Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2014

17:59 Uhr

Zigarettenindustrie

Das Röcheln der Tabakkonzerne

VonJohannes C. Bockenheimer

Europa und die USA haben den Zigarettenfirmen den Kampf angesagt. Ihre Gewinne und Umsätze schwinden dahin. Jetzt setzen die Tabakkonzerne auf Asien – und auf einen dampfenden Hoffnungsträger.

Abgeraucht: Die Tabakindustrie steckt in einer Klemme.

Abgeraucht: Die Tabakindustrie steckt in einer Klemme.

BerlinWer seine Freizeit nicht regelmäßig auf einem Pferderücken im Dreieck zwischen den US-Bundesstaaten Texas, Colorado und Arizona verbringt, wird den Namen Eric Lawson zwar nicht unbedingt gehört, sein Gesicht aber schon gesehen haben. Lawson war der letzte Schauspieler, der den Marlboro Cowboy verkörperte. Drei Packungen Zigaretten brauchte Lawson in seinen besten Jahren, um durch den Tag zu kommen. Und es waren letztendlich auch die Glimmstängel, die ihn vom Pferderücken ins Grab beförderten: Lawson starb Anfang des Jahres an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, einer Raucherlunge.

Keine gute Werbung für den Marlboro-Hersteller Philip Morris. Doch der hat ohnehin andere Sorgen, wie die am Donnerstag vorgelegten Zahlen zeigen. Der Umsatz ging zurück, meldet das Unternehmen, 2013 wurden fünf Prozent weniger Zigaretten verkauft als noch im Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis fiel um 2,5 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar.

Keine guten Zahlen. Dabei hat Philip Morris mit seinem Marlboro Cowboy eine der erfolgreichsten Werbegeschichten weltweit geschrieben. Der harte Kerl mit Kippe im Mundwinkel ist in den USA zwar nicht nur Werbeträger, sondern zu einem nationale Mythos geworden, genau wie es das, naja, HB-Männchen für uns Deutsche ist. Oder man sollte besser sagen: war. Denn den letzten Fernsehauftritt hatte ein Marlboro Cowboy in den frühen 80er-Jahren. Seither hat der US-Kongress den Zigarettencowboy von den Werbebannern und TV-Bildschirmen der Nation verbannt. Der amerikanische Traum wird mittlerweile nur noch in einer rauchfreien Variante geträumt. Sehr zum Leidwesen von Tabakkonzerne wie Marlboro-Hersteller Philip Morris, Reynolds American („Camel“) oder British American Tobacco („Lucky Strike“).

In diesen OECD-Ländern wird am meisten geraucht

OECD-Durchschnitt

Anteil der rauchenden Bevölkerung: 21,1 Prozent
Abnahme an Rauchern von 1990 bis 2010: -30,5 Prozent
Quelle: OECD Factbook 2013, jeweils letzt verfügbare Daten

Platz 17

Deutschland
Anteil der rauchenden Bevölkerung: 21,9 Prozent
Abnahme an Rauchern von 1990 bis 2010: -11,7 Prozent

Platz 5

Ungarn
Anteil der rauchenden Bevölkerung: 26,5 Prozent
Abnahme an Rauchern von 1990 bis 2010: -25 Prozent

Platz 4

Irland
Anteil der rauchenden Bevölkerung: 29 Prozent
Abnahme an Rauchern von 1990 bis 2010: -3,3 Prozent

Platz 3

Chile
Anteil der rauchenden Bevölkerung: 29,8 Prozent
Zuwachs/Abnahme an Rauchern von 1990 bis 2010: k.A.

Platz 2

Griechenland
Anteil der rauchenden Bevölkerung: 31,9 Prozent
Zuwachs/Abnahme an Rauchern von 1990 bis 2010: k.A.

Platz 1

Russland
Anteil der rauchenden Bevölkerung: 33,8 Prozent
Zuwachs an Rauchern von 1990 bis 2010: +12,67 Prozent

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von 2000 bis 2011 ging der Tabakkonsum in den USA um 27,5 Prozent zurück. Der Zigarettenabsatz fiel in diesem Zeitraum von 450 Milliarden auf 326 Milliarden, meldete die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Erst am Donnerstag meldete CVS, die zweitgrößte Drogeriekette der USA, dass das Unternehmen keine Zigaretten mehr verkaufen will – obwohl es laut eigenen Angaben damit auf zwei Milliarden Dollar Umsatz im Jahr verzichtet.

