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21.01.2005

14:07 Uhr

Winterkleidung liegt wie Blei in den Regalen

WSV: Von der Schnäppchenschlacht ins Rabattfinale

Bis zum Startschuss wartet fast niemand mehr. Wenn an diesem Montag der Winterschlussverkauf (WSV) im deutschen Handel beginnt, ist die Schlacht um die Schnäppchen längst in Gang.

HB BERLIN. Schon seit Jahresanfang werben Ketten und Kaufhäuser mit Sonder-Aktionen um die nach wie vor zögerlichen Kunden - nun soll sie das „große Rabattfinale“ locken. Zwar sind die einst ehernen Termine der Schlussverkäufe inzwischen rechtlich passé. Aufgeben will die Branche die bekannten Höhepunkte des Geschäftsjahres aber auch nicht. Nach dem meist milden Wetter sind die Lager mit Winterkleidung noch voll. Verheißungsvolle Sonderangebote müssen Schnäppchenjäger nicht lange suchen. Mit „extremen Streichpreisen“ und bunten „Sparcoupons“ trommeln Textilketten, Möbelhäuser und Discounter bundesweit für den „Super-WSV“.

Dabei nahmen es viele Geschäfte mit dem Termin nicht so genau und preschten schon in den vergangenen Tagen vor. Hosenanzüge für 40 Euro (statt 79,95) oder Nappaleder-Jacken zu 79,90 Euro werden ebenso angepriesen wie reduzierte Möbel. Zum Auftakt am Montag locken Kaufhof-Häuser extra mit morgendlichen Frühaufsteherrabatten, die Konkurrenz bläst wieder zum „Karstadt Schlussverkauf“ (KSV). Ob die neuerliche Werbeoffensive die Portemonnaies der Kunden öffnet, muss sich erst erweisen. Nach dem meist lebhaften Advents- Geschäft sei die Kauflust wie zu Jahresbeginn üblich wieder etwas abgeflaut, heißt es in der Branche. Da kommt es gerade recht, die Stimmung mit dem freiwillig koordinierten WSV anzukurbeln. Zu viele Aktionen könnten Kunden aber verwirren und verunsichern, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen - zuerst Weihnachtsangebote, dann Neujahrsrabatte und nun der Schlussverkauf. Genaues Hinsehen und Preisvergleiche seien daher nötig.

Sorge vor ruinöser Rabattitis

Die Sorge, dass die Sonderangebote in den nächsten Monaten wieder in einer ruinösen „Rabattitis“ münden könnten, treibt auch viele Geschäftsleute um. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) will den WSV daher als „großes Rabattfinale“ verstanden wissen. „Der Schlussverkauf soll Höhe- und Schlusspunkt des Rabattwettlaufs sein“, sagt Sprecher Hubertus Pellengahr. Danach sollten Läden zu stabilen Preisen zurückkehren, um das Vertrauen der Kunden in ihre Kalkulation nicht zu gefährden. Damit Ausverkäufe attraktiv bleiben, müssten sie weiter als besondere Aktionen gelten. „Rabatte dürfen nicht nur andere Namen haben.“

Zumindest auf eine besonders große Auswahl können Kunden diesmal beim Bummel in Einkaufszentren und Fußgängerzonen zählen. Nach dem Wegfall der gesetzlichen Beschränkung im vergangenen Sommer können nicht mehr nur Saisonartikel zu Sonderpreisen angeboten werden. „Es war nicht zu verstehen, warum Lederkoffer heruntergesetzt waren, aber Plastikkoffer nicht“, heißt es bei den Verbraucherzentralen. Der Handel erwartet denn auch, dass jetzt drei Viertel aller Geschäfte beim Schlussverkauf dabei sind und damit deutlich mehr als sonst. Einen Impuls können die Läden nach der lange gebremsten Konsumlust in jedem Fall gut gebrauchen. Auch im vergangenen Jahr dürften die Umsätze noch einmal leicht auf 370 Milliarden Euro gesunken sein, schätzt der HDE, und hält sich mit einer Prognose für dieses Jahr lieber erst einmal zurück. Die Stimmung werde sich wohl kaum vor der zweiten Jahreshälfte aufhellen, erwartet Sprecher Pellengahr. Der Handel könne dann schon froh sein, wenn er 2005 das Niveau von 2004 wieder erreicht.

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