Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2015

15:17 Uhr

Yves Saint Laurent gegen Modekette

H&M verliert den Handtaschen-Krieg

VonGeorg Weishaupt

Textilhändler H&M zieht im juristischen Streit mit Yves Saint Laurent den Kürzeren: Die Nobelmarke darf ihre berühmten Handtaschen weiterhin vor Nachahmern schützen. Bei der Entscheidung kam es auf Feinheiten an.

Beim Thema Handtaschen hört in der Modebranche der Spaß auf. So lieferten sich jetzt Yves Saint Laurent und H&M ein hitziges Gefecht. Imago

Handtasche von Yves Saint Laurent

Beim Thema Handtaschen hört in der Modebranche der Spaß auf. So lieferten sich jetzt Yves Saint Laurent und H&M ein hitziges Gefecht.

DüsseldorfHandtaschen gehören bekanntlich zu den wichtigsten Accessoires einer Frau. Entsprechend ist das Angebot in den Läden riesig. Deshalb hat jeder Modekonzern, ob aus dem Luxus- oder dem Billigsegment, Dutzende Handtaschen-Varianten im Angebot. Bei dieser Fülle ist es oft schwierig, sich von den Konkurrenten zu unterscheiden. Und umso größer ist der Kampf um Formen und Gestaltung.

Der schwedische Textilfilialist H&M bekommt gerade die Härte der Auseinandersetzung zu spüren. Der Europäische Gerichtshof EUGH hat jetzt eine Klage von H&M gegen die französische Luxusmarke Yves Saint Laurent abgewiesen. Das renommierte französische Modeunternehmen hatte sich 2006 zwei bauchige Handtaschen-Typen beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (HABM) gesetzlich schützen lassen, also einen sogenannten Geschmacksmusterschutz eintragen lassen.

Das gefiel dem Billiganbieter H&M jedoch nicht. Er führte an, dass die geschützten Taschen keine Eigenart, also nicht wirklich Eigenständiges aufzuweisen haben. Merke: Bei Taschen sind Eigenarten - anders als bei Menschen - etwas Gutes. Denn die Schweden hatten bereits Jahre zuvor Taschen schützen lassen, die aus ihrer Sicht ähnlich sind wie die des berühmten Hauses Yves Saint Laurent. Da der schwedische Konzern mit zwei Beschwerden beim Harmonisierungsamt in der Vergangenheit nicht durchkam, rief er den EUGH an. Doch der weist die Klagen von H&M jetzt ab.

Denn, was H&M zwischen den eigenen Handtaschen und denen von Yves Saint Laurent für gleich hält, kann der EUGH nicht nachvollziehen. Die Taschen von Yves Saint Laurent unterscheiden sich nach Auffassung des Gerichts durch die „Form, ihre Struktur und ihre Oberflächengestaltung“ von den Taschen der schwedischen Billigkonkurrenz. Beim Handtaschenstreit kommt es dann eben auch auf Feinheiten an. So ist zum Beispiel das gute Stück von H&M durch Nähte in drei Teile geteilt, während die Tasche aus Frankreich aus einem einzigen Stück Leder gefertigt wird. Und die Tasche von YSL lässt sich nur in der Hand tragen, die von H&M aber über die Schulter.

Solche Unterscheidungsmerkmale muss man keiner Kundin der beiden Marken erklären. Aber offensichtlich haben die Manager von H&M dieses nicht unwichtige Detail übersehen und dann den Streit begonnen, der sich jahrelang hinzog. Die schwedische H&M-Zentrale wollte sich zu dem Rechtsstreit nicht äußern.

Aber auch Hersteller, die ihre Produkte nicht als eingetragenes Design schützen lassen, sind Nachahmern nicht schutzlos ausgeliefert. Darauf weist Georges Brox hin. Der Markenrechtler und Experte für Designrecht und Luxusgüter im Hamburger Büro der Kanzlei FPS verweist darauf, dass die „bekannten Handtaschen Kelly und Birkin vom Luxuskonzern Hermès nach der Rechtsprechung der deutschen Gerichte grundsätzlich auch nach dem Wettbewerbsrecht gegen identische Kopien geschützt“ ist.

Ein solcher Schutz sei, so Brox, aber in der Praxis häufig nicht so leicht zu beweisen. „Es ist daher regelmäßig zu empfehlen, Produkte zusätzlich als eingetragenes Design zu schützen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×