Zigarettenrauch in der Öffentlichkeit ist in den USA mittlerweile so beliebt wie ein Pups im Fahrstuhl. Wer sich mit einer Zigarette auf den Straßen von New York oder Los Angeles erwischen lässt, muss mit angeekelten Blicken rechnen. Ähnliches Bild auch auf der anderen Seite des Atlantiks: Deutsche Raucher können zwar noch auf etwas mehr Milde ihrer nichtrauchenden Mitmenschen hoffen, aber auch hierzulande sinkt die Toleranzschwelle zusehends. Laut Statistischem Bundesamt ging der durchschnittliche Konsum von Zigaretten seit 1991 bis 2013 um rund 55 Prozent zurück: Noch 220 Millionen Zigaretten pafften die Deutschen im letzten Jahr täglich. Einer der Gründe: Den Konzernen wird es immer schwerer gemacht, um Nachwuchskunden zu buhlen.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

ohne_Filter

06.02.2014, 18:30 Uhr

in westen Kanadas ist raucen nur noch in den eigenen vier Waenden erlaubt. Alle oeffentlichen Straende und Parks unterliegen dem Rauchverbot, dass mit 2.000 Dollar Strafe schnell zur teuersten Zigarette des Lebens werden kann.
Die gleiche Strafe ist fuer Rauchen in allen oeffentlichen Gebaeuden Restaurants, Bars, Bueros, Banken und allen Arbeitsplaetze angesetzt.
Wer rauchen will, darf es in der Garage in gemeinschaftlicher Runde mit den Autos oder draussen mindestens 6 meter von jedem Hauseingang entfernt.
.
Bars und Restaurants florieren nach wie vor, obwohl die Besitzer den Untergang prophezeiten.
Deutschland sollte Kanada in dieser hinsicht als Vorbild nehmen.

Mauserspeck

06.02.2014, 18:35 Uhr

Bei dem Abgesang sollten sich die Weltverbesserer endlich
ein neues Opfer suchen. Langsam aber sicher nervt das
Thema Rauchen und bringt wahrscheinlich keine neuen Wählerstimmen. Ein dankbares und bestimmt auch lohnendes
Objekt wären vielleicht Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.
Erst die Motorräder und anschließend PKW und LKW. Hier ist auch jeder betroffen und kann somit sicher mitreden.
Es wäre schön, wenn die Redaktion des Handelsblattes die
Diskussion mit einem Artikel eröffnen könnte.

Karlos

06.02.2014, 18:43 Uhr

es ist eine neue Entwicklung, dass in den TV-Filmen pflichtgemäß geraucht wird. Da heißt es auf einmal: Wo sind meine Zigaretten? oder der Schauspieler raucht auf einmal so unauffällig wie genüsslich. Als ob es mit der Handlung was tun hätte? Nein hier ist indirekte Werbung an der Arbeit. Das Unterbewusstsein wird jetzt bearbeitet und manipuliert. Auf die Selbstbestimmung der Zuschauer soll Einfluss genommen werden. Wollen wir das?

Dem Treiben wird nur ein Ende zu setzen sein, wenn jeder Film in dem geraucht wird nur noch ab 18 freigegeben wird. Dies ist auch das Alter der Tabakfreigabe. Also die Indizierung nur logisch. Rauchen heißt FSK 18. Wenn das nicht hilft muss per Gesetz auch indirekte Suchtmittelwerbung verboten werden. Denn die Kinder und Jugendlichen bleiben die erste Zielgruppe der Tabakkonzerne, weil sich dort am meisten Kasse machen lässt. Der Tabaktod kommt in späteren Alter erst.Täglich werden im Fernsehen die rauchenden Filme mehr denn je gezeigt. Komisch nur, dass niemand etwas sagt.Die Geschenke an die politischen Verantwortlichen sind schon verteilt. Wieso sonst das große Schweigen in allen Parteien???

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×