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09.10.2014

13:49 Uhr

„Wir rechnen mit einem Rekordjahr“

China setzt auf Handel mit Deutschland

China und Deutschland, laut Botschafter Shi Mingde eine Verbindung die passt. Er rechnet mit einem neuen Rekordjahr im Handel zwischen den beiden Staaten und kündigte eine Vertragsflut bei Regierungsgesprächen an.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (r, SPD) und der chinesische Botschafter in Deutschland, Shi Mingde (2.v.r), bei der Eröffnung der chinesischen Handelskammer in Berlin im Januar. Mingde betonte jetzt die Bedeutung Deutschlands als wichtigster Handelspartner Chinas. dpa

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (r, SPD) und der chinesische Botschafter in Deutschland, Shi Mingde (2.v.r), bei der Eröffnung der chinesischen Handelskammer in Berlin im Januar. Mingde betonte jetzt die Bedeutung Deutschlands als wichtigster Handelspartner Chinas.

BerlinTrotz nachlassender Konjunktur in Deutschland erwartet China einen weiteren Boom in den Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. „Wir rechnen damit, dass 2014 ein neues Rekordjahr im gemeinsamen Handel wird“, sagte Chinas Botschafter in Deutschland, Shi Mingde, in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview. Er kündigte eine Fülle von Abkommen zwischen den weltgrößten Exportnationen bei den dritten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen Ende kommender Woche in Berlin an. Zudem würden Visa-Erleichterungen für chinesische Geschäftsleute und Touristen sowie ein strategischer Dialog beider Länder auch in der Außen- und Sicherheitspolitik vereinbart.

Besorgt äußerte sich Shi über die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. „Wir wollen nicht, dass die gesamte EU in eine Rezession geht. Europa ist unser wichtigster Handelspartner“, betonte der Botschafter. „Derzeit spüren wir eine sinkende Nachfrage aus Europa - das ist für uns ein Problem.“ Mit Sorge beobachte Peking zudem zunehmende protektionistische Tendenzen in der EU. „Das sieht man etwa an der wachsenden Zahl von Anti-Dumping-Verfahren.“

Er hoffe, dass die neue EU-Kommission auf Gespräche und nicht Eskalation setze. „Die EU sollte zudem das Investitionsschutzabkommen mit China vorantreiben - das wird sicher auch ein Thema bei den deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen sein“, kündigte Shi an. Europa sollte zudem so schnell wie möglich Gespräche über eine gemeinsame Freihandelszone beginnen. „Ich verstehe nicht, wieso die EU mit allen möglichen Ländern wie den USA oder Indien Freihandelsabkommen anstrebt - aber nicht mit China.“

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

China werde an seiner Politik der wirtschaftlichen Öffnung festhalten, versicherte Shi. Deshalb dürfe man das Vorgehen der chinesischen Kartellbehörden auch gegen ausländische Automobilhersteller und -zulieferer in China nicht falsch verstehen. Dabei handele es sich keineswegs um eine besondere Bestrafung ausländischer Firmen. 90 Prozent der Verfahren nach dem chinesischen Anti-Monopolgesetz richteten sich vielmehr gegen chinesische Firmen. Die ausländischen Autohersteller hätten zudem Verstöße zugegeben. Er erwarte gerade im Automobilsektor neue Verträge während des Besuches des chinesischen Ministerpräsidenten in Deutschland, kündigte der Botschafter an.

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