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22.01.2007

16:00 Uhr

Wetteifern beim Klimaschutz

Britische Händler schlagen grünen Kurs ein

VonDirk Heilmann

Marks & Spencer sowie Tesco übertreffen sich derzeit gegenseitig mit Aktionsprogrammen für Nachhaltigkeit. Das Augenmerk liegt zunächst auf der Reduzierung des Kohlendioxid-Austoßes und dem Anbieten von überwiegend regional gefertigten Waren. Die Konzepte versprechen viel.

LONDON. Unter den britischen Einzelhandelskonzernen ist ein regelrechter Wettlauf um das stärkste Engagement im Klimaschutz ausgebrochen. Die größte Supermarktkette Tesco und der führende Textilhändler Marks & Spencer überboten sich in den vergangenen Tagen mit umfangreichen Aktionsprogrammen für nachhaltiges Wirtschaften.

Die Programme werden massive Auswirkungen auf die Lieferketten der Konzerne haben und somit weit in die Landwirtschaft, die Lebensmittelindustrie und in die Logistikbranche hineinwirken. Auf der anderen Seite zielen die Unternehmen darauf, die Verbraucher aufzuklären und zu umweltfreundlicherem Konsum anzuhalten. Umweltschutzgruppen nahmen die Ankündigungen zustimmend auf.

Marks & Spencer hat sich das Ziel gesetzt, bis 2012 „CO2-neutral“ zu werden. Das Unternehmen will seinen Ausstoß an Kohlendioxid um 80 Prozent reduzieren und den Rest durch Ausgleichsmaßnahmen neutralisieren. Vorstandschef Stuart Rose stellte einen 100-Punkte-Plan vor, mit dem der Konzern umweltfreundlicher und ethischer wirtschaften will. Mit ihm strebt der Konzern unter anderem an, keinen Müll mehr auf Deponien zu lagern und nur noch Plastiktüten aus wiederverwertetem Material einzusetzen. Künftig sollen alle Fleece-Pullover aus dem Garn recycelter Plastikflaschen bestehen, Möbel aus nachhaltiger Forstwirtschaft und Eier und Geflügel aus Freilandhaltung stammen.

Da Marks & Spencer fast durchweg Eigenmarken verkauft, schlagen die Entscheidungen direkt auf 2000 Fabriken und 10 000 Bauernhöfe durch. Das Unternehmen will rund 200 Mill. Pfund (300 Mill. Euro) in die Umsetzung investieren. „Dieser Plan ist ein neuer Maßstab für den Umgang von Unternehmen mit Herausforderungen wie Müll, fairem Handel und Klimaschutz“, sagte Jonathon Porritt, Direktor der Nachhaltigkeitsgruppe Forum for the Future.

Ende letzter Woche zog Tesco, größter Einzelhändler des Landes, nach. Vorstandschef Terry Leahy legte ein 500-Millionen-Pfund-Programm auf, um in den kommenden fünf Jahren die Supermarktkette auf grünen Kurs zu steuern. Der CO2-Ausstoß des Lieferverkehrs solle dadurch halbiert werden, die Emissionen der Geschäfte bis 2020 ebenfalls. Für das neue Auslieferungszentrum in Kalifornien baut Solar Integrated Technologies das größte Solarzellendach der Welt. „Tesco ist bisher in Fragen der Nachhaltigkeit immer als Teil des Problems dargestellt worden“, sagte Leahy, „das könnte nicht falscher sein.“ Tesco werde die Masse der Bevölkerung erreichen und damit Großteil der Lösung sein.

Damit spielt er vor allem auf neue Warenetiketten an, auf denen Tesco als erster Handelskonzern der Welt über das bei der Herstellung des Produkts emittierte Kohlendioxid informieren will. Wie das am besten zu berechnen ist, erforscht im Auftrag des Konzerns ein Institut der Universität Oxford. Marks & Spencer will erst einmal alle Waren kennzeichnen, die mit dem Flugzeug transportiert werden. Ziel der Unternehmen ist es, so viele Lebensmittel wie möglich aus regionaler Produktion zu beziehen.

„Tesco wird damit kein grüner Händler, aber es ist hoffentlich ein Schritt dahin, den Kohlendioxidausstoß zu verringern“, sagt Tony Juniper, Sprecher der Umweltschutzgruppe Friends of the Earth, die sich schon an zahlreichen Kampagnen gegen Tesco beteiligt hat.

17 große britische Unternehmen haben sich gerade zu einer Task-Force Klimaschutz unter dem Dach des Industrieverbandes CBI zusammengefunden. Unter der Führung des BT-Chefs Ben Verwaayen wollen sie die Debatte vorantreiben, welchen Beitrag die Wirtschaft zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes leisten kann. Unter den Teilnehmern sind Energiekonzerne wie RWE, N-Power, Shell und BP, große Energieverbraucher wie Corus und Ineos, aber auch British Airways, Rolls-Royce, Tesco, Siemens UK und die London Stock Exchange.

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