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20.02.2016

16:20 Uhr

Werft-Desaster

Als der Vulkan außer Kontrolle geriet

Mit einer spektakulären Pleite endete 1996 die Phase des größten deutschen Werftenverbundes. Die Bremer Vulkan stellte vor 20 Jahren Vergleichsantrag und ging später unter. Die Folgen sind bis heute spürbar.

Die Krise von Bremer Vulkan Verbund ist nicht die letzte Krise im Schiffbau: Von 1996 bis heute halbiert sich die Zahl der Werftarbeitsplätze auf 15.600. ap

Blick auf die Bremer Vulkan-Werft, aufgenommen 1995

Die Krise von Bremer Vulkan Verbund ist nicht die letzte Krise im Schiffbau: Von 1996 bis heute halbiert sich die Zahl der Werftarbeitsplätze auf 15.600.

BremenWütende Arbeiter demonstrieren an Nord- und Ostsee, später langwierige Prozesse und Untersuchungsausschüsse: Eine der größten deutschen Wirtschaftspleiten nimmt ihren Lauf, als die Bremer Vulkan Verbund AG am 21. Februar 1996 Vergleich anmelden muss. Nach kurzem Aufstieg zum größten deutschen Werftenverbund bricht vor 20 Jahren ein Konzern mit etwa 23.000 Beschäftigten zusammen. Von Bremen bis Schwerin stehen Wirtschaftspolitiker vor einem Scherbenhaufen.

Schnell gerät nach Vergleichsantrag und Konkurs das Management in die Kritik: „Nieten in Nadelstreifen“ aus den Vorstandsetagen sollen das Desaster verschuldet haben. Doch auch unterschiedliche Interessen in Politik, Wirtschaft und bei den Banken mischen in dem Drama mit.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

„Der Absturz des Vulkan war ein Lehrstück für das komplette Versagen eines viel zu schnell gewachsenes Unternehmen“, blickt heute der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel von der Universität Bremen zurück. Interne und externe Kontrollen hätten versagt.

Bereits 1983 erlebt Bremen mit dem Niedergang der Traditionswerft AG Weser einen industriepolitischen Alptraum. Als Konsequenz will der Senat nun die 1893 gegründete Aktiengesellschaft Bremer Vulkan als letzte erhaltene Großwerft um jeden Preis retten. Dafür riskiert das kleinste Bundesland auch Millionensummen an Steuermitteln aus dem knappen Haushalt.

Mit dem SPD-Wirtschaftsstaatsrat Friedrich Hennemann steigt ein senatstreuer Beamter an die Konzernspitze auf. Er will den Vulkan zu einem globalen maritimen Technologiekonzern ausbauen und hat eine Vision: „Wir stehen vor einem ozeanischen Jahrhundert“, orakelt Hennemann und verfolgt nun eine riskante Expansionsstrategie.

Werften in Bremerhaven und Wilhelmshaven, die Maschinenfabrik Dörries Scharmann in Mönchengladbach, der Marine-Elektronikspezialist Krupp Atlas und andere Firmen stehen auf der Einkaufsliste. 1992 folgt ein umstrittener Coup: Nach dem Fall der Mauer übernimmt der Vulkan mit den Werften in Wismar, Stralsund und dem Dieselmotorenwerk Rostock fast die gesamte ostdeutsche Werftindustrie.

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