Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.05.2014

10:11 Uhr

Whole Foods

Aldi jagt Öko-Riesen in den USA

VonAxel Postinett

Das Geschäft mit Öko-Lebensmitteln boomt in den USA, lange hatte Whole Foods hier die Nase vorne. Doch die Handelskette gerät mehr und mehr unter Druck – Aldi setzt mit seinem Ableger Trader Joe’s zum Überholmanöver an.

Whole-Food-Papiertüte: Wer seine eigene Einkaufstasche mitbringt, dem danken die Angestellten im Namen der Umwelt. ap

Whole-Food-Papiertüte: Wer seine eigene Einkaufstasche mitbringt, dem danken die Angestellten im Namen der Umwelt.

New YorkSo hatten sich die Anleger das nicht vorgestellt: Zum dritten Mal in Folge senkt die US-Öko-Lebensmittelkette Whole Foods ihre Wachstumsprognosen. Als Folge stürzte die Aktie am Dienstag nachbörslich bis zu 15 Prozent ab. Einer der Gründe dafür: Aldi.

Die Aktie des Rolls-Royce unter den Öko-Läden in den USA hatte am Montag seit Jahresbeginn schon knapp 17 Prozent eingebüßt, als ein weiterer Analyst, Scott Mushkin von Wolfe Research, die Aktie von „outperform“ auf „underperform“ zurücknahm. In erster Line fürchte er die ständig zunehmende Konkurrenz. Als letzter großer Spieler hatte selbst der Handelsgigant Walmart angekündigt, im großen Stil in den Markt für Öko-Produkte einzusteigen. Mushkin: „Whole Foods ist ein gut geführtes Unternehmen. Aber eine ungünstige demographische Entwicklung, eine zähe Wirtschaftsentwicklung und steigende Konkurrenz kreieren aus unserer Sicht den ‚perfekten Sturm‘.“

Am Dienstag kam die nächste Sturmwarnung: Die Zahlen für das am 13. April abgelaufene Quartal zeigten noch einmal ein Rekord-Umsatz, aber die Gewinne lagen weit unter den Erwartungen, der Nettogewinn stagniert bei 142 Millionen Dollar. Die Prognosen für den Umsatzzuwachs im laufenden Geschäftsjahr nimmt das Management zum dritten Mal in Folge, diesmal auf 10,5 bis elf Prozent, zurück. Auch die Vorhersage für den Umsatz auf vergleichbarer Ladenfläche, einer Schlüsselgröße im Einzelhandel, musste Whole Food um rund einen Prozentpunkt senken. Der Gewinn pro Aktie werde nur noch um drei bis sechs Prozent wachsen, nicht wie bisher angenommen um sieben bis zwölf Prozent. Nachrichten, die die Börsianer gar nicht gerne hören.

So verteilen sich die Aldi-Filialen über die Welt

Deutschland

Den Heimatmarkt haben sich Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt. Hier hat Aldi Nord deutlich mehr Filialen. Das Unternehmen mit Sitz in Essen kommt auf rund 2500 Geschäfte. Aldi Süd mit Sitz in Mülheim an der Ruhr kommt auf mehr als 1800 Filialen.

Australien

Auf mehr als 295 Geschäfte kommt Aldi Süd in Australien. Seit dem Jahr 2001 hat das Unternehmen dort die Expansion vorangetrieben.

Belgien

In Belgien ist Aldi seit dem Jahr 1976 vertreten. Aldi Nord betreibt im Benelux-Land mehr als 440 Filialen.

Dänemark

Unter dem Namen „Aldi Marked“ gibt es Aldi Nord auch in Dänemark. Der Markteinstieg erfolgte 1977, heute kommt Aldi im Nachbarland auf mehr als 230 Filialen.

Frankreich

Eins der größten Aldi-Länder ist Frankreich. Aldi Nord ist dort seit 1988 aktiv und betreibt mehr als 920 Filialen unter dem Namen „Aldi Marché“.

