Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.07.2014

12:06 Uhr

Wut in Zweibrücken

Flughafen-Insolvenz löst Anti-EU-Proteste aus

Nach einem Tauziehen um Subventionen hat der Flughafen Zweibrücken in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Jetzt demonstrierten 600 Menschen gegen die Schließung. Sie sind sauer – auf die EU und die Landespolitik.

Demonstration am Montag in Zweibrücken: „Almunia ist piepegal, was hier passiert“. dpa

Demonstration am Montag in Zweibrücken: „Almunia ist piepegal, was hier passiert“.

Düsseldorf/ZweibrückenIm rheinland-pfälzischen Zweibrücken regieren Wut und Enttäuschung. Nachdem der Flughafen am Donnerstag den Insolvenzantrag stellte, haben am Montag rund 600 Menschen gegen die drohende Schließung demonstriert. Mitglieder der rot-grünen Landesregierung wurden ausgepfiffen, noch unbeliebter ist nur die EU.

„EU = Unser Ende“ steht auf einem Plakat, „Brüsseler Betrug macht Zweibrücker zu EUnuchen“ auf einem anderen, wie die „Rhein-Zeitung“ berichtet. Die EU-Kommission hatte am Mittwoch den Plan des Landes abgelehnt, dem Airport eine neuerliche Finanzspritze geben zu dürfen. Damit hätte er etwas länger durchhalten können. Im Jahr 2012 hatte der Flughafen 4,6 Millionen Euro Verlust gemacht, im vergangenen Jahr fiel das Minus nach eigenen Angaben geringer aus.

Nun muss der verschuldete Flughafen staatliche Beihilfen in Höhe von bis zu 56 Millionen Euro zurückzahlen, wozu er nicht in der Lage ist. Neue EU-Leitlinien verbieten zudem Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen. In diesem Wettstreit hat Zweibrücken offenbar gegen den rund 30 Kilometer entfernten Flughafen Saarbrücken verloren. Er muss keine Beihilfen zurückerstatten.

Flughäfen Halbjahresbilanz: Die Gewinner und Verlierer

Gewinner – Platz 5

Leipzig/Halle
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 997.135
Zuwachs: + 4,5 Prozent

Platz 4

Friedrichshafen
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 255.956
Zuwachs: + 5,3 Prozent

Platz 3

Berlin-Tegel
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 9,75 Millionen
Zuwachs: + 5,8 Prozent

Platz 1

Hamburg
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 6,81 Millionen
Zuwachs: + 7,2 Prozent

Platz 1

Berlin-Schönefeld
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 3,41 Millionen
Zuwachs: + 7,2 Prozent

Verlierer – Platz 5

Hahn
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 1,11 Millionen
Verlust: - 7,6 Prozent

Platz 4

Saarbrücken
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 182.537
Verlust: - 9,1 Prozent

Platz 3

Paderborn/Lippstadt
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 318.287
Verlust: - 9,5 Prozent

Platz 2

Nürnberg
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 1,45 Millionen
Verlust: - 10,6 Prozent

Platz 1

Weeze
Passagiere Jan.-Jun. 2014: 814.946
Verlust: - 26,1 Prozent

Quelle: ADV

Der rheinland-pfälzische Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) sagte am Montag, er verstehe den Groll der Menschen in Zweibrücken. „Die Landesregierung hat für den Flughafen gekämpft, aber nicht gewonnen. Das ist bitter.“ Die Lokalpolitiker wurden am Montag deutlicher.

Der Oberbürgermeister der Stadt sagte laut „Rhein-Zeitung“: „Der Flughafen Zweibrücken hat die längere Landebahn, die bessere Infrastruktur, und die Flughafengesellschaft braucht weniger Subventionen als Saarbrücken“, so Kurt Pirmann (SPD). Trotzdem treffe es Zweibrücken. „Almunia ist piepegal, was hier passiert“, kritisierte Pirmann den EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Jürgen Gundacker (SPD), der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, zeterte: „Wie kann ein EU-Kommissar entscheiden, ohne überhaupt vor Ort gewesen zu sein?“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte am Freitag versichert, den Mitarbeitern bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zu helfen. Zweibrücken solle als Fluglandeplatz erhalten bleiben. Der Landesregierung wird vorgeworfen, sich nicht genug für den Standort eingesetzt und stattdessen den Fokus auf den Flughafen Hahn gelegt zu haben.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Dipl. Ing.

29.07.2014, 12:21 Uhr

Realistisch: Zwei Flughäfen in nur 30 km Entfernung ist Unsinn! Da liegen manche Eisenbahnhaltestellen weiter auseinander!

Herr Woldemar von Stechlin

29.07.2014, 12:43 Uhr

Die EU ist zwar ein demokratisch nicht legitimierter Umverteilungsmoloch, aber hier hat sie recht.

Es dürfen nicht weiter Steuergelder in unsinnigen Provinzflughäfen versenkt werden.

Herr Chris Hettix

29.07.2014, 12:45 Uhr

Können deutsche Arbeitnehmer so dumm sein? Warum wird gegen die EU skandiert? Der Flughafen rechnet sich nicht! Die Mitarbeiter sollten lieber gegen ihren ehemaligen "Versager"-Miisterprädidenten Beck skandieren- dieser unfähige Politiker hat ein Mega-Projekt nach dem anderen in den Sand gesetzt. Und wird nicht zur Verantwortung gezogen. Skandal!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×