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19.02.2015

15:15 Uhr

Weniger Mehrwegflaschen

Die Einfachstrategie von Coca-Cola

VonLaura Waßermann

Coca-Cola will die PET-Mehrwegflaschen abschaffen, zumindest die mit 0,5 und 1,5 Litern Inhalt. Die Deutsche Umwelthilfe ist empört. Wird Coca-Cola zur Discounter-Marke?

Ab Sommer 2015 sollen die 0,5-Flaschen aus Hartplastik von Coca Cola und Co. verschwinden. Neben Glas warb das Unternehmen sehr lange mit Mehrweg-PET. dpa

Ein bisschen Schluss mit Mehrweg

Ab Sommer 2015 sollen die 0,5-Flaschen aus Hartplastik von Coca Cola und Co. verschwinden. Neben Glas warb das Unternehmen sehr lange mit Mehrweg-PET.

Düsseldorf/BerlinEinweg statt Mehrweg. Der Getränke-Konzern Coca-Cola schafft in Deutschland die Mehrwegflaschen aus Kunststoff zum Teil ab. Die Halbliter-Flaschen sowie die mit 1,5 Litern Inhalt sollen im Laufe des Jahres aus den Regalen verschwinden. Das meldete das Unternehmen am Mittwoch. Grund dafür sei, dass Coca-Cola dadurch Abfüllanlagen effizienter nutzen könnten. Außerdem würden zu viele Flaschen nicht dort abgegeben, wo sie gekauft ursprünglich wurden – weswegen die Fahrer zu viele leere Getränkekisten transportieren würden.

Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe hält das für Ausreden. „Der Konzern will sich neu aufstellen, dafür wird er aus der USA auf Effizienz getrimmt.“ Höherer Profit mit geringeren Kosten, das stehe bei Coca-Cola momentan auf der Agenda, glaubt Fischer und verweist Branchenkreise.

Deutschlands größte Getränkehersteller

Platz 10

PepsiCo - 9,75 Millionen Hektoliter

Während Pepsi dem großen roten Konkurrenten international die Stirn bieten kann – in Deutschland schafft es die Limo-Marke nur knapp in die Top 10. Zu den Marken des Konzerns gehören unter anderem Mountain Dew, 7 Up, Tropicana und der Energydrink Rockstar.
Quelle: Lebensmittelzeitung, Daten für 2012

Platz 9

Oettinger-Gruppe - 10,6 Millionen Hektoliter

Mit der Fokussierung auf billiges Bier ist die Oettinger-Gruppe zu einer der größten Brauereien des Landes aufgestiegen.

Platz 8

Riha Richard Hartinger - 11 Millionen Hektoliter

Riha ist Deutschlands größter Fruchtsafthersteller. Dazu zählt etwa die Marke Fruchtquell.

Platz 7

AB-Inbev - 12 Millionen Hektoliter

Die Brauerei-Gruppe steht für Marken wie Beck's und Hasseröder.

Platz 6

Radeberger - 13 Millionen Hektoliter

Die Brauerei gehört zum Oetker-Imperium und vertreibt ab 2015 Pepsi-Produkte in ganz Deutschland.

Platz 5

Bitburger- 14 Millionen Hektoliter

Die Brauerei aus der Eifel hat neben der Stammmarke etliche weitere Biermarken im Angebot wie König Pilsener oder Licher.

Platz 4

Schäff-Gruppe - 19 Millionen Hektoliter

Das Aldi-Mineralwasser Altmühltaler stammt von der Schäff-Gruppe ebenso wie zahlreiche andere Eigenmarken von Discountern.

Platz 3

Hansa-Heemann - 24 Millionen Hektoliter

Auch an Rang drei steht ein Produzent von Handelsmarken für Discounter.

Platz 2

Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke MEG - 26,8 Millionen Hektoliter

Die 100-prozentige Tochter der Schwarz-Gruppe produziert alle Handelsmarken der konzerneigenen Supermarktketten Lidl und Kaufland und hat es damit innerhalb weniger Jahre an die Spitze der deutschen Getränkehersteller geschafft. Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ist heute der größte Mineralwasserproduzent Deutschlands.

