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15.06.2016

18:07 Uhr

Wiesenhof

Feuer in Schlachterei durch Defekt ausgelöst

Nicht menschliches Versagen oder gar Brandstiftung war die Ursache für den Großbrand bei Wiesenhof in Niedersachsen, sondern ein technischer Defekt. Unterdessen hoffen die Beschäftigten auf Verhandlungsergebnisse.

Das Feuer hatte einen Millionenschaden verursacht. dpa

Großbrand bei Geflügelproduzent Wiesenhof

Das Feuer hatte einen Millionenschaden verursacht.

LohneDas verheerende Feuer in einer niedersächsischen Hähnchen-Schlachterei von Wiesenhof am Ostermontag wurde durch einen technischen Defekt ausgelöst. Zu diesem Ergebnis komme ein Brandgutachten, sagte eine Sprecherin der Polizei am Mittwoch. Hinweise auf eine Brandstiftung in der Schlachterei in Lohne bei Vechta habe es nicht gegeben. Versicherungsangaben zufolge liegt der Sachschaden bei rund 300 Millionen Euro.

Nach dem Gutachten wurde der Brand durch einen Defekt bei dem Verdampfer eines Kälteaggregats ausgelöst. Weil in dem betroffenen Gebäudeteil weder Brandmelder noch automatische Löschanlagen installiert waren, sei der Brand erst relativ spät gemeldet worden.

Die Schlachterei war am Ostermontag durch das Feuer stark beschädigt worden. Tiere kamen nicht zu Schaden, da an dem Feiertag nicht gearbeitet wurde. Bis dahin arbeiteten in dem Betrieb 1.200 Beschäftigte – 60 Prozent Festangestellte und 40 Prozent Leih- oder Werksvertragsarbeiter.

Was wirklich hinter den Siegeln steckt

Bio

Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Fairtrade

Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.

FSC

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.

MSC

Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

PEFC

Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.

UTZ

Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.

V

Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

Seitens des Unternehmens seien in der Vergangenheit alle Auflagen zum Brandschutz erfüllt worden, sagte eine Unternehmenssprecherin. Auch würden die Brandschutzmaßnahmen der Anlage regelmäßig von speziell ausgebildeten Technikern überprüft.

Der Wiederaufbau des Schlachthofes werde nach heutiger Einschätzung mindestens 18 Monate dauern. Es sollen weitere Brandschutzmaßnahmen installiert werden, um das Risiko eines Brandes zukünftig zu senken.

Derzeit verhandeln Wiesenhof, Betriebsrat und die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) um den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Die meisten Beschäftigten an dem Standort arbeiteten wieder, sagte der Oldenburger NGG-Gewerkschaftssekretär Matthias Brümmer. Allerdings noch nicht alle. „Die Produktion läuft voll“, sagte er. Die Tiere werden an anderen Standorten geschlachtet und zur Weiterverarbeitung nach Lohne gebracht.

Die Verhandlungen mit Wiesenhof gehen Brümmer zufolge am 4. Juli weiter. „Es ist eine schwierige Situation, eine Regelung zu finden“, sagte er. Mehr könne er nicht sagen, weil es eine Schweigeverpflichtung zu den Inhalten gebe. Die Gewerkschaft hatte zuletzt Befürchtungen geäußert, dass die Geschäftsführung die Stammbelegschaft drastisch verkleinern und die Beschäftigten durch Leiharbeiter ersetzen wolle. Das Unternehmen selbst hatte das dementiert.

Von

dpa

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