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07.04.2006

14:00 Uhr

Yamato

Die quirligen Postpartner aus Japan

VonNicole Bastian

Yamato Transport macht nicht nur mit Gerichtsklagen gegen Japan Post von sich Reden. Die Lastwagen mit schwarzer Katze auf gelbem Grund sind fester Teil des japanischen Straßenbilds. Weit mehr als eine Milliarde Pakete liefert Yamato jährlich aus.

TOKIO. Nach den schärfsten Kritikern und Konkurrenten der japanischen Post muss man im Land des Lächelns nicht lange suchen: Yamato Transport macht nicht nur mit Gerichtsklagen gegen Japan Post von sich Reden. Die Lastwagen mit schwarzer Katze auf gelbem Grund sind fester Teil des japanischen Straßenbilds. Weit mehr als eine Milliarde Pakete liefert Yamato jährlich aus – rund fünf mal so viel wie die noch in Staatsbesitz befindliche Japan Post.

Und so wie vor dreißig Jahren, als Yamato den Paketdienst für Konsumenten startete, will das 7,7 Mrd. Umsatz starke Unternehmen heute mit Direktmarketing Pionier in Japan sein - und für das wachsende Briefgeschäft lernen. Noch liegt der riesige Adressbestand Yamatos allerdings ungenutzt herum. Um diesen Schatz zu heben, haben sich die Japaner die Deutsche Post ins Boot geholt; Yamato Dialog & Media für Direktmarketing-Dienste nennt sich das gestern eingeweihte Joint Venture.

Künftig will das Joint Venture den Adressbestand sortieren und filtern und etwa in- und ausländischen Unternehmen die interessenspezifische Verteilung ihrer Direktwerbung verkaufen. Er hoffe, dass durch solche gezielten Dienstleistungen der Markt für Direktmarketing noch stärker wachse, sagt Koji Ogura, Präsident von Yamato Transport und Nachkomme des Firmengründers dem Handelsblatt. Schon heute macht Direktmarketing in Japan 5,7 Prozent der gesamten Werbeausgaben aus und könnte bald das Zeitschriftensegment überrunden.

So wie die der Deutschen Post, die sich ähnliche Einstiege über Direktmarketing auch in Indien und China vorstellen kann, ist auch Yamatos Zielsetzung klar. „Wir wollen Know-how im Direktmarketing. Da kam für uns kein anderer Partner als die Deutsche Post in Frage“, betont Ogura.

Wenn dem auf Privatisierungskurs gleitenden Riesen Japan Post jemand Paroli bieten kann, dann die quirligen Verteiler von Yamato, sind sich Branchenkenner einig. Und deshalb ist der Deutschen Post ihr neues Joint Venture so wichtig. 100 Mill. Euro Umsatzziel in fünf Jahren, 49 Prozent Anteil – „wir halten uns uncharakteristisch ziemlich bedeckt“, gesteht Klaus Knappick, Vorstandschef des Bereichs Brief International der Deutschen Post zu. Post ist auch in Japan ein sensibles Thema. Wichtig sei, dass man nun mit dem aussichtsreichsten Konkurrenten der Japan Post verbandelt sei und einen Fuß im rund 13 Mrd. Euro Umsatz starken zweitgrößten Briefmarkt der Welt habe.

Japan macht rund die Hälfte des asiatischen Briefaufkommens aus – und wird wohl als erster Briefmarkt in Asien vollständig liberalisiert. Details über Zeitpunkt und Fahrplan für das Ende des Briefmonopols stehen aber noch nicht fest. Derzeit sind rund zwei Drittel des Briefmarktes noch der Japan Post vorbehalten. Mit fast 25 Millionen Sendungen insgesamt dominiert Japan Post klar. Yamato, seit zehn Jahren im Briefgeschäft, ist mit 1,4 Millionen Nummer zwei.

Yamato wolle die Zusammenarbeit mit der Deutschen Post vertiefen, meint Ogura. Die Hoffnungen der Deutschen reichen dabei weit. Yamato wäre gut beraten, mit einem Partner in die bisher regulierten Bereiche des Briefgeschäfts einzusteigen, wenn der Markt freigegeben werde, sagt Hans-Dieter Petram, Vorstand von Deutsche Post World Net. Selbst eine Kapitalverflechtung hält er langfristig für denkbar. Doch Yamato ist vorsichtig. „Die Zustellung im Inland ist unser Kerngeschäft. Das werden wir auch künftig allein machen“ sagt Ogura. „Einzelwissen aus dem Briefgeschäft der Deutschen Post können wir aber sicher gut gebrauchen.“

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