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12.02.2015

12:37 Uhr

Zalando

Ein Schuhhändler wird erwachsen

Wie erwartet hat der Internet-Modehändler Zalando erstmals einen Jahresgewinn erzielt – zumindest operativ. Auch künftig werde man eher auf langfristige Investitionen als auf die kurzfristige Erhöhung der Marge setzen.

Zalando-Paket: Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen beim Umsatz mit einem Anstieg von 20 bis 25 Prozent. dpa

Zalando-Paket: Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen beim Umsatz mit einem Anstieg von 20 bis 25 Prozent.

DüsseldorfZeitenwende beim Online-Modehändler Zalando: Sechs Jahre nach seiner Firmengründung hat der Börsenneuling erstmals schwarze Zahlen geschrieben. „Wir haben damit bewiesen, dass wir mit unserem Geschäftsmodell Geld verdienen können“, sagte Vorstand Rubin Ritter am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

Er betonte aber, dass nicht die Steigerung der Rendite in den kommenden Jahren im Fokus stände, sondern die weitere Expansion. „Wir wollen in Technologien und Produkte investieren, um neue Kunden zu gewinnen“, erläuterte der Manager. Daher werde die Marge im Geschäftsjahr 2015 voraussichtlich sinken.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Gemäß dem Werbeslogan „Schrei vor Glück“, mit dem die Firma seinerzeit als Schuh-Onlinehändler bekannt wurde, jubilierten auch die Anleger. Die im SDax notierten Aktien schnellten in der Spitze um 15 Prozent auf 26,10 Euro. Damit wird das Berliner Jungunternehmen mit 5,5 Milliarden Euro bewertet. „Die Zahlen haben die Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen. Das dürfte den Kritikern des Geschäftsmodells den Wind aus den Segeln nehmen“, kommentierte ein Händler.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Zweifel gegeben, dass der Onlinehändler mit seinen kostenlosen Lieferungen und Rücksendungen die Ertragswende schafft. Vor allem die 50-prozentige Retourenquote gilt als Renditekiller.

Kommentare (2)

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Herr Manfred Carter

12.02.2015, 08:51 Uhr

So, so: "Vor Zinsen, Steuern und Sonderfaktoren" habe man Gewinn gemacht. Liebe Wirtschaftsredakteure: Vor Zinsen und vor "Sonderfaktoren" machen auch Pleite-unternehmen Gewinn., kommt darauf an, wie kreativ man "Sonderfaktoren" ausweist. Handels- und steuerrechtlich dürfte Zarlando mit seinem Geschäftsmodell wohl nie Gewinn machen.

Herr wulff baer

12.02.2015, 09:04 Uhr

Das ist so ähnlich wie bei den Griechen.
Erstmal klotzig Kohle heranscheffeln und dann steigende Gewinne und Kapitalverzinsung der Aktionäre auf die lange Bank schieben.
Ich hätte da nicht investiert.

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