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05.07.2016

15:54 Uhr

Wiesenhof in Lohne

Nach Feuer werden rund 500 Mitarbeiter entlassen

Ende März brannte die Geflügelschlachterei von Wiesenhof in Lohne. Nun müssen mehr als zwei Drittel der ursprünglich Beschäftigten gehen. Der Betriebsrat spricht dennoch vom bestmöglichen Kompromiss.

Nach dem Großbrand Ende März haben sich Geschäftsleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft auf einen Interessensausgleich und Sozialplan geeinigt. dpa

Wiesenhof-Schlachterei in Lohne

Nach dem Großbrand Ende März haben sich Geschäftsleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft auf einen Interessensausgleich und Sozialplan geeinigt.

LohneNach dem Feuer in der Wiesenhof-Geflügelschlachterei im niedersächsischen Lohne verlieren Hunderte Menschen ihren Job. Von den rund 750 festangestellten Mitarbeitern sollen mehr als 400 im Laufe des Monats Juli die Kündigung erhalten. Über 100 befristete Arbeitsverträge seien bereits Ende Juni ausgelaufen, sagte der Chef der Wiesenhof-Mutter PHW, Paul-Heinz Wesjohann, am Dienstag in Lohne. Seit dem Brand hätten rund 20 Festangestellte von sich aus gekündigt.

Unternehmen, die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) und der Betriebsrat hatten sich nach langen und schwierigen Verhandlungen auf einen Sozialplan mit Interessenausgleich geeinigt. Dieser sieht Abfindungen vor und soll den entlassenen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, nach dem Wiederaufbau erneut zu den alten Bedingungen bei Wiesenhof zu arbeiten, wie Wesjohann und der Oldenburger NGG-Chef Matthias Brümmer sagten. Es sei kein ruhmreicher Tag, aber doch ein Ergebnis, das sich sehen lassen könne, sagte Brümmer.

Was wirklich hinter den Siegeln steckt

Bio

Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Fairtrade

Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.

FSC

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.

MSC

Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

PEFC

Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.

UTZ

Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.

V

Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

Ende März hatte ein technischer Defekt einen Großbrand in der Schlachterei ausgelöst. Versicherungsangaben zufolge liegt der Schaden bei rund 300 Millionen Euro. Vor dem Brand arbeiteten bei der Schlachterei 1200 Menschen, darunter 450 Leiharbeiter und Werkvertragsarbeiter.

Derzeit werden an dem Standort bis zu 90 000 Tiere zerlegt, die von anderen Schlachtereien kommen, sagte Wesjohann. Die PHW-Gruppe beabsichtige zwar, den Schlachthof am Standort Lohne in zwei Bauabschnitten wieder aufzubauen. Es könne aber bis zu fünf Jahre dauern, bis die frühere Schlachtkapazität von mehr als 430 000 Hähnchen pro Tag wieder erreicht sei.

Wiesenhof: Feuer in Schlachterei durch Defekt ausgelöst

Wiesenhof

Feuer in Schlachterei durch Defekt ausgelöst

Nicht menschliches Versagen oder gar Brandstiftung war die Ursache für den Großbrand bei Wiesenhof in Niedersachsen, sondern ein technischer Defekt. Unterdessen hoffen die Beschäftigten auf Verhandlungsergebnisse.

„Die Vereinbarung tut sehr weh“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Zafer Babacan. Die Zukunft sei durch die Wiedereinstellungsklausel gesichert. „Wir hoffen, dass die Familie Wesjohann tatsächlich den Standort wieder aufbaut - das ist unser Wunsch, unser Ziel, unser Traum.“ Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) bedauerte die Entlassungen, zeigte sich aber erfreut darüber, dass der Standort erhalten bleiben soll.

Von

dpa

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