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22.07.2014

10:13 Uhr

Zeitpunkt der Flugbuchung

„Günstig nach Mallorca gibt's nicht mehr“

VonTobias Döring

Die Urlaubszeit hat begonnen. Doch noch sind nicht alle Flüge für die Sommerferien gebucht. Für wen es Sinn macht, sich beim Ticketkauf zu beeilen und wer auch später noch sparen kann.

Flug auf Knopfdruck? Ganz so einfach ist es mit der Buchung im Internet nicht – erst recht nicht, wenn der Flug möglichst günstig sein soll. Getty Images

Flug auf Knopfdruck? Ganz so einfach ist es mit der Buchung im Internet nicht – erst recht nicht, wenn der Flug möglichst günstig sein soll.

DüsseldorfSommergewitter haben nach dem hitzigen Wochenende weite Teile Deutschlands in die kühlere Realität zurückgeholt. Bei grauem Regenwetter planen viele Deutsche liebend gerne Urlaubsreisen – auch noch kurzfristig. Denn kommende Woche beginnen gleich in sieben Bundesländern die Ferien.

Der Süden lockt, die Ferne sowieso. Mit dem Flieger geht’s am schnellsten. Doch wer sollte jetzt schnell buchen? Wer sollte noch warten? Und wer hat den besten Zeitpunkt schon lange verpasst?

Theorien zur Flugbuchung gibt es viele. Die gängigste lautet in etwa so: „Je früher du buchst, desto günstiger ist es“. Doch das stimmt mitnichten, wie Analysen von Online-Suchmaschinen für Flugpreise zeigen. Wenn überhaupt, dann trifft die Theorie auf Billigflieger zu. „Low-Cost-Airlines bieten Monate vor dem Flug den günstigsten Preis“, sagt René Steinhaus. „Wenige Tage vorher wird es allerdings richtig teuer“, so der Luftfahrt-Experte von der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney.

Tipps für die Reisekasse

Die Mischung macht's

„Je länger und exotischer die Reise, desto sorgfältiger ausgewählt und gemischter sollte die Reisekasse sein“, sagt Uwe Döhler, Finanzexperte der Zeitschrift „Finanztest“. Bei einem Pauschalurlaub in Europa reiche die Bankkarte plus eventuell einer Kreditkarte. Bei Fernreisen seien versicherte Reiseschecks in Dollar eine gute Alternative. Der Deutsche Reiseverband (DRV) rät generell zu einer Mischung von Barmitteln, Karten und Reiseschecks.

Fernreisen

Eine Variante zu Bargeld und Bankkarten bieten noch immer Reiseschecks. „Für Touristenorte sind Schecks aber eigentlich nicht notwendig“, sagt die BdB-Sprecherin. Im außereuropäischen Ausland und bei längeren Fernreisen seien Schecks in Dollar dennoch eine sichere Alternative. Die Schecks werden an vielen Stellen wie Bargeld behandelt und können ansonsten gegen Unterschrift und Vorzeigen des Ausweises eingetauscht werden.

Ist die Kreditkarte besser als die EC-Karte?

„Sie wird in vielen Ländern häufiger akzeptiert“, sagt Döhler. Aus diesem Grund sei es gut, beides zur Auswahl zu haben. Auch sollte man beachten, dass das neue Bankkarten-System V-Pay des Kreditkartenunternehmens Visa Europe nach Informationen der Stiftung Warentest im außereuropäischen Ausland nicht und teilweise auch in Europa nicht überall akzeptiert wird.

Karte sperren

Sollte es allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz passieren, dass die Bank- oder Kreditkarte abhandenkommt, sollte die Karte schnellstmöglich gesperrt werden. Dazu kann die Bank direkt kontaktiert werden oder, wie der Deutsche Reiseverband empfiehlt, der Sperr-Notruf, der unter der Telefonnummer 0049 116 116 zu erreichen ist. Der BdB empfiehlt den SOS-Infopass, der eine Vielzahl möglicher Sperrnummern enthält und online verfügbar ist.

Limit am Automaten

Banken begrenzen vielfach aus Sicherheitsgründen für das Ausland das Abhebelimit. Bei vereinzelten Instituten, etwa der Deutschen Bank, ist das Limit außerhalb Europas sogar auf null gesetzt. Um nicht gleich zu Beginn des Urlaubs mit leeren Händen dazustehen, ist es ratsam, vor Reiseantritt bei der Bank anzurufen oder online zu überprüfen, wie hoch der Verfügungsrahmen angesetzt ist und ihn gegebenenfalls zu ändern. Bei der Deutschen Bank steht auf der Karte die 24-Stunden-Hotline, um die Karte mit sofortiger Wirkung freizuschalten.

