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07.01.2011

12:22 Uhr

Wohnungskonzerne

Colonia Real Estate wehrt sich gegen TAG

VonRainer Reichel

TAG-Chef Rolf Elgeti will mit der Übernahme der Mehrheit an der Colonia Real Estate einen neuen Wohnungskonzern formen. Der Colonia-Chef Rind wehrt sich nur zaghaft gegen die TAG: Er beurteilt die Pläne positiv. Ein Abwehrkampf klingt anders.

TAG-Chef Elgeti: "Wir werden unser Angebot für die Colonia Real Estate nicht erhöhen." Quelle: Thomas Luther

TAG-Chef Elgeti: "Wir werden unser Angebot für die Colonia Real Estate nicht erhöhen."

DÜSSELDORF. Die Hamburger Gewerbe- und Wohnimmobiliengruppe TAG will die Wohnungsgesellschaft Colonia Real Estate (CRE) in Köln übernehmen. Wer nun so etwas wie ACS gegen Hochtief im Kleinen erwartet, wird enttäuscht werden. Während sich der Essener Baukonzern gegen eine feindliche Übernahme wehrt, wird der Versuch der TAG, die Mehrheit bei Colonia zu bekommen, von den Branchenbeobachtern nach wie vor als "freundlich" bezeichnet. Allenfalls den gebotenen Preis werten Aktienanalysten als "unfreundlich". "Ich erwarte, dass die TAG ihr Übernahmeangebot nachbessern wird", sagt Hasim Sengül, Immobilienaktienexperte der DZ Bank.

5,55 Euro hat TAG-Chef Rolf Elgeti ins Übernahmeangebot geschrieben, womit die TAG bereits 30 Prozent der Anteile in ihren Besitz gebracht hat. Für Colonia-Chef Stephan Rind zu wenig. Vorstand und Aufsichtsrat weisen das Angebot als "nicht angemessen" zurück. Unterstützung bekommt Rind durch die ersten Analystenaussagen in diesem Jahr. Sengül nennt 6,10 Euro als Kursziel, Berenberg-Analyst Kai Klose 7,10 Euro.

Dabei hatte die TAG damit bereits ein gutes Viertel auf den umsatzgewichteten Durchschnittskurs der drei Monate vor dem Angebot drauflegt. Weniger als diesen Durchschnittskurs hätte sie nicht bieten dürfen. Elgeti kontert: "Wir werden unser Angebot nicht erhöhen."

Wohl Geplänkel. Beide müssen so etwas sagen. Wenn Elgeti zu früh mehr bietet, wird es teurer. Und je weiter der Übernahmekurs unter dem Nettovermögenswert (Vermögen minus Schulden) von 9,35 Euro bleibt, desto schlechter fällt die Bilanz für Rind aus, der seit 2003 bei Colonia das Sagen hat.

Vieles deutet darauf hin, dass Elgeti die Mehrheitsübernahme gelingt - vielleicht nicht im ersten Anlauf. Das aktuelle Übernahmeangebot läuft bis zum 18. Januar. Wenn es so kommt, hat der nüchterne Analyst Elgeti gegen den optimistischen Macher Rind gewonnen.

Doch wer wird hinterher das Sagen haben? Elgeti, früher selbst Kapitalmarktstratege, wird ein gutes Gefühl für Märkte nachgesagt, und dass er es versteht, Investmentchancen aggressiv zu nutzen. Analysten wie etwa Torsten Klingner von SES gehen davon aus, dass es nur einen Chef geben wird, der dann wohl Elgeti heißen würde. "Was für Colonia-Chef Stefan Rind neben dem Tagesgeschäft jetzt noch zu tun ist, ist einen guten Preis für seine Aktionäre herauszuholen", sagt Klingner. Die TAG verweist jedoch auf ihre Angebotsunterlagen. Denenzufolge soll die CRE weiterhin börsennotiert sein und das Management, neben Rind Finanzvorstand Volker Lemke, im Amt bleiben.

Ohnehin haben die Beobachter nicht den Eindruck, dass sich Rind mit Macht gegen die TAG wehrt. Mitte Oktober nahm er "mit Interesse zur Kenntnis", dass die Hamburger 24 Prozent übernehmen werden. Und auch jetzt sind er und der Aufsichtsrat "der Auffassung, dass die beabsichtigte Zusammenführung einzelner Geschäftsaktivitäten grundsätzlich positiv zu beurteilen ist und Potenzial für die Einsparung von Kosten aufweisen könnte". Abwehrkampf klingt anders.

Auch Rind weiß letztendlich, dass beide Gesellschaften zu klein sind, um international eine Rolle zu spielen. Gemeinsam würden beide 26 000 Wohnungen verwalten und wären auch dann noch weit weg von den börsennotierten Branchengrößen Gagfah mit 159 000 Wohnungen und Deutsche Wohnen, die fast 50 000 Einheiten im Bestand hat. "Größe ist wichtig, um die Kosten je verwaltete Einheit zu senken", sagt Klingner, worum es letztendlich geht.

Deswegen begrüßen Immobilienaktienprofis das Zusammengehen der beiden Gesellschaften ohnehin. Mehr als 60 börsennotierte Immobilienaktiengesellschaften gibt es in Deutschland. Sie sind weit überwiegend zu klein, um internationale Großinvestoren anzuziehen. In den MDax haben es nur Deutsche Euroshop, Gagfah, IVG und Deutsche Wohnen geschafft. CRE und TAG sind zwei von fünf SDax-Titeln.

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