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25.08.2014

07:10 Uhr

Werbung

Amazon will Google loswerden

Sie wollen nicht länger auf einen externen Anbieter zurückgreifen, sondern selbst ins Geschäft einsteigen: Amazon plant einem Bericht zufolge eine eigene Plattform für Online-Werbung. Google dürfte das nervös machen.

Er kommt gern mal mit Überraschungen um die Ecke: Amazon-CEO Jeff Bezos. dpa

Er kommt gern mal mit Überraschungen um die Ecke: Amazon-CEO Jeff Bezos.

New YorkDer Internet-Händler Amazon will laut einem Zeitungsbericht eine eigene Plattform für Online-Werbung aufbauen und damit Google Konkurrenz machen. In einem ersten Schritt sei geplant, bisher über Google vermarktete Anzeigenplätze auf den Amazon-Seiten mit Hilfe eines hauseigenen Systems zu bestücken, berichtete das „Wall Street Journal“ am Wochenende. Tests für den Dienst sollten später in diesem Jahr starten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Die Plattform funktioniere ähnlich wie Googles AdWords-System.

In diesem System erstellen Anzeigenkunden Schlagworte bei der Buchung ihrer Werbung. Suchen Google-Nutzer nach diesen Worten, erscheint die Anzeige bei den Suchergebnissen und erreicht so eher potenzielle Kunden.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Amazon habe vor, mit der Zeit über seine Plattform auch Werbung außerhalb der eigenen Website anzubieten. Damit würde das Internetunternehmen in direkte Konkurrenz zu Google und Microsoft-Angeboten treten. Google dominiert das Terrain der Online-Werbung bislang unangefochten, auch aufgrund der Marktmacht im Suchmaschinenbereich, den das Unternehmen in Deutschland mit über 90 Prozent Marktanteil dominiert. Weltweit hat Google laut der Branchenorganisation „The Search Agency“ einen Marktanteil von 84,4 Prozent an allen bezahlten Sucheinträgen. Mit eigenen Tutorials zur Google AdWords hat sich auch die Nutzer- und Drittanbieter-Community auf das Google-Werbeangebot eingestellt.

Die Amazon-Offensive kommt zu einem Zeitpunkt, da auch Google seine Strategie für AdWords überarbeitet. Zu September werden die bisherigen Produkt-Listing-Anzeigen in so genannte Google-Shopping-Kampagnen überführt. Werbetreibende, die nicht umstellen, müssen sich zunächst darauf einstellen, dass Ziel-URLs und Texte der Produkt-Listings nicht mehr verändert werden können. Ab September werden die Listings automatisch in Kampagnen umgewandelt, wobei Google in seinen Blog darauf hinweist, dass einige Einstellungen und Angebote dann möglicherweise wegfallen. Möglicherweise will Amazon Kunden ansprechen, die mit den Änderungen nicht mitgehen wollen.

Es solle bei Amazon zudem ein neues Tool geben, mit dem Werbeagenturen Platzierungen für mehrere Werbekunden auf einmal buchen können, so berichtet das „Wall Street Journal“ weiter. Die Unternehmen wollten die Informationen auf Anfrage der Zeitung nicht kommentieren.

Von

dpa

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