Reiseschecks

Reiseschecks müssen vor Reiseantritt erworben werden und kosten bis zu zwei Prozent des Kaufwerts. Dafür sind sie über ihren vollen Wert versichert und werden bei Verlust meist innerhalb von 24 Stunden ersetzt. Auch hier sollten Verbraucher möglichst rasch nach Verlust eines Schecks das ausstellende Finanzinstitut anrufen. Wichtig: Vor der Reise müssen Kunden immer einmal auf dem Scheck unterschreiben. Die zweite Unterschrift erfolgt dann beim Tausch gegen Bargeld. Eine Alternative können Prepaid-Kreditkarten sein.

Sollte man Geld in Deutschland oder im jeweiligen Land umtauschen?

„Üblicherweise im Reiseland“, sagt Döhler. Auch hier empfiehlt der Ökonom, nicht das Bargeld zu tauschen, sondern Bargeld am Automaten abzuheben.

Vorsicht beim Geldabheben

Beim Abheben oder Zahlen mit der EC-Karte im Ausland gelten die gleichen Sicherheitshinweise wie in Deutschland. Am Geldautomaten sollte die PIN verdeckt eingegeben werde, damit niemand von der Seite oder von hinten die Geheimnummer ausspähen kann. Das Gleiche gilt beim Bezahlen beim Einzelhändler. „Vor allem sollte man sich seine PIN nirgends notieren“, sagt eine Sprecherin des BdB. Wenn der Kunde seine Pin leichtfertig verwendet, zahlt die Bank den entstandenen Schaden nicht. Die Beweislast kann dann beim Kunden liegen.

Was sollte man bei Reisen in Nicht-Euro-Länder beachten?

Der Urlauber sollte sich vor Reiseantritt über die aktuellen Wechselkurse informieren, die Bargeldverfügungsprovisionen seiner Bezahlkarten kennen und die Auslandseinsatzprovision. Darüber hinaus ist es nach Einschätzung des „Finanztest“-Experten auch hier ratsam, den Großteil der Reisekasse erst vor Ort abzuheben.

Welche Währungen kann man in Deutschland nicht tauschen?

Bei exotischen Währungen müsse man davon ausgehen, dass die Bank das Bargeld erst bestellen muss, sagt eine Sprecherin des Bankenverbands. Der „Finanztest“-Experte Döhler nennt die Reisebank als gute Anlaufstelle für exotische Währungen.

Wie viel Bargeld sollte in der Reisekasse vorhanden sein?

Der DRV empfiehlt, nur eine überschaubare Menge Bargeld mit sich zu führen. Da Bares nicht versichert wird, gilt: „Was weg ist, ist weg.“ Der Bundesverband deutscher Banken nennt als Richtlinie, maximal ein Drittel des Budgets in bar mitzunehmen. „Nur soviel, dass es für den ersten Tag reicht“, sagt Döhler. Dabei sei zu beachten, dass bei Fremdwährungen der Tausch in Deutschland oft teurer ist als das Abheben im Ausland.

Wo gibt es beim Zahlen im Ausland versteckte Kosten?

Manche Händler nehmen nach Aussage des „Finanztest“-Experten einen Preisaufschlag, wenn man mit der Karte bezahlen will. Am Geldautomaten kostet es die Abhebegebühr der eigenen Bank, manchmal ist noch ein Aufschlag für das Institut fällig, das den Automaten betreibt. Dies muss aber vor dem Abheben angekündigt werden. Wem das zu teuer ist, kann einen anderen Automaten suchen.

Wer jetzt zum Beispiel auf der Suche nach einem Flug nach Mallorca in einer Woche ist, der zahlt auch beim Low-Coster drauf: Dienstag hin und am folgenden Dienstag wieder zurück, fliegt man mit dem führenden Billigflieger Ryanair für knapp 190 Euro (Anm.: die Suche erfolgte am Montagmittag). Und das von einem der Regionalflughafen wie Weeze am Niederrhein, die für Sparflüge bekannt sind. „Einen günstigen Flug nach Mallorca gibt es im Sommer nicht mehr“, sagt daher Experte Steinhaus.

Wer dagegen weiter in die Ferne reisen will, sollte sich am besten drei Wochen vorher nach einem Flug umschauen. Denn das ist laut Swoodoo der beste Zeitabstand, um internationale Flüge zu buchen. Die Flugpreis-Suchmaschine hat im Frühjahr vergangenen Jahres 125 Millionen Suchanfragen auf ihrer Webseite analysiert. „In den Wochen zuvor fällt der Preis kontinuierlich“, stellte Swoodoo fest. „Erst rund 14 Tage vor dem Stichtag zeigt die Kostenkurve steil nach oben.“

Zu anderen Ergebnissen kam Momondo im September 2013: Die Flugpreis-Suchmaschine analysierte 25 Verbindungen mit einem Startflughafen in Europa und stellte fest, dass 59 Tage im Voraus der beste Zeitpunkt für eine Buchung sei. Gut zwei Monate im Voraus spare man zwischen 18 und 51 Prozent im Vergleich zu einer Buchung nur einen Tag vor dem Abflug. Denn dieser Tag sei in 85 Prozent der Fälle der teuerste.

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