicherweise Ärger mit der Lufthansa. Juristen untersuchen, ob Deutschlands größter Airline Schadenersatz zustehen könnte. Es gehe darum, dass allein schon die Ankündigung eines Streiks zu Verunsicherungen und Problemen bei den Fluggästen geführt habe, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag. „Wir prüfen sorgfältig, wie viel Schaden wir hatten.“ Bereits nach dem ersten Streik-Anlauf der Fluglotsen in der vergangenen Woche hatte der Dax-Konzern angekündigt, Schadenersatzansprüche zu prüfen.

Die Fluglotsen hatten zwar beim zweiten Versuch vor Gericht grünes Licht für einen Streik bekommen, nach einem Verhandlungsmarathon rief die Deutsche Flugsicherung (DFS) aber kurz nach Mitternacht die Schlichtung an. Und vereitelte damit den Ausstand wenige Stunden vor seinem geplanten Beginn: Ursprünglich wollten die Fluglotsen von 6.00 bis 12.00 Uhr bundesweit die Arbeit niederlegen. Während der Schlichtung, die voraussichtlich vier Wochen dauern wird, gilt die sogenannte Friedenspflicht - gestreikt werden darf nicht. Schlichter ist der Münchner Juraprofessor Volker Rieble.

Im September könnte erneut ein Fluglotsenstreik drohen
Gewerkschafts-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Wenn die Schlichtung scheitert, können wir einen neuen Streik ausrufen.“ Den Rückhalt der Fluglotsen habe sich die Gewerkschaft gesichert. Ein Ausstand im September könnte für die Luftfahrtbranche richtig unangenehm werden: Der Monat gehört neben dem Oktober zu den verkehrsreichsten des Jahres. Rieble habe nun eine Woche Zeit, um vier Schlichtungstermine festzulegen, erläuterte Vogelsang.

Was tun, wenn der Flug ausfällt?

Wer hilft, wenn mein Flug vom Streik betroffen sein könnte?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch die Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten meist ausführliche Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Was kann ich tun, wenn mein Flug ausfällt?

Wird ein Flug wegen eines Streiks gestrichen, kann man ihn entweder stornieren oder umbuchen. Bei einer Stornierung bekommt man das Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will und den Flug umbucht, hat Anspruch auf einen späteren Flug - das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist.

Was ist, wenn sich mein Flug verspätet?

Bei Flügen über eine Strecke von bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste laut EU-Verordnung ab einer Wartezeit von zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen. Dazu gehören Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel.

Welche Wartezeiten gelten bei Langstreckenflügen?

Bei Langstreckenflügen müssen Passagiere länger warten, bis ihnen die sogenannten Betreuungsleistungen zustehen: Auf einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Muss ich trotzdem pünktlich am Flughafen sein?

Ja, auch bei einer absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Bekomme ich eine Entschädigung, wenn mein Flug wegen des Streiks ausfällt?

Nein, bei Streiks gibt es keine Entschädigung. Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen deshalb nichts.

Welche Regeln gelten bei Pauschalreisen?

„Reisende können bei einem Fluglotsenstreik keinen Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden einklagen“, sagt der Hannoveraner Rechtsanwalt und Reisespezialist Paul Degott. Allerdings haben Urlauber Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises für nicht erbrachte Leistungen. Beginnt der Urlaub also wegen des Fluglotsenstreiks erst drei Tage später, muss der Veranstalter beispielsweise auch die Kosten für die entgangenen Hotelübernachtungen zurückerstatten.

Kann ich komplett von einer Pauschalreise zurücktreten?

Reisende können komplett von einem Pauschalurlaub zurücktreten, wenn der Abflug durch den Fluglotsenstreik erheblich verzögert wird: „Wenn der Wert der Reise um 30 bis 50 Prozent, also erheblich gemindert ist, können Reisende nach Vorankündigung von der Reise zurücktreten. Sie bekommen den Reisepreis komplett zurückbezahlt“, sagt Reiserechts-Experte Degott.

Was passiert, wenn ich Hotel und Mietwagen selbst gebucht habe?

Wer Hotel oder Mietwagen selbst gebucht hat und wegen des Fluglotsenstreiks zu spät in den Urlaub startet, bleibt auf den Kosten sitzen: Beim Hotel oder der Mietwagenfirma kann man keine Leistungsminderung wegen des verspäteten Fluges geltend machen.

Lage an Flughäfen völlig normal

Auswirkungen auf den Flugbetrieb hatte die kurzfristige Absage nicht. In der Hauptverkehrszeit am Morgen sei bei der Lufthansa alles „völlig reibungslos“ gelaufen, sagte ein Konzernsprecher. Die 1800 für Dienstag geplanten Flüge dürften wie vorgesehen abheben. Keine großen Probleme gab es an den Flughäfen. Am Frankfurter Flughafen seien lediglich einige Maschinen früher gestartet, sagte ein Sprecher. Vor allem Chartergesellschaften hatten bereits am Vorabend beschlossen, ihre Maschinen noch vor dem geplanten Streikbeginn in die Luft zu bringen. In München musste einem Airport-Sprecher zufolge nur einer Flug der insgesamt 1100 angesetzten Flüge annulliert werden. Auch in Stuttgart laufe der Betrieb normal, sagte ein Flughafensprecher.

Von

rtr

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