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12.02.2012

11:07 Uhr

Werbebranche

Ethno oder Ghetto?

VonCatrin Bialek

Ethnomarketing oder Ghettomarketing? Die Werbewelt ringt um den richtigen Umgang mit den vielen Migranten in Deutschland. Das könnte sich lohnen, denn deren Kaufkraft ist hoch.

Frauen mit Kopftüchern gehen mit Einkaufstüten durch eine Straße in Mannheim. dapd

Frauen mit Kopftüchern gehen mit Einkaufstüten durch eine Straße in Mannheim.

DüsseldorfIn Deutschland soll es eine "neue Willkommenskultur" geben, einen "Qualitätsschub in der Integration". So lautet zumindest das Ziel des jüngsten Integrationsgipfels, den die Bundesregierung vorige Woche veranstaltete. Nicht nur die Politik, auch die Werbewelt ringt um den richtigen Umgang mit den 16 Millionen Migranten, einer ebenso kaufkräftigen wie markenbewussten Zielgruppe. Eine Lösung bietet Ethnomarketing, das gezielte Ansprechen von Migranten. Doch der Ansatz ist umstritten.

Ethnomarketing ist eine zusätzliche Werbeform, die an der eigentlichen Zielgruppe vorbeigeht: Die Unternehmen schalten Spots im fremdsprachigen Fernsehen, sie schalten Anzeigen in entsprechenden Publikationen und organisieren Promotions dort, wo die Migranten gerne sind, in speziellen Vereinen oder Supermärkten. Dabei stellen die gut drei Millionen Türken die größte von den Werbern anvisierte Gruppe dar. Ihre Kaufkraft wird von Experten auf 17,6 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Dafür, so meinen Ethno-Werber, lohne sich der Extraaufwand durchaus.

Mit einem emotionalen Spot wirbt beispielsweise die Targobank auf türkischen TV-Kanälen. Freundinnen, die lachen, Paare, die sich umarmen, Familien, die zusammensitzen. Bilder aus der Heimat. Hier ist niemand allein. Ganz anders der deutsche Spot der Targobank, der zur gleichen Zeit läuft: Es geht um Selbstverwirklichung, um das Ich.

Entwickelt hat die türkische Strategie die Agentur Ethno IQ. "Werbung alleine reicht aber nicht", sagt Ethno-IQ-Chef Engin Ergün. "Auch die Produkte müssen an die Bedürfnisse angepasst werden." So biete die Targobank nicht nur eine gewisse Anzahl kostenfreier Überweisungen in die Türkei, sondern beschäftige in 95 Filialen auch mindestens einen türkischsprachigen Bankangestellten. "Der fragt dann auch nicht nach, warum ein Türke einen Kredit aufnimmt, wenn sein Kind heiratet", sagt Ergün. Fragen wie "Müssen es denn unbedingt 800 Gäste sein?" erübrigen sich.

Ergüns Beratungsgeschäft blüht. Die Düsseldorfer Agentur beschäftigt 30 Mitarbeiter. Fast alle stammen aus der Türkei. Sie wissen, dass Lebensmittel "halal" sein müssen, das heißt islamkonform, dass Vorratspackungen groß sein sollten, fünf Kilo Nudeln statt 500 Gramm, und dass Türken gern im türkischen Supermarkt einkaufen. 3500 solcher Onkel-Mehmet-Läden gibt es hierzulande - und Ergün verspricht Kunden einen direkten Draht in die Gemeinde.

Kommentare (4)

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KamilJan

12.02.2012, 12:14 Uhr

Warum muss das ganze unter "Migration" versteckt werden, wenn es hier ganz eindeutig um die türkischen Mitbürger geht. Die Millionen Polen und Russen werden weder von dem türkischen Targo Bank Spot, noch dem türkischen VW-Spot angesprochen. (zudem riecht der Artikel ein bisschen nach Targo Bank Werbung, aber das nur mal ganz nebenher...)

BerlinerBuerger

12.02.2012, 12:56 Uhr

Wieso ist deren Kaufkraft hoch?Die meisten kassieren doch
Hartz4 una arbeiten schwarz im Familienbetrieb und Gewinne werden in die Heimat oder auf Schwarzkonten transferiert.
Da ändert auch Stiefelleckerei von unseren Geldgeiern nix
dran.

Account gelöscht!

12.02.2012, 13:14 Uhr

Es sind mittlerweile 5 -6 Millionen Türken hier und darum geht es. Die wollen nicht integriert werden und wie in der Türkei leben und das mit Riesenmoscheen und großen Einkaufscenter wo nur Muslime kaufen dürfen. Die sich hier Integriert haben verstehen das ganze auch nicht. Es widerspricht allem Integrationsbemühungen und die Ideen kommen direkt aus Berlin und Türkischen Organisationen.

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