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29.11.2013

17:25 Uhr

Weniger Ökostrom-Rabatte

Bahnfahrern drohen höhere Ticketpreise

Die Bahn verzichtet auf Rabatte bei der Ökostrom-Förderung und zahlt mehr Abgaben. Dadurch entstehen dem Konzern fast 60 Millionen Euro Mehrkosten. Bahnchef Grube schließt nicht aus, dass die Ticketpreise steigen.

Die Bahn verzichtet auf Strom-Rabatte, könnte die Mehrkosten aber an die Kunden weitergeben. dpa

Die Bahn verzichtet auf Strom-Rabatte, könnte die Mehrkosten aber an die Kunden weitergeben.

BerlinIm Streit über Rabatte bei der Ökostrom-Förderung lenkt die Deutsche Bahn ein und zahlt künftig deutlich mehr Abgaben. Das Beispiel des Staatskonzerns könnte Schule machen, da die EU-Kommission die Industrie-Privilegien insgesamt seit längerem im Visier hat und von der Bundesregierung Änderungen verlangt.

Die Bahn werde ab 2014 für die bisher komplett befreite Strom-Eigenerzeugung einen reduzierten Satz nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abführen, bestätigte ein Unternehmenssprecher am Freitag entsprechende Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Regelung betreffe auch alle anderen Bahnen, die von der DB mit Strom beliefert würden. So kämen auf die Bahnen insgesamt 58 Millionen Euro an Kosten im nächsten Jahr zu.

Der Marktführer Deutsche Bahn wird davon den Großteil tragen müssen. Vorausgegangen ist nach Angaben aus dem Unternehmen Druck durch die Bundesnetzagentur und die Netzbetreiber. An der Lösung beteiligt war demnach auch das Bundesumweltministerium.

Antworten zu den neuen Bahnpreisen

Wann wird die Erhöhung wirksam?

Die neuen Preise gelten für alle Fahrten seit dem 15. Dezember 2013. Für etwa 80 Prozent aller Fahrten des Nahverkehrs gelten jedoch die Tarife eines Verkehrsverbundes. Nur für die übrigen 20 Prozent ist ein Bahn-Regionalticket zu lösen.

Wie viel müssen Bahnfahrer mehr zahlen?

Das kommt darauf an, auf welcher Strecke man unterwegs ist. Mit dem ICE kann es ein bis vier Prozent teurer werden, im Durchschnitt steigt der Normalpreis im Fernverkehr um 2,5 Prozent. Von Stuttgart nach München sind demnächst regulär 57 Euro zu zahlen, 2 Euro mehr als bisher (plus 3,6 Prozent). Im Nahverkehr beträgt die Anhebung für Standardtickets und Zeitkarten um 3,2 Prozent.

Welche Ausnahmen gibt es?

Im Fernverkehr sind etwa die Hälfte aller 360 Millionen jährlichen Fahrten nicht von der Preiserhöhung betroffen. Die Gründe: Zeitkarten werden nicht teurer, auch nicht die auf allen Strecken gültige Jahreskarte Bahncard 100, von der zurzeit rund 40 000 genutzt werden. Außerdem bleiben sämtliche Teilstrecken auf der Linie Düsseldorf-Berlin von einer Anhebung verschont. Das soll ein kleines Dankeschön sein für die vielen Verspätungen, die die Fahrgäste auf dieser Verbindung erdulden müssen. Ein Hochwasserschaden zwischen Hannover und Berlin macht seit Juni Umleitungen nötig. Das bleibt noch bis 4. November so.

Was ist mit den Bahncards und Reservierungsgebühr?

Teurer werden die Bahncard 25 (62 statt 61 Euro) und die Bahncard 50 (255 statt 249 Euro). Bei der Bahncard 100 und allen ermäßigten Bahncards bleibt der alte Preis. Für die Reservierung eines Sitzplatzes sind künftig 4,50 Euro statt 4 Euro zu zahlen. Begründung der Bahn: Sie will weniger „Luftbuchungen“ haben. Gerade Geschäftsreisende buchen gern für mehrere Züge hintereinander Plätze, weil sie nicht genau wissen, wann sie abfahren. Die Quote der Doppelbuchungen liegt bei mehr als 20 Prozent, so die Bahn.

Wie begründet die Bahn die Preiserhöhung?

Die Bahn begründet den Aufschlag vor allem mit höheren Personalkosten. Sie seien wegen der Tariferhöhungen im ersten Halbjahr um vier Prozent gestiegen. Auch der höhere Strompreis habe eine Rolle gespielt. Dabei sei die Bahn an langfristige Verträge gebunden und könne nicht von günstigeren Großmarktpreisen profitieren.

Was sagen die Kritiker?

Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland gefällt die Erhöhung nicht. Noch sei die Leistung der Bahn angesichts vieler Verspätungen und anderer Schwächen nicht gut genug, um sie zu rechtfertigen.

Das Unternehmen gilt als größter Verbraucher von Strom in Deutschland und produziert über Beteiligungen an Kraftwerken rund 70 Prozent selbst und leitet sie durch ein eigenes Netz. Von diesem Anteil zahlt die Bahn künftig auf zehn Prozent die volle Umlage von 6,24 Cent pro Kilowattstunde und auf den Rest den reduzierten Satz von 0,05 Cent. Strittig ist dem Sprecher zufolge noch, inwieweit für die vergangenen Jahre eine Abgabe fällig sein könnte.

Eine Sprecherin der Netzbetreiber verwies auf die Bundesnetzagentur. Diese konnte sich am Freitag zu dem Vorgang zunächst nicht äußern. Das Bundesumweltministerium wiederum erklärte: „Auseinandersetzungen zwischen Netzbetreibern und anderen Unternehmen kommentieren wir grundsätzlich nicht.“

Kommentare (1)

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SteuerKlasseEins

02.12.2013, 14:17 Uhr

Wer "zwischen den Zeilen" lesen kann, der merkt, daß fast alles an der Energiewende der Öl-/Gasindustrie zugute kommt:
E-Heizungen (wie in Frankreich üblich mit Atomstrom) werden in D. uns ausgebaut und durch Gasheizungen ersetzt.
E-Autos werden mit dem völlig überteuerten Strom unwirtschaftlich gemacht, so daß die Zukunft der deutschen Straßen weiterhin Benzin und Diesel gehört.
Kohle-Kraftwerke werden mit CO2-Steuern (Zertifikaten) belastet und müssen schließen. Atomkraftwerke werden schlichtweg verboten. Die Politik will hauptsächlich Gaskraftwerke haben (auch wenn es bis jetzt noch nicht so ganz klappt) um den zufällig anfallenden Wind/Solarstrom auszugleichen.

Hat jemand einmal untersucht, ob die Öl-/Gaskonzerne, OPEC, Saudi Arabien, Gazprom usw. an die CDU/SPD/Grüne/Greenpeace dafür Spenden, daß sie ihre Politik zur Förderung Fossiler Energien auslegen?

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