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31.10.2015

12:07 Uhr

Wirtschaftsfaktor Halloween

Zombies, Zaster, Zähneklappern

VonJohannes Steger

Halloween ist nicht nur ein Kinderspaß, es ist ein Geschäft mit Millionen-Umsätzen. In manchen Regionen hat der neue Brauch schon Karneval abgehängt. Warum sich die Deutschen so gerne gruseln – und wer daran verdient.

„Extrem steigende Tendenz“ dpa

Halloween-„Vergnügen“ in einem Freizeitpark

„Extrem steigende Tendenz“

DüsseldorfWer ein furchtsames Gemüt hat, der sollte am Vorabend von Allerheiligen lieber nicht die Türe öffnen. Denn es könnte durchaus sein, dass der Nachbar zum Zombie geworden ist und sich die Kinder von Gegenüber in eine Horde von Skeletten verwandelt haben.

Doch nicht die Tore zur Unterwelt wurden geöffnet, sondern Halloween hat begonnen. Und die Schauergestalten suchen nicht nach Menschenblut, sondern jagen nach Süßigkeiten von Tür zu Tür – zumindest die Kinder. Der zum Zombie mutierte Nachbar ist wahrscheinlich auf dem Weg zur nächsten Party.

Halloween: Geschichte und Geschäft

Der Tag

Halloween wird am 31. Oktober gefeiert, dem Vorabend des Allerheiligentages (englisch: „(All) Hallows' Eve(ning)“.

Keltische Wurzeln

Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten, dem Samhain („Ende des Sommers“).

Geister beschwichtigen

In der irischen Mythologie kommen im Jahr zuvor Gestorbene in dieser Nacht aus dem Totenreich zurück. Geister und Dämonen ziehen mit ihnen umher. Opfer sollen böse Wesen besänftigen, Masken erschrecken und Feuer vertreiben.

Über Einwanderer in die USA

Einwanderer aus Irland brachten Ende des 19. Jahrhunderts den Brauch in ihre neue Heimat USA. Halloween wird dort mit Umzügen, gruseligem Schabernack und makabren Partys gefeiert. Aus Amerika kam der Brauch nach Europa zurück.

In Deutschland noch neu

War Halloween vor einigen Jahren hierzulande noch nahezu unbekannt, fordern inzwischen auch in Deutschland viele verkleidete Kinder an den Türen Geschenke und drohen mit Streichen („Süßes oder Saures“). Erwachsene feiern Gruselpartys.

Dickes Geschäft

Rund 200 Millionen Euro lassen sich die Deutschen jährlich den Spaß kosten. Davon werden knapp 31 Millionen laut Fachgruppe Karneval im Verband der Spielwaren-Industrie allein für Grusel-Kleidung und Monster-Masken für Kinder und Erwachsene ausgegeben.

Kritik aus der Kirche

Die Kirchen stehen dem Geister-Boom kritisch gegenüber. Katholiken fürchten, dass das Totengedenken an Allerheiligen einer Spaßkultur zum Opfer fällt. Protestanten sehen ihren am 31. Oktober begangenen Reformationstag in Gefahr.

Halloween, das Fest mit Ursprung in den Vereinigten Staaten, erfreut sich mittlerweile auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Und so soll die Nacht vor dem Feiertag Allerheiligen, nicht nur die Tür zwischen Diesseits und Jenseits öffnen, sondern auch die Geldbörsen der Deutschen. Denn das Geschäft mit dem Grausen ist für viele Händler zur wichtigen Einnahmequelle geworden.

Walburga Loock ist Kürbisbäuerin im bayerischen Sickertshofen. Es war 1997, als sie das erste Mal eine öffentliche Halloween-Party veranstaltete. Zu dem US-amerikanischen Feiertag gehören neben gruseliger Verkleidung, auch die traditionellen geschnitzten Kürbisse. „Allerdings wusste zu jener Zeit noch kaum jemand etwas mit Halloween anzufangen“, erzählt Loock. Seit dem hat sich viel verändert.

Halloween: Die hässlichsten Kürbisse der Welt

Halloween

Die hässlichsten Kürbisse der Welt

Blaue, rosafarbene, weiße mit roten Venen – Familie Ackerman aus Illinois baut richtig hässliche Kürbisse an. Warum? Weil Amerikaner vor Halloween nicht genug von ihnen bekommen können. Denn je hässlicher, desto besser.

Hatte Loock in den 90er-Jahren noch mühsam versucht Münchner Partymacher für Halloween zu begeistern, kennt heute jeder das Fest, erzählt die Bäuerin: „Heute kommen Kunden aus allen Bereichen zum Hof und decken sich mit Kürbissen ein. Um sie zu essen, zu dekorieren und um welche zu schnitzen.“ Zudem beliefert Loock verschiedenste Locations in München und im Umland mit ihren Kürbissen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr knapp 70.000 Tonnen Kürbisse verkauft, etwa ein Fünftel mehr als im Jahr 2013. Im Oktober gehen erfahrungsgemäß rund 40 Prozent des deutschen Gesamtabsatzes über die Ladentheke. Doch nicht nur mit Kürbissen lässt sich Geld verdienen.

„Viele Deutsche lieben den wohligen Schauer und bescheren dem Einzelhandel Zusatzumsätze vor dem Start des Weihnachtsgeschäfts im November“, sagt Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Vor allem im Spielwarenhandel habe Halloween einen festen Platz in der Herbstsaison, so Hertel: „Daneben machen aber auch die Lebensmittelhändler sowie die Händler mit Dekorationsware gute Geschäfte.“

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