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04.01.2008

11:00 Uhr

Weihnachtsgeschäft

Katerstimmung nach dem Fest

Das Weihnachtsgeschäft hat den wenigsten Händlern den erhofften Geldsegen beschert. Die Bilanz nach dem Fest: lange Gesichter statt dicker Gewinne - nicht nur in Deutschland, auch in Italien, Frankreich, Großbritannien und den USA klagen die Einzelhändler über schlechte Umsätze.

Nach ernüchertendem Weihnachtsgeschäft hoffen viele Händler auf den Schlussverkauf. Foto: dpa dpa

Nach ernüchertendem Weihnachtsgeschäft hoffen viele Händler auf den Schlussverkauf. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Zum ersten Mal dürfte nun sogar die islamische Türkei beim Weihnachtsgeschäft das christliche Deutschland überflügelt haben. Mit 435 Euro für Geschenke, zusätzliche Speisen und Verwandtenbesuche, fand eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte heraus, plante dort der Durchschnittsbürger für die Feiertage zum Jahresende. In Deutschland, so die repräsentative Befragung, kam jeden das Fest um durchschnittlich 15 Euro billiger.

Zugegeben, am Bosporus, wo es „Weihnachtsgeschenke“ zu Silvester gibt, gesellte sich dieses Mal im Dezember auch noch das islamische Opferfest als Geschenkanlass hinzu. Der Vergleich aber zeigt: Europaweit ist das Weihnachtsgeschäft in nahezu keinem Land so unbedeutend wie in Deutschland. Nur die Holländer geben in der Adventszeit noch weniger aus - und wenn, dann vorzugsweise auf den Weihnachtsmärkten ihres westlichen Nachbarn.

Die meisten übrigen Nationen stellen Deutschland bei den Einkäufen zum Jahresende überwiegend deutlich in den Schatten. Als Spitzenreiter geben die Iren mit 1 431 Euro dreieinhalb Mal so viel aus, gefolgt von Zyprern (1 188 Euro), Briten (1 007 Euro) und Spaniern (951 Euro). Selbst die Tschechen, deren frei verfügbares Pro-Kopf-Einkommen mit 7 500 Euro jährlich nicht einmal halb so groß ist wie das der Deutschen, sind mit durchschnittlich 506 Euro spendierfreudiger als ihre westlichen Nachbarn.

Dabei hätte es diesmal zwischen Flensburg und Garmisch unterm Christbaum deutlich mehr sein können. Denn unter den befragten 20 Ländern gab es allein in Deutschland einen Stimmungsumschwung. Während die Mehrheit der Bundesbürger 2006 noch von einer schwachen Konjunktur ausging, halten die meisten von ihnen die Wirtschaft inzwischen für stabil. In Irland dagegen kippte die Stimmung ins Negative, in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal verschlechterten sich sogar die ohnehin schon trüben Erwartungen.

Auch die Finanzkraft ihres eigenen Haushalts schätzen die Deutschen laut Deloitte-Umfrage wieder etwas positiver ein als in den Vorjahren. Dass die Deutschen angesichts dicker gewordener Sparbücher zu Weihnachten nicht tiefer in die Tasche griffen - und ersten Prognosen zufolge eher etwas weniger ausgaben als im Vorjahr - ist dennoch keineswegs unbegründet: Die Mehrheit beklagt nach wie vor einen deutlichen Kaufkraftschwund. Vor allem der Preisanstieg bei Lebensmitteln und die gestiegenen Energiekosten drückten nach Angaben der deutschen Verbraucher die Kaufbereitschaft vor Weihnachten. Immerhin 52 Prozent gaben zudem an, das Einkommensniveau habe sich verschlechtert. Mit ihren Klagen stehen die Deutschen allerdings keineswegs allein dar. Europaweit waren es allein die Russen, die nicht mehrheitlich über Verlust von Kaufkraft lamentierten.

Doch mehr als alle anderen - ausgenommen die Niederländer - zogen die Deutschen daraus die deutlichsten Konsequenzen. Sie gaben fürs Weihnachtsfest gerade einmal anderthalb Prozent ihres jährlichen Haushaltsgelds aus. Franzosen und Belgier kamen nach ersten Erwartungen auf rund zwei Prozent, Iren, Spanier, Griechen und Portugiesen ließen an den Kassen des Handels vor dem Fest rund vier Prozent ihrer Jahresausgaben. Doch von Hochstimmung ist auch im Ausland derzeit keine Rede. In vielen westlichen Industrieländern zeigten die Einzelhändler nach dem Kassensturz im Dezember lange Gesichter.

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