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04.11.2015

13:59 Uhr

Wettbewerb auf der Schiene

Bahn-Konkurrenten schlagen Alarm

VonDieter Fockenbrock

Die Konkurrenten der Bahn im Regionalverkehr sind erfolgreich – vielleicht zu erfolgreich. Eine Gesetzesänderung soll Ausschreibungen neu regeln. Die Privatbahnen sehen nun den freien Wettbewerb vor dem Aus.

Die Konkurrenten der Deutschen Bahn sehen in der Gesetzesnovelle eine massive Benachteiligung. dpa

Privatbahn Abellio in Essen

Die Konkurrenten der Deutschen Bahn sehen in der Gesetzesnovelle eine massive Benachteiligung.

BerlinDie Wettbewerber des Ex-Monopolisten Deutsche Bahn können nicht klagen. Ihr Marktanteil wächst und wächst. Bereits im kommenden Jahr werden die DB-Konkurrenten im Nah- und Regionalverkehr mehr als 30 Prozent der Betriebsleistung auf der Schiene erbringen. Im Güterverkehr ist ihr Marktanteil schon längst über ein Drittel gestiegen.

Doch gut zwei Jahrzehnte nach dem politischen Beschluss, Wettbewerb auf der Schiene zuzulassen und auch zu fördern, sehen eben diese Konkurrenten der Deutschen Bahn den Wettbewerb vor dem Aus. „Das politische Ziel, den Wettbewerb zu stärken ist in Gefahr“, stellt Ludolf Kerkeling, Vorstandschef des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen fest. In Sonntagsreden werde das hehre Ziel noch gepriesen, dieselbe Politik trage aber dazu bei, dass die Bahn-Konkurrenten geschwächt würden.

Jüngstes Beispiel dafür sei der Vorstoß des Bundesrates zur Neuordnung des öffentlichen Vergaberechts. Künftig soll demnach den DB-Konkurrenten vorgeschrieben werden, nach einer gewonnenen Ausschreibung im Regioverkehr das Personal der DB zu übernehmen. Abellio, Keolis, Netinera oder Transdev suchen zwar händeringend qualifiziertes Bahnpersonal. Die Leute von der Bahn wollen sie aber nicht übernehmen. „Wenn das so kommt“, sagt einer der Bahnmanager hinter vorgehaltener Hand, „dann gewinnen wir keine einzige Ausschreibung mehr“.

Wie die Bahn Kunden im Fernverkehr gewinnen will

Keine flächendeckende Preiserhöhung

Bereits für das laufende Jahr hat die Deutsche Bahn in der zweiten Klasse nicht an der Preisschraube gedreht. Das ist auch im nächsten Jahr der Fall, dann auch in der ersten Klasse. Einschränkung: Fahrten über die Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig, die zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen wird und Fahrzeiten deutlich verkürzt.

Ansonsten bleibt bei 90 Prozent der Tickets alles beim Alten: Die Normalpreise ändern sich nicht, die Bahn-Card-Preise bleiben stabil wie auch die Preise für Streckenzeitkarten. Sparpreise gibt es weiter ab 19 und 29 Euro.

Höhere Preise auf neuer Strecke

Kunden, die Verbindungen über die Neubaustrecke Erfurt - Halle/Leipzig nutzen, müssen tiefer in die Tasche greifen; sie kommen aber auch schneller an ihr Ziel. Der Fahrpreis erhöht sich um ein bis sieben Euro. Normalpreise und Streckenzeitkarten werden ebenfalls angepasst.

Die Fahrzeit von Frankfurt am Main nach Leipzig verkürzt sich beispielsweise um 23 Minuten auf rund drei Stunden. Dafür werden mit 85 Euro künftig fünf Euro mehr fällig als bisher. Wer von Berlin nach Erfurt unterwegs ist, zahlt ab dem Fahrplanwechsel 71 statt 64 Euro. Hier gelangt der Bahnreisende dann unter zwei Stunden an sein Ziel; 44 Minuten schneller als bisher.

Sparpreise ohne Vorkaufsfrist

Für den Sparpreis ab 29 Euro auf längeren Strecken entfällt künftig die Vorverkaufsfrist. Je nach Verfügbarkeit kann solch ein Angebot dann noch bis kurz vor Abfahrt gebucht werden. Damit sollen vor allem Kunden angelockt werden, die bisher nicht oder selten Bahn fahren. Sparpreise werden auf Strecken zur Verfügung gestellt, die nicht ausgelastet sind - und zu Zeiten, in denen die Züge nicht voll sind.

Fahrten mit ICE-Sprinter werden günstiger

In etwa dreieinhalb Stunden von Frankfurt am Main nach Berlin oder von Köln nach Hamburg - das ist mit dem ICE-Sprinter möglich. Die Sprinter-Fahrten werden mit dem Fahrplanwechsel günstiger, weil die Reservierungspflicht und der Sprinter-Aufpreis von 11,50 Euro entfallen. Wer auf eigenen Wunsch einen Sitzplatz reservieren will, zahlt in der zweiten Klasse die üblichen 4,50 Euro. In der ersten Klasse ist die Reservierung im Fahrpreis enthalten.

Normalpreis wird zum Flexpreis

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Kein Termin für Gratis-Internet in zweiter Klasse

Mit dem Normalpreis können Kunden flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zug reisen. Das will die Deutsche Bahn gleich im Namen deutlich machen und tauft den Normalpreis in Flexpreis um.

Kritik an diesem politischen Plan entzündet sich aber nicht allein an der Kostenfrage. Christian Paschen, Vorstand beim Bahnverband Mofair, ist auch davon überzeugt, dass eine solche Vorschrift gegen die Tarifautonomie verstößt und beim Ausschreibungsverfahren den Datenschutz verletzt, weil die Bahn Personaldaten offen legen müsse. „Das Ganze ist eine unausgegorene Idee“, wettert Paschen.

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