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15.02.2016

16:28 Uhr

Weltluftverband IATA

Keine Angst vorm Fliegen

Das Fliegen wird laut Weltluftverband IATA immer sicherer. Kommt es dennoch zu Abstürzen, ist nicht immer die Technik Schuld. Experten sehen einen anderen Trend. Warum auch Hobby-Drohnen eine wachsende Bedrohung sind.

Fliegen wird immer sicherer und die Unfallursachen verschieben sich von der Technik hin zum Faktor Mensch. dpa

Luftverkehr

Fliegen wird immer sicherer und die Unfallursachen verschieben sich von der Technik hin zum Faktor Mensch.

SingapurTrotz einer Reihe von Abstürzen ist 2015 ein besonders sicheres Jahr in der kommerziellen Luftfahrt gewesen. Zu diesem Schluss kommt der Weltluftfahrtverband IATA in seinem am Montag veröffentlichten jährlichen Sicherheitsbericht. Allerdings bezog der Verband den Germanwings-Absturz vom vergangenen März und den Absturz eines russischen Passagierflugzeuges über der Sinai-Halbinsel im Oktober nicht in seine Statistik mit ein. Diese würden nicht als Unfälle gewertet, sondern als absichtliche und rechtswidrige Eingriffe in den Luftverkehr.

Bezogen auf diese beiden Vorfälle sagte IATA-Chef Tony Tyler, die Industrie arbeite daran, das Risiko zu minimieren, dass sich solche Ereignisse wiederholten. Es gebe keine einfachen Lösungen für die Fragen nach psychischer Gesundheit oder Sicherheit, die durch diese Abstürze aufgekommen waren.

Beim Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen starben 150 Menschen. Der Copilot hatte den Airbus A320 nach Erkenntnissen der Ermittler vorsätzlich in ein Bergmassiv bei Le Vernet gesteuert.

Bei dem Absturz des Airbus A321 mit russischen Touristen Ende Oktober über der Sinai-Halbinsel mit 224 Toten gehen Russlands Geheimdienst und Regierungen im Westen von einem Bombenanschlag aus. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) behauptet, den Flieger durch einen Sprengkörper zum Absturz gebracht zu haben.

2015 gab es dem IATA-Bericht zufolge insgesamt 68 Unglücke, bei denen 136 Menschen ums Leben kamen. 2014 waren insgesamt 614 Menschen bei Unglücken gestorben. Der Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt bei 504 Opfern. Statistisch gesehen gab es einen größeren Unfall pro 3,1 Millionen Flüge. Die langfristigen Zahlen zeigten, dass die kommerzielle Luftfahrt immer sicherer werde, so Tyler.

Die Airlines transportierten den Angaben zufolge bei 37,6 Millionen Flügen insgesamt mehr als 3,5 Milliarden Passagiere.

Schon im Januar hatte das Hamburger Flugunfallbüro „Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre“ (JACDEC) diese Entwicklung beschrieben. „Doch der gute Trend ist auch das Resultat eines desaströsen Vorjahres 2014 gewesen, in dem zwei Großraumflugzeuge der Malaysia Airlines verunglückten“, betonte JACDEC-Mitbegründer Jan-Arwed Richter.

Das Unfalljahr bestätige einen langfristigen Ursachen-Trend, schreibt Richter in einer Analyse für das Luftfahrtmagazin „Aero International“. Obwohl Fliegen angesichts von Milliarden sicher beförderter Passagiere extrem sicher sei, verschiebe sich der Fokus der Unfallursachen weg von der Technik und hin zum Faktor Mensch.

Dem Luftfahrverband IATA gehören 250 Airlines an, die zusammen 83 Prozent der kommerziellen Luftfahrtindustrie weltweit repräsentieren.

Hobby-Drohnen stellen nach IATA-Einschätzung "eine wachsende Bedrohung" für Passagiermaschinen dar. Piloten meldeten dem Verband häufig Drohnen an "überraschenden Orten", vor allem in geringer Höhe in der Nähe von Flughäfen, sagte IATA-Chef Tony Tyler am Montag. "Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass dies ein echtes und wachsendes Problem für die Sicherheit von zivilen Flugzeugen ist."

Im Vorfeld des Luftfahrtsalons in Singapur betonte Tyler vor zahlreichen Branchenvertretern, auch er sei "begeistert", wenn er höre, dass Pizza künftig per Drohnen ausgeliefert werden könne. Zugleich sprach sich der IATA-Chef für "umsichtige" Regulierungen aus, damit diejenigen zur Verantwortung gezogen werden könnten, die andere mit unbemannten Fluggeräten gefährden.

Die IATA sorgt sich nach Angaben ihres Drohnen-Experten Rob Eagles vor allem um kleine Fluggeräte, die in geringer Höhe in der Nähe von Flughäfen unterwegs sind und startende und landende Flugzeuge stören könnten. Zudem müsse sichergestellt sein, dass die von den Hobby-Piloten benutzten Funkfrequenzen die Systeme zur Luftraumüberwachung nicht störten.

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Allein in den USA hatte das Drohnen-Zentrum des Bard-College zwischen Dezember 2013 und September 2015 mehr als 920 Vorfälle mit Drohnen und Flugzeugen verzeichnet. 36 davon seien "nahe einer Kollision" gewesen, heißt es in einer Studie. Die Piloten von 28 Linienflugzeugen hätten ausweichen müssen, um einem Zusammenstoß zu entgehen.

Laut IATA verfügen bisher lediglich 63 von 191 Mitgliedstaaten der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation über Regelungen zum Gebrauch von Drohnen. In fünf Ländern sei der Einsatz verboten. In neun Staaten werden demnach derzeit Regeln ausgearbeitet.

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