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19.01.2011

12:35 Uhr

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften

Die unheimliche Macht der großen Bilanzprüfer

VonDieter Fockenbrock

ExklusivSie arbeiten weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, aber ihre Macht ist riesig: Die vier großen Wirtschaftsprüfer kontrollieren die Bilanzen von fast allen wichtigen Aktiengesellschaften in Deutschland - und verschaffen sich damit Zugang zu weiteren lukrativen Beraterverträgen. Brüssel will diese Dominanz nun brechen.

Bürogebäude von Deloitte: Dax-Mandate bringen den Prüfungsgesellschaften neben Millionen auch Renommee. Quelle: PR - Hans Georg Esch

Bürogebäude von Deloitte: Dax-Mandate bringen den Prüfungsgesellschaften neben Millionen auch Renommee.

DÜSSELDORF. Die Konzentration unter Wirtschaftsprüfern hat in Deutschland dramatische Ausmaße angenommen. Die "Big Four" - Deloitte, Ernst&Young, KPMG und Pricewaterhouse Coopers - teilen sich mittlerweile 83 Prozent des Geschäfts mit den 160 großen Aktiengesellschaften und setzen hierzulande 4,4 Milliarden Euro um. Das ergab der Handelsblatt-Firmencheck, eine Analyse der 160 führenden deutschen Aktiengesellschaften in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung und der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Noch vor wenigen Jahren lag der Anteil der "Big Four" erst bei 67 Prozent.

Im Geschäft mit den Konzernen sind zweistellige Millionenhonorare die Regel. Der Energiekonzern Eon zahlte zuletzt 64 Millionen Euro an PwC, davon 30 Millionen Euro für die Abschlussprüfung. KPMG stellte der Deutschen Bank 56 Millionen in Rechnung. Siemens hatte wegen der Aufarbeitung des Bestechungsskandals vor drei Jahren die Rekordabrechnung über 87 Millionen Euro von KPMG auf dem Tisch. Inzwischen prüft Ernst & Young für 47 Millionen Euro in München.

Den Prüfern bringen die Dax-Mandate nicht nur Millionen, sondern auch Renommee. Sie gelten als Tor zu weiteren Berateraufträgen.

Diese Dominanz der großen Prüfer hat jetzt auch die Europäische Union auf den Plan gerufen. EU-Kommissar Michel Barnier hält KPMG, Pricewaterhouse Coopers (PwC) Ernst & Young (E&Y) und Deloitte für "systemrelevant". Die vier globalen Branchenführer prüfen alle Unternehmensbilanzen von Rang und Namen. Die EU-Kommission geht europaweit von 70 Prozent Marktanteil der großen vier aus. "Da brauchen wir keine Deregulierung. Wir brauchen mehr Regeln", so Barnier. Allein in Deutschland streichen die "Big Four" jährlich 4,4 Milliarden Euro Honorar ein - bei einem relevanten Marktvolumen von 5,9 Milliarden Euro.

Kommentare (9)

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@ Die unheimliche Ohnmacht der großen Bilanzprüfer

19.01.2011, 13:47 Uhr

Jaja die Story kenne ich schon, dass sind die mit Heiligenschein und alle anderen sind die Verbrecher! Gähnnnn, kein besser Witz parat?

Einanderer

19.01.2011, 14:36 Uhr

immer dasselbe: jene welche kontrolliert werden sollen, wählen ihre Kontrolleure selber aus und bezahlen sie auch. Ob das irgend einen Einfluss auf das Ergebnis hat? Neiiiin, niiiiiemals, wieso sollte es auch?

Herr Sowieso

19.01.2011, 15:30 Uhr

Möchte mal wissen wie die kleineren WP-Gesellschaften die Qualität bei der Prüfung von Großkonzernen erhöhen sollten; die bilanzierung wird immer komplizierter und ohne Einschaltung von Spezialisten läuft auf keiner solchen Prüfung mehr etwas. Und die Ressourcen für solche Spezialisten haben nunmal nur die big 4.
Ausserdem frage ich mich auch wie durch die zusätzliche Einschaltung von kleineren WPs mehr gesehen werden soll. Es werden höchstens mehr Fragen gestellt weil das Spezialistenwissen gerade nicht vorhanden ist und es an Verständnis mangelt. bzw. kritische Punkte werden übersehen, weil die falschen Fragen gestellt werden. Was hat das mit Qualität zu tun??

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