Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.11.2014

18:32 Uhr

Weselsky greift Bahn-Chef Grube an

„Wir machen keine Kompromisse“

ExklusivProzess gewonnen, Streik gnädig verkürzt: GDL-Chef Claus Weselsky ist obenauf. In dieser Situation schmeckt ihm die Forderung von Bahn-Chef Rüdiger Grube nach Kompromissen gar nicht. Der Gewerkschafter hat andere Ziele.

Claus Weselsky will von seinen grundsätzlichen Positionen nicht abrücken. dpa

Claus Weselsky will von seinen grundsätzlichen Positionen nicht abrücken.

BerlinClaus Weselsky, Bundesvorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, sieht sich durch das Gerichtsurteil vom vergangenen Freitag in seiner Position gestärkt. „Ganz Deutschland darf jetzt sehen, dass erstens der Streik der GDL rechtmäßig ist, dass er zweitens verhältnismäßig ist und dass wir eigentlich gar nicht hätten in diese Auseinandersetzung gehen müssen“, sagte Weselsky in einem Interview mit dem Handelsblatt. Der Plan der Deutschen Bahn, „schon mal ein Pilotprojekt zur Tarifeinheit zu fahren“, sei gescheitert.

Das Landgericht Frankfurt hatte am Freitag eine einstweilige Verfügung gegen die GDL-Streiks verweigert. Weselsky erwartet nun ein Angebot der Bahn. Und zwar nicht nur für die Lokführer, sondern auch für die anderen Zugbeschäftigten. Einen Termin gibt es aber noch nicht. Der GDL-Chef sieht die Bahn in der Pflicht, neue Streiks zu verhindern.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Weselsky will an den Verhandlungstisch zurückkehren. Er kritisierte allerdings Bahn-Chef Rüdiger Grube scharf. „In dem Moment, wo es nicht so glücklich ausschaut für die Bahn, wo die GDL zudem Größe zeigt und nicht auf dem Verlierer herumtrampelt, in diesem Moment meldet sich wie das Kaninchen aus dem Hut gezaubert der Vorstandsvorsitzende der Bahn im Zeitungsinterview und fordert Herrn Weselsky auf, Kompromisse zu machen“, sagte Weselsky. Seine klare Antwort: Bei ihren grundsätzlichen Positionen machen die GDL „keine Kompromisse.“

Das vollständige Interview mit Claus Weselsky finden Sie als Digitalpass-Kunde hier zum Download.

Von

fo

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Helmut Metz

10.11.2014, 19:04 Uhr

Wie ich schon mal geschrieben habe: die Arbeitgeber haben heute keine "Eier" mehr wie damals z.B. Maggie Thatcher. Ihr Rezept wäre nämlich: Lokführer streiken lassen, bis deren Streikkasse leer ist. Dann haben sie die Wahl: zurück an den Arbeitsplatz zu den Bedingungen der Arbeitgeber, oder aber hungern. Und ihren Gewerkschaftschef würden sie sich dann selbst zur Brust nehmen.
Dann wäre für mindestens 10 Jahre Ruhe mit dem Streikterror und der Lahmlegung ganzer Landstriche.
Denn was kommt andernfalls raus: ein "Kompromiss" natürlich, mit der Folge: die wirtschaftlichen Schäden für die Bahn und die steigenden Personalkosten werden selbstverständlich auf die Ticketpreise umgelegt. Das führt aber zu sinkender Konkurrenzfähigkeit der Bahn, z.B. im Personenverkehr gegenüber Flugzeug und Fernbussen (die bevorzuge ich selbst auch mittlerweile). Ultimative Folge dann: Arbeitsplatzabbau und arbeitslose Lokführer. Pech gehabt...

Herr Horst Meiller

10.11.2014, 19:32 Uhr

"Arbeitsplatzabbau und arbeitslose Lokführer. Pech gehabt..."

Na klar wäre das genau richtig, dies G.Socks so ins Leere laufen zu lassen. Wird aber leider nicht so kommen! ):

Herr Jürgen Dannenberg

10.11.2014, 19:57 Uhr

"Der Gewerkschafter hat andere Ziele", und die wären, diese Ziele. Das geht meiner Meinung nach in keinster Weise aus dem Artikel hervor. Oder ich muss was gravierendes überlesen haben

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×