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24.06.2011

06:11 Uhr

Zerfall geht weiter

Teldafax-Verwalter scheitert mit Radikalplan

VonSönke Iwersen, Jürgen Flauger

ExklusivFür Insolvenzverwalter sind schwierige Fälle normales Geschäft. Doch was Biner Bähr in der vergangenen Woche beim Stromanbieter Teldafax vorfand, stellt auch ihn vor unlösbare Probleme.

Teldafax-Logo am Firmensitz in Troisdorf. Quelle: dpa

Teldafax-Logo am Firmensitz in Troisdorf.

TroisdorfEine Abfuhr nach der anderen. Als der Rechtsanwalt Biner Bähr am 14. Juni vom Amtsgericht Bonn zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Stromhändlers Teldafax berufen wurde, glaubte er noch an das Gute im Unternehmen. „Es wäre bedauerlich, wenn ein aktiver und unabhängiger Wettbewerber wie Teldafax aufgeben müsste“, sagte Bähr. Drei Tage später stellte er den Betrieb ein. Ein Brief von Bähr, der dem Handelsblatt vorliegt, zeigt nun, wie Teldafax praktisch vor den Augen des Insolvenzverwalters zerfiel.

„Nach den ersten Gesprächen mit der Geschäftsführung ging ich davon aus, dass die bisherigen Gesellschafter der Teldafax-Gruppe möglicherweise einen Beitrag leisten würden, um den Geschäftsbetrieb des Unternehmens aufrecht zu erhalten. Ein solcher Beitrag wurde jedoch am heutigen Tag von den Gesellschaftern abgelehnt“, schrieb Bähr am 17. Juni. Sein Brief war an die Netzbetreiber gerichtet, durch deren Leitungen Teldafax seinen Strom zum Kunden leitete. Ihnen machte der Insolvenzverwalter dann einen radikalen Vorschlag:

Bähr empfahl, Teldafax solle sich von allen Kunden trennen, „bei denen den laufenden Energieleistungen keine oder unter den Kosten liegenden Einnahmen gegenüberstehen.“ Dann führte er aus: Von den einst 800.000 Kunden, die Teldafax nach eigener Auskunft noch Mitte März hatte, seien nur 350.000 übrig geblieben. Davon wiederum seien lediglich 150.000 für Teldafax profitabel. Bährs Schlussfolgerung: Teldafax sollte umgehend die anderen 200.000 Kunden fallenlassen.

„Die Alternative wäre eine vollständige Einstellung der Belieferung sämtlicher Kunden. Hierdurch wäre jedoch ein Erhalt des Unternehmens und der damit verbundenen Arbeitsplätze ausgeschlossen“, schrieb der Insolvenzverwalter. „Darüber hinaus wäre diese Lösung ebenfalls nicht im Interesse der Gläubiger, weil ein Verkauf des Unternehmens nicht mehr möglich wäre und erheblichen Liquidationskosten keine Einnahmen gegenüberstünden.“

Genau dieser Fall aber ist nun eingetreten. Während Bähr am Freitagvormittag den totalen Lieferstopp noch als Todesstoß für Teldafax beschrieb, musste er ihn schon am Freitagnachmittag bei einer Betriebsversammlung ausrufen. Am Samstag stellte Teldafax alle Stromlieferungen ein.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte auf Anfrage nicht darlegen, warum Bähr gegen seine eigene Expertise handelte und was dies nun bedeutet. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, sagte der Sprecher. Einen Hinweis aber gab der letzte Absatz in Bährs Brief: „Mit den Übertragungsnetzbetreibern und Marktgebietsverantwortlichen werde ich versuchen, bereits diesen Freitagvormittag ein gemeinsames Verständnis zu erzielen.“

Kommentare (17)

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Teldafurz

23.06.2011, 17:09 Uhr

Habe vor 20 Minuten von Telfax eine Mail bekommen:

"Wiederaufnahme der Energielieferungen mit neuem Eigentümer geplant"
Mit der Aufforderung, man sollte sich das mit den Kündigen noch mal überlegen und man befände sich in Gesprächen bla, bla, bla...

Welcher Kunde sollte einem Unternehmen wie Teldafax denn noch Vertrauen schenken? Und welcher "strategische Investor" sollte so verrückt sein, ein marketing-mäßig komplett verbranntes Unternehmen kaufen zu wollen - was ja auch bedeutet, dass man erstmal Millionen versenken muss, um die alten Schulden und Schadensersatzansprüche zu befriedigen.

Ich als komplett frustrierter Teldafax Kunde, glaube wenigstens alles richtig gemacht zu haben (bis auf den Fehler, Teldafax-Kunde geworden zu sein):

1) Der einseitigen Zahlungsumstellung auf Überweisung widersprochen.

2) Seitdem nicht mehr bezahlt

3) Als kurz vor Exitus dann doch wieder abgebucht hat, die Lastschriften zurück gehen lassen.

4) Gekündigt (mehrfach)

5) Nach Rückfall in die Grundversorgung Schadensersatz geltend gemacht.

Meiner Meinung nach ist Tedafax so verbrannt, man sollte das Unternehmen in Ruhe ausbrennen lassen und dann: Friede seiner Asche!

Toni

23.06.2011, 20:12 Uhr

Toni Das die Konkurenz Teldafaxservicemitarbeiter einstellt
ist doch auch der Anfang vom Ende dieses Unternehmen.Der
gesamte Laden war doch unfähig .

Beobachter

23.06.2011, 20:21 Uhr

Es ist schon interessant zu beobachten, wie einfach es ist, Menschen zu einer Herde zu machen. Dieselben Leute, die sich über Energie-Monopolisten aufregen, sind auch zugleich hocherfreut, wenn einer ihrer Konkurrenten in Schwierigkeiten gerät. Und wenn dieser verschwinden sollte, so würden sofort die Stimmen derselben Herde laut, dass Energie doch "so teuer" wäre. Hallo Herde: wenn Teldafax fällt, dann fallen weitere (kleinere) Anbieter noch schneller! Und was dann? Zurück zu den Energie-Multis? Oder wieder die Politiker anschwärzen? Hautpsache, man ist selber nicht schuld und hat auch sonst keinen Anteil an der (Energie)misere in unserem Lande. Wie jämmerlich die Klagen hier klingen!

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