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17.12.2013

06:25 Uhr

Zalando-Manager im Interview

„Wir sind nicht perfekt“

VonKirsten Ludowig

Online-Händler stehen unter Druck: Die Öffentlichkeit beäugt die Arbeitsbedingungen in den Zentrallagern und bei Zustellern kritisch. Im Interview sprechen die Zalando-Chefs für Personal und Logistik über die Vorwürfe.

Mitarbeiter im Zalando-Logistikzentrum in Erfurt: 120.000 Quadratmeter für Schuhe und Mode. dpa

Mitarbeiter im Zalando-Logistikzentrum in Erfurt: 120.000 Quadratmeter für Schuhe und Mode.

Seit 2012 sorgt das Online-Kaufhaus Zalando immer wieder für Schlagzeilen wegen niedriger Löhne und schlechter Arbeitsbedingungen in seinen Logistikzentren. Jetzt sprechen Personalchefin Frauke von Polier und Logistik-Chef David Schröder über die Vorwürfe.

Frau von Polier, Herr Schröder, eineinhalb Jahre nach den ersten Vorwürfen, Sie würden Ihre Mitarbeiter ausbeuten, wollen Sie erstmals ausführlich Stellung beziehen. Ist das nicht ein bisschen spät?

Schröder: Sich so lange bedeckt zu halten war eine natürliche Reaktion – wenn auch nicht die beste. Als die ersten kritischen Berichte kamen, sind wir nicht öffentlich in die Offensive gegangen. Das war falsch. Wir werden immer größer, es gibt ein berechtigtes Interesse an Zalando. Deshalb wollen wir offener werden; aber auch, weil wir nichts zu verstecken haben.

David Schröder ist Zalando-Logistikchef und Frauke von Polier Personalchefin des Online-Kaufhauses. PR

David Schröder ist Zalando-Logistikchef und Frauke von Polier Personalchefin des Online-Kaufhauses.

Im Juli 2012 hat das ZDF über miserable Arbeitsbedingungen in einem Logistikzentrum von Zalando und sieben Euro Stundenlohn für Leiharbeiter berichtet. Was hat sich seither getan?

Schröder: Wir setzen weniger auf Dienstleister, betreiben inzwischen die Standorte Brieselang, Erfurt und Mönchengladbach selbst. Fast 80 Prozent der Logistik liegen direkt bei uns. Aber es reicht nicht, nur Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Das haben wir lange geglaubt, und das war sicher naiv. Deswegen haben wir mit jedem Dienstleister vertraglich Sozialstandards vereinbart, deren Einhaltung die Dekra vierteljährlich unangekündigt überprüft.

von Polier: Außerdem gilt bei uns: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Bei Zalando wird kein Mitarbeiter – ob Festangestellter oder Zeitarbeiter – anders bezahlt.

Aber mit 8,79 Euro die Stunde bekommen die Mitarbeiter in den Versandlagern von Zalando deutlich weniger als die von Amazon.

von Polier: Damit liegen wir immer noch über dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Mindestlohn von 8,50 Euro. Und: Wir haben die Löhne seit 2011 um 17 Prozent erhöht. Dass mehr Geld immer besser ist, ist uns natürlich auch klar.

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


Und die Dienstleister, zahlen die auch 8,79 Euro die Stunde?

Schröder: Es gibt schon noch Unterschiede zwischen dem Gehalt in den eigenen Zalando-Standorten und in denen der Dienstleister.

Also doch weniger?

Schröder: Ja, auch weniger. Wir können zwar Sozialstandards festlegen, aber den Dienstleistern nicht vorschreiben, was sie zahlen sollen. Dann müssten wir tatsächlich alles in Eigenregie machen.

Und das wollen Sie nicht?

von Polier: Nein. Es wird immer eine Zusammenarbeit mit Transportdienstleistern wie DHL geben. Wir sind weder in der Lage noch haben wir vor, einen deutschlandweiten Lieferdienst aufzubauen. Im Gegensatz zu den Logistikzentren.

Kommentare (8)

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gamoschka

17.12.2013, 08:23 Uhr

Ist da ein Interview oder eine bezahlte Werbestrecke?

BeavCoc

17.12.2013, 10:55 Uhr

Wo ist das denn Werbung? Dass einer mal öffentlich drauf hinweist wie SCHLECHT Zalando eigentlich ist (und zwar in allen Bereichen)wird höchste Zeit. Die einfachsten Serviceleistungen rund um Warenrücknahmen etc. kriegen die nicht auf die Kette, teilweise verkaufen die da Schuhe für 19 Euro. wie will dieses Unternehmen jemals Gewinne erzielen. Der Umsatz und der Bekanntheitsgrad sind enorm aber der Laden MUSS irgendwann insolvent gehen. Jeder Einzelhändler wäre nach einem Jahr durch.

Account gelöscht!

17.12.2013, 11:31 Uhr

Zalando muss nicht wirklich viel Gewinn machen da der Umsatz noch weiter ansteigt und es weiterhin Investoren geben wird die das Kapital auftocken werden.

Nur die Frage ist dann halt was passiert wenn die auch eine gute Dividende haben wollen?

Und ist es bei diesen Kampfpreisen überhaupt noch möglich die Angestellten besser zu entlohnen?

Im Endeffekt wird die gleiche Strategie gefahren wie bei Amazon maximales Wachstum und volles Risiko ohne das wirklich Rücklagen gebildet werden können.

Es ist gefährlich und wenn wir immer von sozialer Verantwortung reden mehr als fraglich. Es wäre schon sinnvoll zeitweise auf die Bremse zu tretten und etwas Rücklagen auflaufen zulassen anstatt sich ständig neues Kapital zubesorgen.
Den das sorgt auch immer dafür das man die Zügel aus den Händen gibt.

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