Irland

Den Einstieg auf der grünen Insel wagte Aldi erst 1999. In Irland ist Aldi Süd vertreten und zählt dort mittlerweile mehr als 95 Filialen.

Großbritannien

Mehr als 470 Filialen hat Aldi Süd in Großbritannien. Seit 1990 ist der Discounter dort vertreten.

Luxemburg

Im kleinen Benelux-Land ist Aldi seit dem Jahr 1991 vertreten. Aldi Nord zählt in Luxemburg ein Dutzend Geschäfte.

Niederlande

Die Niederlande waren das erste Land, in das Aldi Nord expandiert. Seit dem Jahr 1973 sind dort mehr als 500 Filialen entstanden.

Österreich

Aldi Süds Markteintritt in Österreich erfolgte bereits 1968. In der Alpenrepublik hat der Discounter mehr als 440 Filialen, die dort „Hofer“ heißen.

Polen

Relativ neu ist Aldi in Polen. Im Nachbarland ist Aldi Nord erst seit 2008 vertreten. Mittlerweile haben dort mehr als 70 Filialen geöffnet.

Portugal

Mehr als 30 Geschäfte betreibt Aldi Nord in Portugal. Dort ist der Discounter seit dem Jahr 2006 aktiv.

Schweiz

Man glaubt es kaum, aber die Schweiz ist erst seit wenigen Jahre „Aldi-Land“. Seit 2005 expandiert Aldi Süd in die Alpenrepublik. Dort gibt es inzwischen mehr als 160 Filialen, die unter „Aldi Suisse“ laufen.

Slowenien

Slowenien ist Aldi Süd-Land. Dort ist die Kette seit dem Jahr 2005 aktiv. Mehr als 65 Filialen gibt es mittlerweile unter dem Namen „Hofer“.

Spanien

Im Krisenland Spanien eröffnete die erste Aldi-Filiale im Jahr 2002. Aldi Nord kommt dort inzwischen auf mehr als 260 Geschäfte.

Ungarn

In Ungarn ist Aldi Süd noch nicht allzu lange vertreten. Im Jahr 2008 erfolgte der Markteintritt. Inzwischen kommt Aldi dort auf die Zahl von mehr als 85 Geschäften.

USA

Nach Deutschland sind die USA das Aldi-Land mit den meisten Filialen. Aldi Süd ist dort seit 1976 vertreten und betreibt mehr als 1230 Filialen. Dazu kommen rund 470 Filialen von Aldi Nord, die dort Traeder Joe's heißen.

Quelle: Unternehmen, Stand: 4. April 2013

Whole Foods, bekannt für seine Hochpreisstrategie, ist vor allem bei jüngeren Kunden beliebt. Aber die müssen immer öfter auf den Geldbeutel achten als die ältere Kundschaft. Dazu gehört auch Lina. Wenn sie Whole Foods hört, muss sie Schmunzeln: „Bei uns heißt das nur ‚Whole Paycheck‘“, grinst die junge Angestellte aus San Francisco. Sie schätzt gesundes Essen, aber hier liefert man schnell sein ganzes Monatsgehalt ab. So wie viele andere auch hat sie mittlerweile „Trader Joe’s“ schätzen gelernt. Auch Roland, freier Journalist aus San Francisco, war direkt am ersten Tag da, als Ende 2012 der Laden auf der Hyde Street im noblen Stadtteil Nob Hill eröffnete.

Trader Joe’s gehört zu den schärfsten Konkurrenten von Whole Foods aus Austin, Texas. 1958 in Kalifornien gegründet kam 1979 die Übernahme durch Aldi Nord des mittlerweile verstorbenen Theo Albrecht. Mit über 400 Läden liegt Trader Joe’s bereits vor Whole Foods mit aktuell 378 Verkaufsstellen. Beide richten sich an gesundheits- und umweltbewusste Kunden und legen viel Wert auf eine direkte Ansprache. Whole Foods wendet eine eher klassische Marketingstrategie an, während Trader Joe’s bekannt ist für sein Guerilla-Marketing und unkonventionelle Ideen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×