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10.11.2016

12:50 Uhr

Zalando

Wie lange geht die Erfolgsstory noch weiter?

VonMiriam Schröder

Zalando wächst – aber wie lange noch? Der Onlinehändler machte mehr Gewinn als von Analysten erwartet. Kritiker hegen dennoch Zweifel, ob die Erfolgsstory noch lange so weitergeht – vor allem mit Amazon als Konkurrenten.

„Natürlich hat Amazon eine größere Kundenbasis und ja, sie wollen auch Mode verkaufen“, sagt Zalando-Finanzchef Rubin Ritter. dpa

Zalando und die Konkurrenz

„Natürlich hat Amazon eine größere Kundenbasis und ja, sie wollen auch Mode verkaufen“, sagt Zalando-Finanzchef Rubin Ritter.

BerlinEs gab eine Zeit, gerade mal acht Jahre ist das her, da hat kaum ein Mensch geglaubt, dass die Menschen ihre Klamotten im Internet kaufen würden, ohne Spiegel und Umkleidekabine. Tja, sie tun es. Zalando, das Start-up, das damals von den alteingesessenen Modehändlern so belächelt wurde, ist heute ein MDax-Konzern – mit über 11.000 Mitarbeitern und knapp 20 Millionen aktiven Kunden.

Und ein Ende des Wachstums ist vorerst nicht in Sicht. Im dritten Quartal stieg der Umsatz erneut um 17 Prozent auf knapp 835 Millionen Euro. Auch der Gewinn stieg deutlich. In der Bilanz des dritten Quartals 2016 steht ein positives Ebit von 12,7 Millionen Euro – nach einem Verlust von 27,8 Millionen im Vorjahr. Erst kürzlich hat der Konzern die die Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben.

Kritiker haben dennoch Zweifel, ob die Erfolgsstory noch lange so weitergehen kann. UBS-Analyst Adam Cochrane etwa warnte seine Kunden kürzlich vor der wachsenden Konkurrenz durch Amazon. Tatsächlich investiert der wesentlich größere US-Konzern mehr und mehr in den Verkauf von Klamotten, seit diesem Jahr gibt es sogar eigene Amazon-Modemarken.

Um die angestrebten Wachstumsraten von rund 25 Prozent im Jahr aufrechterhalten zu können, müsse Zalando deutlich mehr Geld ins Marketing stecken, als bisher, befürchtet der Experte. Das wiederum würde den Gewinn schmälern. Diese Risiken seien am Markt noch nicht berücksichtigt. Cochrane stufte die Aktie um gleich zwei Stufen von „Buy“ auf „Sell“ herab.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Zalando-Finanzchef Rubin Ritter gibt sich gelassen. „Natürlich hat Amazon eine größere Kundenbasis und ja, sie wollen auch Mode verkaufen“, sagte er im Rahmen einer Telefonkonferenz zur Vorstellung der Quartalszahlen. Die Kundengruppe, die Zalando adressiere, sei aber eine vollkommen andere. „Bei Amazon kaufen die Leute, das was sie brauchen. Von Zalando wollen sie wissen, was gerade in Mode ist“, meint Ritter. Der Gesamtmarkt sei immer noch groß genug, damit alle weiter wachsen könnten, noch immer würden Kunden vom Offline- auf das Online-Shopping umsteigen.

Cochranes Punkt ist dennoch nicht ganz von der Hand zu weisen. Nahezu jeder Online-Händler kennt das Phänomen, das sie die „GAFA-Ökonomie“ nennen: Die Dominanz großer Plattformen wie Google, Amazon, Facebook und Apple. Es geht heute nicht mehr darum, die Kunden vom Vorteil des Internets zu überzeugen. Es geht darum, sie bei ihrem Eintritt in das Netz abzuholen und direkt auf die eigene Plattform zu locken, anstatt teure Anzeigen bei Google oder Facebook zu schalten oder einen Teil der Marge an die Shops von Amazon oder Apple abzugeben.

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