Platz 1

Coca-Cola - 36,5 Millionen Hektoliter

Der rote Riese regiert auch den Getränkemarkt in Deutschland mit deutlichem Abstand. Die Zentrale zog 2003 von Essen nach Berlin. Mit Fanta wurde eine der großen internationalen Marken des Konzerns von der deutschen Tochter erfunden.

Coca-Cola in Deutschland verneint die These auf Anfrage des Handelsblatt (Online-Ausgabe). Nur ein Viertel des Mehrweggeschäfts sei von dieser Änderung betroffen, sagt die Sprecherin von Coca-Cola in Deutschland, Stefanie Effner. Der Rest bleibe weiterhin bestehen. „Damit bleibt unser Marktangebot von Mehrweg weiterhin über dem Durchschnitt.“ 2014 hatte Coca-Cola in Deutschland nach eigenen Angaben einen Mehrweganteil von 56,7 Prozent verzeichnet.

Eine Niederlage für das Mehrwegsystem ist die Umstellung trotzdem. Denn Coca-Cola ist Marktführer im Softdrink-Bereich. Diese Maßnahme sei ein Schritt in Richtung der Discounter, meint Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. „Auch, weil der Konzern die Einweg-Cola an Aldi günstiger verkauft als Mehrweg-Produkte an herkömmliche Supermärkte.“ Sprecherin Effner hält dagegen: „Wir wollen alle Kunden bedienen. Der Discounter ist dafür ein wichtiger Vertriebskanal.“ Jedoch seien alle anderen, wie die Gastronomie und die traditionellen Supermärkte genauso wichtig.

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Zu Fischers Aussage, die 0,5-Liter-Flasche sei das rentabelste Produkt der Coca-Cola-Firma in Deutschland, meint Effner: „Ich weiß nicht, wie die Deutsche Umwelthilfe darauf gekommen ist.“ Genaue Angaben dazu dürfe sie aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aber nicht machen.

Kommentare (1)

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Herr Kevin Mangold

20.02.2015, 15:43 Uhr

Mit einem Blick aus der Vogelperspektive lässt sich diese „Problematik“ vielleicht etwas relativieren. Die erste Prämisse, die es im Bezug auf die Säulen der Ökonomie und Ökologie zu beachten gilt ist, dass nur komplementäre Interdependenzen zwischen diesen Dimensionen in der heutigen Zeit zu einem nachhaltigen Mehrwert führen (Das ist Fakt, ob gut oder schlecht ist eine andere Frage). Aus ökobilanzieller Sicht ist natürlich das Mehrweggebinde sinnvoller, als Einweg. (Jetzt kommt das „aber“) Allerdings gilt dies nur, solange es sich um regionale Distributions- und Produktionsstrukturen handelt. Dies ist unter Berücksichtigung der Globalisierung nicht mehr gegeben, was bedeutet, dass die logistische Rückführung auch der Nachhaltigkeit zuwider läuft. Des Weiteren lässt sich ein schier nicht zu stoppender Convenience-Trend erkennen, was bedeutet, dass der Konsument immer weniger dazu bereit ist, die Mehrwegflasche persönlich zurück zum Handel zu bringen. Aber auch der Handel ist in Wirklichkeit kein großer Fan von Mehrweggebinden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die dafür benötigten Sortiersysteme und die damit verbundenen erhöhten Lagerkosten im Effizienzzeitalter in der Handelsbranche sehr willkommen sind.
Was wäre nun die Lösung dieses Problems. Die Lösung lautet kurz- bis mittelfristig: Schließung der Verwertungskreisläufe und Erhöhung der Recyclatanteile. Und langfristig: intensivere Forschung in Bezug auf Substitutionsmöglichkeiten wie z.B. die Biopolymerforschung. Die Erhöhung der Recyclatanteile würde ab einem gewissen Grad zu einem ökobilanziellen Gleichstand führen und die Erwägung von Substituten steht auch bei CocaCola bereits oben auf der Agenda. Nicht umsonst investierte CocaCola und einige Partner 50 Millionen Dollar in den katalytisch hergestellten Biokunststoff PEF. Warum: PEF hat nicht nur ökologische Vorteile, sondern bringt auch verbesserte Barriere-, Temperatur- und mechanische Eigenschaften als PET mit. Komplementäre Interdependenzen eben!

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