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25.07.2017

15:19 Uhr

Wellensteyn und P&C

Kartellamt verhängt Millionenbußen gegen Textilfirmen

Der Kleidungshersteller Wellensteyn und Händler Peek & Cloppenburg sollen unerlaubte Absprachen getroffen haben. Beide Unternehmen wurden jetzt vom Bundeskartellamt mit millionenschweren Bußgeldern bestraft.

Der Modehändler soll mit dem Hersteller Wellensteyn Preisabsprachen getroffen haben. dpa

Peek & Cloppenburg

Der Modehändler soll mit dem Hersteller Wellensteyn Preisabsprachen getroffen haben.

DüsseldorfWegen verbotener Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt Geldbußen von rund 10,9 Millionen Euro gegen den Kleidungshersteller Wellensteyn und die Handelskette Peek & Cloppenburg Düsseldorf verhängt. Wellensteyn habe dem Textilhandel zwischen 2008 und 2013 Mindestverkaufspreise vorgegeben sowie Preisreduzierungen und den Internetvertrieb untersagt, teilte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag mit. Habe sich ein Händler nicht an die Vorgaben gehalten, seien Liefersperren angedroht und in einer Reihe von Fällen auch umgesetzt worden.

P&C Düsseldorf habe sich nicht nur auf diese Vorgaben eingelassen, sondern darüber hinaus Wellensteyn selbst dazu aufgefordert, gegen Preisunterschreitungen von anderen Händlern vorzugehen. Derartige Vereinbarungen seien grundsätzlich verboten, betonte die Behörde.

Derartige Preisabsprachen sind kein Einzelfall. „Solche Versuche von Modeunternehmen, Mindestpreise durchzusetzen, kommen häufiger vor“, sagte Kartellrechtsexperte Dario Struwe vom Frankfurter Büro der Kanzlei FPS dem Handelsblatt. „Es ist aber ungewöhnlich, dass ein Modehändler die Modemarke selbst dazu aufgefordert hat, gegen Preisunterschreitungen durch andere Händler vorzugehen“, sagte Struwe.

Mundt macht in einer Stellungnahme klar, dass mit dem Abschluss des Verfahrens gegen P&C und Wellensteyn das Thema noch nicht vom Tisch ist. Es gebe Hinweise darauf, dass solche und ähnliche Preisbindungspraktiken in der Textilbranche über den vorliegenden Fall hinaus Bedeutung haben könnten. „Das wären klare Verstöße gegen das Kartellverbot“, warnte Mundt.

Bei P&C in Düsseldorf ist man froh, das Verfahren mit einem sogenannten „Settlement“, also einvernehmlich, beenden zu können. So fielen die Bußgelder etwas geringer aus. „Die Höhe des Bußgeldes entspricht in der Regel etwa dem Gewinn, den das Unternehmen durch die Preisabsprachen zusätzlich erzielt hat“, erklärte Kartellrechtsexperte Struwe.

P&C betont in einer Stellungnahme, dass das Textilunternehmen „das Bundeskartellamt bei der Aufklärung des Falles umfassend unterstützt und voll kooperiert“ habe. Und P&C habe daraus Konsequenzen gezogen. Es hat seine Mitarbeiter im Einkauf zu zusätzlichen Schulungen geschickt, um sie „verstärkt für die wettbewerbsrechtlichen Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern zu sensibilisieren“, wie es P&C formulierte.

Die Bußgelder sind noch nicht rechtskräftig. Die unabhängige Handelskette P&C Hamburg ist von der Entscheidung des Kartellamtes nicht betroffen.

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